Doppel-Baustelle zwischen Plittersdorf und Rhein

Rastatt (ema) – Plittersdorf erwartet zwei Großbaustellen: Die Neugestaltung der Rheinpromenade und den Neubau der Ankerbrücke.

Ob der Neubau der Ankerbrücke in das Promenadenprojekt integriert werden kann, ist noch offen. Foto: Frank Vetter

© fuv

Ob der Neubau der Ankerbrücke in das Promenadenprojekt integriert werden kann, ist noch offen. Foto: Frank Vetter

Die millionenschwere Neugestaltung der Rheinpromenade Plittersdorf geht offenbar mühsamer von Hand als bislang angenommen. Die Verwaltung präsentierte jetzt im technischen Ausschuss eine überarbeitete Planung. Die Zeit drängt. Bis Ende 2023 muss das Projekt wegen der 50-Prozent-Förderung durch die EU abgeschlossen sein. Derweil zeichnet sich eine weitere Baustelle ab: Die Ankerbrücke soll neu gebaut werden.
Bürgermeister Raphael Knoth erklärte, dass die Fährwiese sowie der Auen-Lehrpfad stärker in den Blick genommen werden sollen; andere Ideen werde man zurückstellen. So wird etwa ein Durchlass der Rheinaue unter der Fährstraße zur ökologischen Aufwertung des Gewässers „Häfele“ erst mal auf die lange Bank geschoben. Oder möglicherweise im Zuge des Projekts „Redynamisierung der Rheinauen“ durch das Rastatter KIT-Aueninstitut angepackt.

In diesem Zusammenhang brachte Ortsvorsteher Mathias Köppel die Pläne des Regierungspräsidiums Karlsruhe für einen Neubau der Ankerbrücke zur Sprache. Aus seiner Sicht sollte das Bauwerk so verlängert werden, dass man den „Häfele“-Durchlass – optimal wären 32 Meter – gleich mit baut

Für die neue Rheinpromenade, deren Kosten zuletzt mit 3,3 Millionen Euro beziffert wurden, muss die Verwaltung für Teilmaßnahmen einen Bebauungsplan aufstellen. Wesentliche Elemente der Neugestaltung: Eine fünf Meter breite Uferpromenade, lange Sitzbänke in der Uferkante, die Fährwiese mit Rasen und Blütenwiese, neue auentypische Gehölze neben den bestehenden Linden, diverse Sitzgelegenheiten sowie drei Container für Sanitäranlage und Bistro unter einem gewellten Dach, die man bei Überschwemmungen bis zu 1,50 Meter nach oben ziehen kann.

Radweg wird nur auf halber Strecke verbreitert

Die Zahl der Parkplätze bei der Fähre soll mit 92 auf dem jetzigen Level bleiben; 60 Fahrrad- und sowie 14 Motorradstellplätze kommen hinzu. Um den Andrang besser zu bewältigen, sollen die Parkplätze beim Sportplatz stärker eingebunden werden. Mit einem Parkleitsystem will man den Autoverkehr besser lenken. Ab Höhe Sportplatzeinfahrt ist eine Verbreiterung des Geh- und Radwegs vorgesehen – eine Maßnahme, die am Ratstisch auch für den restlichen Streckenabschnitt gefordert wurde. In Höhe des künftigen Lehrpfads sehen die Pläne eine Querungshilfe über die Fährstraße vor. Auf der Landesstraße wird künftig Tempo 50 (statt 70) angeordnet.

Plittersdorfs Ortsvorsteher bekräftigte, dass das Projekt zu einer Riesenaufwertung führe. Mängel sieht Köppel gleichwohl noch: Nach seiner Auffassung sollten Wasser-/Abwasserleitungen gleich mitverlegt werden, damit man unter der Sanitäranlage auf Tanks verzichten könne. Der Ortsvorsteher mahnte außerdem bessere Querungshilfen bei der Ankerbrücke sowie diverse Poller an, um das wilde Parken von Wohnmobilen zu unterbinden. Außerdem sollen die vier Busparkplätze für die Kreuzfahrtschiffe so angelegt werden, dass sie auch für den ÖPNV nutzbar sind.

Entwarnung gaben die Planer bei den Bedenken von Herbert Köllner (FW), dass der Buntsandstein als stark genutztes Baumaterial unter dem häufigen Hochwasser leiden könnte. Ein Quarzanteil von über 90 Prozent werde für Langlebigkeit sorgen, hieß es am Ratstisch.

Die 1959 errichtete 100 Meter lange Ankerbrücke in Plittersdorf muss aufgrund von schrägen Rissen und Tragfähigkeitsdefiziten durch einen Neubau ersetzt werden. Dazu fand bereits im Sommer 2020 ein Vor-Ort-Gespräch mit den Trägern öffentlicher Belange statt, informiert das Regierungspräsidium Karlsruhe auf BT-Nachfrage. Während der voraussichtlich zweijährigen Bauzeit soll der Verkehr über eine Behelfsbrücke geführt werden. Die Pfeileranzahl des Ersatzneubaus wird voraussichtlich auf zwei verringert.

Die Vermessung ist abgeschlossen und die Brückenplanung hat begonnen, so die Behörde. Derzeit finden Flora-Fauna-Kartierungen statt. Das Projekt befindet sich noch ganz am Anfang der Planung. Zu den Kosten und auch zum Beginn der Maßnahme kann das Präsidium noch keine Auskunft geben. Offen ist auch noch, wie Baurecht erlangt wird.

Abstimmen wollen die Planer das Projekt gleich mit zwei anderen Vorhaben in dem Bereich, heißt es aus Karlsruhe: Zum einen mit dem von der Europäischen Union geförderten Projekt zur Neugestaltung der Rheinpromenade; zum anderen mit dem Dammertüchtigungsprojekt Rheinhochwasserdamm XXIII von Wintersdorf bis zur Murg.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.