Dröhnung wie aus dem Ghettoblaster

Loffenau (ham) – Lärmdisplay in Loffenau: Bürgermeister Burger zieht nach vier Wochen eine erste Zwischenbilanz.

„Danke“ heißt es nicht immer auf dem neuen Lärmdisplay, wenn Motorräder oder Autos am Ortseingang von Loffenau aus dem Ort oder in den Ort rasen. Foto: Metz

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„Danke“ heißt es nicht immer auf dem neuen Lärmdisplay, wenn Motorräder oder Autos am Ortseingang von Loffenau aus dem Ort oder in den Ort rasen. Foto: Metz

Das schöne Murgtal zieht an sonnigen Tagen die Motorradfahrer magisch an. Für den Tourismus sei das ein Segen, glauben manche – Anwohner an den Strecken empfinden die Tourenfahrer eher als Graus. Hauptgrund: zu schnelle und zu laute Biker, die es kräftig krachen lassen. Fast doppelt so schnell wie erlaubt und über 100 Dezibel laut – diese Paarung ist kein Einzelfall.

Loffenaus Bürgermeister Markus Burger hatte nach der Installierung eines Lärmdisplays am 25. März für 15 300 Euro gegenüber dem BT betont: „Wir wollen die Motorradfahrer nicht alle über einen Kamm scheren und verteufeln. Sehr viele fahren vorschriftsgemäß oder sind nur wenig zu schnell.“

Nach rund vier Wochen, in denen 6 759 Motorräder den Ortseingang aus Richtung Bad Herrenalb passiert hatten, hielten sich 56 Prozent an die vorgeschriebenen 70 Stundenkilometer. Weitere 17 Prozent (rund jeder Sechste) waren mit maximal Tempo 80 nicht viel schneller. Jeder Fünfte (20 Prozent) hatte aber zwischen 81 und 100 km/h auf dem Tacho. Und sieben Prozent (rund jedes 14. Motorrad) rasten mit mehr als 100 Stundenkilometer den Hang entlang. In der Spitze war ein Biker mit 138 km/h fast doppelt so schnell wie erlaubt (das BT berichtete)! „Das Display steht also an der richtigen Stelle, und wir haben erstmals belastbare Daten über einen längeren Zeitraum. Nach einem Jahr stellen wir es an den Ortsausgang in Richtung Gernsbach“, berichtet Burger.

Nachdem der Bürgermeister die Zahlen vergangene Woche im Gemeinderat präsentiert hatte, bat ihn das Gremium, auch den Lärmpegel auszulesen. Den kann das Messgerät, das mit dem rund 100 Meter weiter entfernt stehenden Display verbunden ist, genauso messen. Unter dem Schriftzug „pssst, Rücksicht“ ermahnt es daher nicht nur zu „bitte langsam“, sondern ebenso zu „bitte leise“.

Die seit 1. Januar 2016 geltende Lärmvorschrift begrenzt den maximalen Schallpegel auf 73 bis 77 dB(A) je nach Leistung-Masse-Verhältnis der Maschine. Von den in Loffenau bisher am Fahrbahnrand gemessenen Zweirädern sind nur zwölf Prozent mit bis zu 80 Dezibel unterwegs, was einem lauten Streitgespräch entspricht. 70 Prozent kommen auf 81 bis 90 Dezibel. Das ist in etwa so laut wie ein Türknallen. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) donnert mit 91 bis 100 Dezibel über den Asphalt. 0,25 Prozent dröhnen mit 101 bis 103 Dezibel so wie ein Ghettoblaster.

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Erstellt:
26. April 2020, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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