GEW will Döner-Gutscheine und mehr Impfteams

Stuttgart (bjhw) – Die Gewerkschaft GEW formuliert ihre Forderungen für den Beginn des Schuljahrs und hofft auf eine möglichst lange Zeit mit Präsenzunterricht. Ein Überblick.

GEW-Chefin Monika Stein. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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GEW-Chefin Monika Stein. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Prinzipiell lobt Monika Stein, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Zusammenarbeit mit der neuen grünen Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne).

Sie habe „ein sehr, sehr großes Herz für Kinder und Jugendliche“. An den zahlreichen Baustellen ändert das aber erst einmal wenig. Stein, die auch erst seit zehn Monaten im Amt ist, nennt in ihrer ersten Pressekonferenz zum bevorstehenden Schuljahresbeginn eine Reihe von Themen, die endlich angegangen werden müssten: vom Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen über den Lehrkräftemangel bis zur Qualität des Unterrichts.

Was verlangt die GEW für den zweiten Corona-Herbst?
Ihre Befürchtung sei, sagt Stein, „dass wir über Fernunterricht reden werden“. Es gebe noch immer viel zu wenig Luftfilter, obwohl sie eigentlich „in wirklich jedem Raum aufgestellt werden müssen, der nicht gelüftet werden kann“. Die GEW verlangt, dass nur noch PCR-Tests eingesetzt werden und vor allem eine gezielte Impfkampagne, einschließlich einer breiten Information in einfacher Sprache, die am Montagmorgen auf dem Tisch aller Schüler liegen soll. Über die Kinder könnten Familien erreicht werden, gerade jene, die noch gar nicht wissen, dass eine Impfung schon ab zwölf Jahren möglich ist. Jetzt seien mehr Impfteams und kreative Ideen gefragt, etwa ein Döner-Gutschein. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) könne „ja auch Geld für einen vegetarischen Döner lockermachen“.

Welche Forderungen gibt es speziell an die Grünen?
„Auf den Anfang kommt es an“, zitiert Stein den Slogan der Grünen nach ihrem Wahlsieg 2011. Jetzt könne Schopper zeigen, „dass sie es ernst meint“. Der Bildungserfolg eines Kindes sei immer noch viel zu stark an das Elternhaus gekoppelt. Gerade mit Blick auf die Einigung von Bund und Ländern zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsgrundschulplatz ab 2026 fordert die GEW, das Hauptaugenmerk auf schulische Angebote zu legen und nicht auf eine vergleichsweise unverbindliche Nachmittagsbetreuung.

Wie steht es um die Versorgung mit Lehrkräften?
Die Lage an der Rheinschiene ist nach den Zahlen der GEW einigermaßen entspannt. Überall sonst im Land gibt es zu wenige Sonderpädagogen, zu wenige Interessenten für Grundschulen, berufliche Schulen und die Sekundarstufe 1 sowie für Mangelfächer vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich. „Wir erwarten von Theresa Schopper zeitnah ein Konzept für die vermeintlich weniger attraktiven Regionen“, sagt Stein. Mit Anreizsystemen und kreativen Lösungen könnten Bewerbungen befördert werden. Zudem verschwänden zu viele junge Menschen zwischen dem ersten Semester und der Einstellung als Lehrkraft auf unbekannten Wegen. Dem müsse nachgegangen werden. Zudem würden in der Hälfte aller Bundesländer Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Werkrealschulen nach A 13 bezahlt, in Baden-Württemberg müssten Grundschullehrkräfte und die an Haupt- und Werkrealschulen Beschäftigten noch immer mit weniger Geld auskommen. Dabei könnten, sagte Stein, nur attraktive Arbeitsbedingungen sowie eine Ausbildungsoffensive mithelfen, die Lücken zu schließen.

Wie hat sich die Unterrichtsqualität entwickelt?
Die Landesregierung hatte sich schon in der vergangenen Legislaturperiode auf die Fahnen geschrieben, Grundsatzdebatten über die Struktur des Schulsystems zu beenden und stattdessen insbesondere den Unterricht zu verbessern. Schoppers Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) gründete sogar zwei neue Institute. Bisher zeige dies jedoch kaum Auswirkungen, beklagt Stein. Schopper müsse jetzt schnell nachsteuern – „um die richtigen Ziele, die mit dem Qualitätskonzept verbunden sind, auch tatsächlich zu erreichen“.

Zum Thema: Selbsttest vor Zeugen

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) verlangt ab Montag von allen Lehrkräften, die nicht geimpft oder von Corona genesen sind, einen täglichen Selbsttest vor Arbeitsantritt und einem Zeugen. In einem Schreiben an alle Schulen, Kindertageseinrichtungen und Einrichtungen der Kinderpflege begründet sie das Vorgehen mit der aktuellen Situation, die sich auf Grund der zu geringen Impfquote zu verschärfen drohe. Deshalb habe sich die Landesregierung entschieden, weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, „um die Sicherheit noch einmal zu erhöhen“. Für die Kinder und Jugendlichen seien die pandemiebedingten Phasen der Schul- und Kitaschließungen in den vergangenen anderthalb Jahren in vielerlei Hinsicht eine besonders schwere Belastung gewesen: „Deshalb werden wir alles dafür tun, die Schulen und Kitas im Land offen zu halten und Unterricht und Betreuung in Präsenz zu ermöglichen.“ Lehrer müssen ihre täglichen Testungen zudem dokumentieren. Für Kinder und Jugendliche gilt an Schulen, die Antigentests durchführen, dass ab 27. September bis zu den Herbstferien zwei statt drei Mal pro Woche getestet werden muss. „An Schulen, die ihre Testungen ausschließlich per PCR-Pooltests durchführen, bleibt es aufgrund der hohen Sensitivität und Spezifität bei diesem Verfahren grundsätzlich bei einer zweimaligen Testung pro Woche“, so Schopper. Die Rechtsgrundlagen würden gerade erarbeitet und zum 13. September 2021 in Kraft treten.


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