Dramatische Situation in Indien

Durmersheim (as) – Corona, Typhus und Malaria grassieren in der Region Indiens, in der der Verein Indischer Regenbogen viele Projekte unterstützt. Vorsitzende Alexandra Nowack macht sich große Sorgen.

Alexandra Nowack vom Verein Indischer Regenbogen, hier beim Besuch eines Hilfsprojekts in Indien vor der Corona-Pandemie, macht sich große Sorgen. Foto: privat

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Alexandra Nowack vom Verein Indischer Regenbogen, hier beim Besuch eines Hilfsprojekts in Indien vor der Corona-Pandemie, macht sich große Sorgen. Foto: privat

„Wir wissen nicht, was wir machen sollen“, sagt Alexandra Nowack. In diesem Satz spiegelt sich die ganze Hilflosigkeit der Vorsitzenden des Durmersheimer Vereins Indischer Regenbogen angesichts der täglich neuen Hiobsbotschaften aus Indien. Covid-19 grassiert in der Region Rangia im nordöstlichen Bundesstaat Maharashtra ebenso wie Typhus und Malaria – schon drei Schwestern des dortigen katholischen Fatima-Ordens, mit denen der Verein kooperiert, sind gestorben.

„Ich schicke Geld, das ist gerade das einzige, was ich tun kann“, berichtet Nowack. Damit würden die Schwestern „Care-Pakete“ für die vielen armen Familien in den abgelegenen Dörfern kaufen und verteilen, weiß Nowack, die in ständigem Kontakt mit den Fatima-Schwestern steht. Doch: „Oft ist ein Fußmarsch von einem ganzen Tag notwendig, um das nächste Dorf zu erreichen“, weiß sie, wie beschwerlich das ist.

Tagelöhner bringen Corona mit zurück

Noch im März sei die Armut das Hauptproblem in der Region gewesen. Das habe sich durch diverse religiöse Großveranstaltungen gewandelt, erzählt Nowack. Und: „Nach Ende des strengen Lockdowns kamen die arbeitslosen Tagelöhner aus den Städten zurück und brachten Corona mit in die Dörfer.“

Weil das Land sich pandemiebedingt extrem abgeschirmt hat, könne sie nicht wie geplant im Mai nach Indien reisen, um persönlich nach den Hilfsprojekten zu schauen. „Aus diesem Grunde bin ich mit meinem Verein weiterhin auf jeden Cent angewiesen, welchen ich nach Indien überweisen kann“, sagt Nowack. Denn wenn die Kinder in den mittlerweile 36 vom Verein betreuten sogenannten Boarding Houses nicht mit Nahrungsmitteln und Schulgeld versorgt werden könnten, wachse die Gefahr, „dass viele bitterarme Familien wieder die frühe Verheiratung ihrer Töchter als einzigen Weg aus der Armut sehen“, befürchtet die Durmersheimerin. Sie ist deshalb froh über die rund 600 Patenschaften für Straßen- und Waisenkinder.

Abgeschiedene Orte ohne medizinische Hilfe


Im westlichsten indischen Bundesstaat Gujarat ist bei den Fatima-Schwestern zudem Typhus ausgebrochen – durch verunreinigtes Trinkwasser und Lebensmittel. „Wir werden deshalb sofort Geld für Typhusimpfungen nach Indien schicken, um ein größeres Unheil zu vermeiden“, sagt Nowack. Das Problem sei einfach, „dass diese abgeschiedenen Orte gar keine Ärzte haben und wenn, die Leute kein Geld haben, um den Arzt oder die Medizin bezahlen zu können“. Und Krankenhäuser, in denen die Behandlung kostenlos ist, seien für die Bewohner weit entfernt – eine beschwerliche Reise von ein bis zwei Tagen mit dem Auto auf Schlaglochpisten – wenn man ein Auto hat. Gerade erst hat sie erfahren, dass wieder eine Schwester gestorben ist – auf dem Weg ins Krankenhaus, der etwa eineinhalb Tage dauert. „Die Menschen brechen einfach auf der Straße zusammen und sterben“, schildert sie die unvorstellbaren Zustände.

Schwestern organisieren Krankenstationen

Damit die Fatima-Schwestern medizinische Hilfe leisten können, stattet der Verein auch immer wieder Krankenstationen aus. „Die Schwestern riskieren lieber ihr Leben, als nicht zu helfen“, weiß die Durmersheimerin. Sie hat sich daher vorgenommen, bei ihrem nächsten Besuch, der für November geplant ist, für alle Häuser Impfungen zu organisieren.

In dieser Krisensituation steht auch noch die Regenzeit bevor – und die Ernte droht vernichtet zu werden, beschreibt Nowack die schier ausweglos scheinende Situation. Da sei die Hilfe des Vereins ein „Tropfen auf dem heißen Stein“, findet sie und erzählt gerührt, dass die Fatima-Schwestern trotz der harten Zeit eine Dankmesse für die Paten und Spender des Indischen Regenbogens hielten. Die Worte der Priester dabei kann Alexandra Nowack nur unterstreichen: „So viele Menschen sind wegen Corona gestorben. Es ist Zeit, dass Corona stirbt!“

Hilfe für Straßenkinder

Der Verein „Indischer Regenbogen“ aus Durmersheim unterstützt Halb- und Vollwaisen, hauptsächlich Mädchen, in den Häusern der Schwestern vom katholischen Fatima-Orden in Indien mit Hauptsitz in Pune (Bundesstaat Maharashtra) und 14 Klöstern in der Nord-Ost-Region. Das Ziel der Fatima- Schwestern und des Indischen Regenbogen e.V. ist es, den Straßenkindern eine gute Erziehung, Schulausbildung oder sogar den Abschluss einer Berufsausbildung zu ermöglichen. Es wurden Hauswirtschaftsschulen für junge Frauen errichtet, die von ihren Familien verstoßen wurden. Witwen unterstützt der Verein damit, dass er ihnen eine Ziege kauft, die zum Auskommen der Familie beiträgt. Zudem wurde in Assam, im armen Nordwesten Indiens, ein Haus für 36 geistig und körperlich behinderte Kinder gebaut. Jeder, der spendet oder eine Patenschaft übernimmt, wird Vereinsmitglied. Der Verein hat rund 700 Unterstützer.

www.indischer-regenbogen.de

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
30. April 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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