Doppel-Blitzer gegen rasende „Kreissägen“

Baden-Baden (hez) – Die Stadt Baden-Baden setzt auf eine neue Methode, um rasende Motorradfahrer zu erwischen. Die sollen dann zur Kasse gebeten werden.

Überwachung ist das eine, Prävention das andere: Das neue Schild soll Motorräder schon am Ortsausgang abbremsen. Foto: Henning Zorn

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Überwachung ist das eine, Prävention das andere: Das neue Schild soll Motorräder schon am Ortsausgang abbremsen. Foto: Henning Zorn

Verkehrslärm lässt viele Menschen leiden – da spielt der Krach von Motorrädern eine große Rolle. Durch eine innovative Maßnahme, die Baden-Baden nach städtischen Informationen als erste Kommune in Deutschland zum Einsatz bringt, können nun auch rasende Motorradfahrer ermittelt und zur Kasse gebeten werden. Dabei werden zwei Mess- und Blitz-Apparaturen – so genannte Enforcement Trailer – zusammengeschaltet.

Am Aufstieg der Schwarzwaldhochstraße, die zu den beliebtesten Rennstrecken für Motorradfahrer in Deutschland gehört, stellte die Stadt am Freitag die neue Überwachungstechnik vor. Zudem wurde am Ortsausgang von Geroldsau ein Schild angebracht, das zum „leiseren Fahren“ auffordert. Zweiradfahrer waren wegen des prasselnden Regens nicht in Sicht. Dafür zeigte aber die Anwesenheit von Vertretern der Stadt, des Landes, der Polizei, des ADAC und zahlreicher Medien, welch wichtiges Thema die Bekämpfung des Motorradlärms ist.

Verkehrspolizeichef: „Die Volksseele kocht!“

Bei dem Termin wurde deutlich, wie schwierig es ist, das Lärmproblem in den Griff zu bekommen. Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium, verwies auf die „wahnsinnige Zunahme“ der Zahl der Motorradfahrer, bei denen gerade die B 500 besonders beliebt sei. Es sei ein Ziel der Landesregierung, die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten zu reduzieren. Und da müsse man bei einer der Hauptursachen ansetzen: dem zu schnellen Fahren. Auf die Motorradfahrer bezogen meinte sie, dass es auch darauf ankomme, durch Prävention das Bewusstsein zu verändern. Aber ebenso nötig sei eine Erhöhung des Kontrolldrucks.

Landtagsabgeordneter Hans-Peter Behrens (Grüne) unterstrich, dass es nur eine Minderheit der Motorradfahrer sei, die bewusst Lärm erzeuge. Dennoch müsse man etwas unternehmen. Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Offenburg, verwies auf das Drängen der Bevölkerung, gegen den Verkehrslärm vorzugehen: Die Volksseele kocht!“ Allerdings seien viele Motorräder völlig legal so laut bis hin zum Geräuschniveau einer Kreissäge. Die Industrie müsse leisere Maschinen herstellen.

Zwei Trailer werden zusammengeschaltet

Bürgermeister Roland Kaiser sieht da vor allem den Gesetzgeber gefordert. Nötig seien Änderungen zum Beispiel bei den Zulassungsbedingungen. Viele Hoffnungen setzt er auf den Einsatz des zweiten Enforcement Trailers (Blitzer-Anhänger), den die Stadt für 140.000 Euro gekauft hat. Bislang konnten rasende Motorradfahrer vom städtischen Blitzer nur von vorne geblitzt werden. Und da ist natürlich kein Kennzeichen zu sehen. Doch durch das jetzt mögliche, erstmals praktizierte Zusammenschalten zweier Trailer ist auch eine Aufnahme „von hinten“ machbar – und damit das Verschicken eines Bußgeldbescheids. Dies will man vor allem auf der Schwarzwaldhochstraße praktizieren. Hier gibt es immer wieder tragische Unfälle.

Allerdings wird der zweite Trailer wie sein „Partner“ auch häufig den Autoverkehr in der Stadt überwachen. „Wir sind dadurch viel flexibler und setzen das Gerät vor allem an Stellen ein, wo es oft zu Tempoüberschreitungen kommt“, erklärte Roland Kaiser. Dies gelte zum Beispiel für den Zubringer, wo gerade nachts im Tempo-60-Bereich oft viel zu schnell – bis zu 140 Stundenkilometer – gefahren werde.

Darüber hinaus setzt man auch auf Einsicht. Deshalb wurde im Auftrag des ADAC am Beginn der Schwarzwaldhochstraße bei Geroldsau ein Lärmhinweisschild aufgestellt. Es zeigt ein Kind, das auf einem Plakat fordert: „Respekt zeigen. Leise fahren“. Reinhold Malassa vom ADAC Südbaden zeigte sich überzeugt, dass solche Präventionsarbeit wichtig sei. Er schränkte jedoch ein: „Bei einigen der Rowdys ist nichts zu erreichen. Da gehört der Lärm einfach dazu.“

Ihr Autor

BT-Mitarbeiter Henning Zorn

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Erstellt:
9. April 2022, 10:18 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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