Dreharbeiten mit Wim Wenders

Rastatt (fuv) – Filmemacher Wim Wenders dreht in Ottersdorf eine Dokumentation über den dort aufgewachsenen Künstler Anselm Kiefer. Am Rand der Dreharbeiten sprach er mit dem Badischen Tagblatt.

Wim Wenders im BT-Gespräch vor Beginn der Dreharbeiten in Ottersdorf. Foto: Frank Vetter

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Wim Wenders im BT-Gespräch vor Beginn der Dreharbeiten in Ottersdorf. Foto: Frank Vetter

Sie kennen sich seit 35 Jahren, und der Gedanke, einen Film über den Künstler Anselm Kiefer zu machen, bestehe schon lange, sagt Wim Wenders. Das Badische Tagblatt hatte am Samstagmorgen vor Drehbeginn Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Filmemacher.

Gedanke exisitiert schon lange

Wenders begann vergangene Woche im alten Lehrerwohnhaus in Ottersdorf, wo der Maler aufgewachsen ist, mit der Arbeit zu einer Dokumentation über Kiefer (wir berichteten). In der Ottersdorfer Friedhofstraße befindet sich die „Basis“, sozusagen der Pausenhof der Filmcrew. Das Catering ist dort, und ein Corona-Testzelt, denn jeden Morgen wird das Team getestet. Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen seien schon anstrengend, stellt Wim Wenders fest. Der Gedanke, einen Film über seinen Freund Anselm Kiefer zu machen, existiere schon lange. „Zusammen sind wir über 150 Jahre alt“, lacht er in der Rieder Morgensonne.

Hopper-Ausstellung gibt Anstoß

Den Anstoß dafür, dass das Projekt nun umgesetzt wird, habe eine andere Arbeit von Wenders gegeben, erzählt er. Für eine Ausstellung mit Werken des von ihm hochgeschätzten US-Malers Edward Hopper in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel im vergangenen Jahr hat Wim Wenders einen beeindruckenden 3-D-Kurzfilm realisiert. Die Bilder Hoppers begleiten und inspirieren den Regisseur schon Jahrzehnte.

Im 3-D-Format entsteht auch die Dokumentation über Anselm Kiefer.

Die umfangreiche Ausrüstung für die 3-D-Produktion eines Dokumentarfilms über den weltbekannten Künstler aus Rastatt steht schon bereit. Foto: Frank Vetter

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Die umfangreiche Ausrüstung für die 3-D-Produktion eines Dokumentarfilms über den weltbekannten Künstler aus Rastatt steht schon bereit. Foto: Frank Vetter

Er selbst, so Wenders, habe Maler werden wollen, Kiefer Filmemacher. Der Film werde wohl Ende 2022 zu sehen sein. Neben der aktuellen Produktion der Kiefer-Dokumentation verfolgt Wenders ein Langzeitprojekt, wie er sagt. Drei bis vier Jahre wird er den Schweizer Architekten Peter Zumthor begleiten. Für eine weitere Dokumentation. Vom Spielfilm habe er sich abgewendet. Da sei man heute sehr eingeengt. Er habe seine Spielfilme ohne Drehbuch realisiert. Das sei nicht mehr möglich, bei Dokumentarfilmen hingegen schon.

Bei dieser Affinität zur Malerei stellt sich doch die Frage: Mit welchem Maler aus der Vergangenheit würde Wim Wenders gerne einen Film machen? „Caspar David Friedrich“, antwortet Wenders gleich. Der habe die Menschen auf eine ganz andere Art in seine Bilder einbezogen. „Man wird zu dem, der da auf dem Bild steht“, beschreibt er die Wirkung von Friedrichs Bildern auf ihn. Das sei ein großer Schritt in der Kunstgeschichte. Zudem faszinieren Wenders die Stimmungen, die der Maler in seinen Bildern geschaffen hat. „Er ist ein großer Romantiker. Wie ich.“

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Erstellt:
5. September 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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