Drei Reisigplätzen in Rastatt droht das Aus

Rastatt (ema) – Die Stadt Rastatt erstellt einen neuen Grünabfallplan – und nach dem Vorschlag des beauftragten Ingenieurbüros sollen drei der sechs Reisigplätze im Stadtgebiet geschlossen werden.

Am stärksten genutzt wird der Reisigplatz bei der Kläranlage. Er soll um 4.200 Quadratmeter erweitert werden. Foto: Frank Vetter/BT

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Am stärksten genutzt wird der Reisigplatz bei der Kläranlage. Er soll um 4.200 Quadratmeter erweitert werden. Foto: Frank Vetter/BT

Diese Pläne zur Schließung mehrerer Anlagen, auf denen Grünschnitt entsorgt werden kann, werfen Fragen auf. Hier eine Übersicht:

Was ist der Auslöser der geplanten Strukturreform?
Reisig und Grünschnitt gelten als Abfall. Daher bedarf sowohl die Errichtung als auch der Betrieb von Reisigplätzen ab einer bestimmten Größe einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung. Die von der Stadt Rastatt betriebenen Reisigplätze existieren jedoch schon länger als diese Vorschriften und sind noch ohne immissionsschutzrechtliche Genehmigung. Schritt für Schritt sollen die in die Jahre gekommenen Plätze saniert und immissionsschutzrechtlich genehmigt werden.

Warum will die Verwaltung das Netz ausdünnen?
Die bestehenden Sammelstellen sind in ihrem Ausbau mangelhaft, liegen zum Teil auf Altlasten und entsprechen nicht den Bestimmungen der Arbeitsstättenverordnung. Außerdem will die Stadt Kosten sparen. Opfern würde man die Reisigplätze in Ottersdorf, Plittersdorf und Rauental. In Plittersdorf wird die Sammelstelle im Vergleich eher schwächer genutzt und ist verkehrlich schlecht angebunden. Ottersdorf halten die Planer für verzichtbar, weil es zumutbare erreichbare Alternativen gibt, etwa Wintersdorf, und auch den Forlenhof in Iffezheim mit erweiterten Öffnungszeiten. Rauental verzeichnet die geringsten Anliefermengen. In der Entscheidungsfindung spielt aber auch die Vergangenheit mit den Eingemeindungsverträgen eine Rolle. Wintersdorf und Niederbühl haben demnach einen Anspruch auf Erhalt des Reisigplatzes. Den Aufwand für den Neubau einer Sammelstelle zwischen Ottersdorf und Plittersdorf halten die Ingenieure nicht für gerechtfertigt.

Anfahrtswege und Ablieferung sollen verbessert werden

Was haben die Planer mit den künftigen Reisigplätzen vor?
Für Niederbühl liegt bereits eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung vor; die Umgestaltung steht noch aus. Die verbleibenden Sammelstellen sollen so saniert werden, dass sie besser befahrbar und sauberer sind und die Anlieferung komfortabler wird. Zur Ausstattung gehören ein Aufenthaltsraum sowie ein WC für das Personal. Die Lagerung des krautigen Materials erfolgt überdacht zum Schutz vor Regenwasser. Außerdem werden erweiterte Öffnungszeiten vorgeschlagen: zwei Tage pro Woche mit sechs Stunden; samstags würde man länger als jetzt öffnen. Sollten die verbleibenden drei Plätze nicht ausreichen, erwägen die Planer ergänzend eine wohnortnahe Sammlung mittels Containern an weiteren Standorten. Der am stärksten genutzte Reisigplatz bei der Kläranlage soll um 4.200 Quadratmeter erweitert werden, damit eine Zwischenlagerung für belasteten Bodenaushub und Straßenaufbruch von städtischen Baumaßnahmen im hinteren Bereich möglich ist. Durch die Vergrößerung will man auch einen Schleifenverkehr ohne Rückwärtsrangieren sicherstellen. Die Abfertigung liefe dann schneller. 250 Quadratmeter sollen als Reservefläche für eine eventuelle spätere Annahmestelle für Elektroschrott freigehalten werden, falls der heutige Standort bei der Stadtgärtnerei aufgegeben werden muss.

Welche Alternativen haben Bürger, in deren Wohnort der Reisigplatz geschlossen wird?
Die Planer verweisen auf Ausweichmöglichkeiten auf Reisigplätze des Landkreises und der Stadt. Für die Rauentaler werden Muggensturm und Kuppenheim genannt; für die Plittersdorfer Steinmauern. Die Ottersdorfer könnten nach Wintersdorf ausweichen.

Und die Kosten?
Derzeit liegt die Kostendeckung für die sechs Reisigplätze bei 20 Prozent; erwartet werden künftig 40 Prozent. Der jährliche Fehlbetrag soll sich von 82.000 auf 30.000 Euro reduzieren. Allerdings sind erhebliche Investitionen fällig. Für die Bauarbeiten auf den drei Plätzen rechnen die Ingenieure mit rund 864.000 Euro. Dabei sind die Beseitigung von Altlasten und der Kauf einer zusätzlichen Fläche beim Klärwerk noch nicht eingerechnet.

Ihr Autor

BT-Redakteur Egbert Mauderer

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Erstellt:
29. September 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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