Drei Jahre Haft verhängt, Verteidiger will in Revision

Baden-Baden (nie) – Das Landgericht Baden-Baden hat am Donnerstag einen 28-Jährigen wegen Vergewaltigung zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Der Verteidiger will in Revision gehen.

Der Verteidiger des Angeklagten will gegen das Urteil des Landgerichts Revision einlegen. Symbolfoto: Jochen Denker/Archiv

Der Verteidiger des Angeklagten will gegen das Urteil des Landgerichts Revision einlegen. Symbolfoto: Jochen Denker/Archiv

Drei Jahre Gefängnis, so lautet das Urteil, das am Donnerstag am Landgericht in der Kurstadt gegen einen 28-Jährigen aus dem Raum Kaiserslautern gesprochen wurde. Er soll eine jetzt 23-Jährige aus Baden-Baden in einem abgelegenen Waldstück beim Leisbergstollen vergewaltigt haben.

Vor allem die Vorgeschichte zwischen dem Verurteilten und dem Opfer, aber auch das Verhalten der jungen Frau am Tatabend des 7. Januar 2019 sprächen in keiner Weise für „einvernehmlichen Geschlechtsverkehr“, begründete der Vorsitzende Wolfgang Fischer. Dass es zu sexuellen Handlungen gekommen war, könne durch Befunde (unter anderem DNA-Spuren am benutzten Kondom) belegt werden, Analsex habe der Verurteilte eingeräumt. Kopfschüttelnd nahm er auf der Anklagebank seinen Schuldspruch entgegen. Sofort nach der Verhandlung kündigte Verteidiger Johannes Berg gegenüber dem BT an, in Revision zu gehen. Dafür hat er nun eine Woche Zeit, so lange ist das Urteil nicht rechtskräftig. Berg hatte Freispruch gefordert, die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage verlangten dem Vernehmen nach fünf Jahre Haft.

Tat über sich ergehen lassen

In dem Urteil zeigt sich, dass das Gericht die Vorwürfe aus der Anklageschrift weitgehend als erwiesen ansieht: Am besagten Abend sei die Frau in das Auto des Mannes eingestiegen, er habe sie zum Waldstück an der Leisbergstraße gefahren – und sie dort gegen ihren Willen zum Oralsex im Freien und danach zum Analsex auf der Rückbank seines Autos genötigt. Der Verteidiger hat laut Richter Fischer in seinem Plädoyer – dabei war die Öffentlichkeit ausgeschlossen – eine „plötzliche Erregung“ und Lust auf ein „sexuelles Abenteuer“ ins Feld geführt. Vor allem zwei Punkte stünden diesen Vermutungen entgegen: Erstens sei es zum verhängnisvollen Treffen der beiden nur auf Druck des Mannes gekommen. Nach dem Kennenlernen über eine Dating-Plattform und lediglich schriftlicher Kommunikation, habe der Mann dann bei Absage eines realen Treffens damit gedroht, ein Nacktbild der Frau auf Instagram zu veröffentlichen. Sie habe das am besagten Abend wohl klären wollen, „ein Sextreffen war kein Thema“, so Fischer. Der zweite bedeutsame Umstand sei, dass sie zwei Freundinnen kurz vor dem Treffen eingeschaltet hat, dass diese sich per Standortübermittlung stets in der Nähe aufhalten konnten. Die beiden Freundinnen waren auch in der Nähe des Autos, hätten jedoch nichts Genaues beobachten können, so ihre Aussage im Zeugenstand. Das hänge wohl auch damit zusammen, dass das Opfer die Tat „über sich ergehen lassen hat“, als es gemerkt habe, keine Chance gegen ihr Gegenüber zu haben, und im Glauben, niemand könne ihr helfen, da der Täter ihr Handy ausgestellt hatte. Mehrfach habe das Opfer am Abend selbst und auch in späteren Mitteilungen klar gemacht, dass sie keinen Sex haben wollte.

Nach dem Treffen „nicht sie selbst“

Auch spräche die Situation der jungen Frau für sie: So sei sie noch Jungfrau und sehr religiös, Sex vor der Ehe sei keine Frage gewesen. Zudem sei sie nach dem Treffen „verstört“ und „nicht sie selbst gewesen“, schenkte der Vorsitzende den Zeuginnen Glauben. Zwar seien bei medizinischen Untersuchungen keine Verletzungen festgestellt worden, doch der sachverständige Rechtsmediziner habe eindrücklich festgestellt, dass dies eine Vergewaltigung nicht ausschließt.

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Erstellt:
8. April 2021, 17:22 Uhr
Aktualisiert:
8. April 2021, 18:52 Uhr
Lesedauer:
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