Druck auf Heizölpreise lässt nach

Mannheim/Baden-Baden (tas) – Der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) rechnet in den kommenden Monaten nicht mit weiter steigenden Bezugskosten für Verbraucher.

Erdtank für die Heizöllieferung: Im ersten Halbjahr haben sich die Kunden mit ihren Bestellungen zurückgehalten. Foto: Christian Charisius/dpa

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Erdtank für die Heizöllieferung: Im ersten Halbjahr haben sich die Kunden mit ihren Bestellungen zurückgehalten. Foto: Christian Charisius/dpa

Der deutliche Anstieg der Heizölpreise in den vergangenen Monaten ist erst einmal abgebremst, und der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), dass die Preise nicht weiter steigen werden. „Wir rechnen mit einer relativ schwachen Nachfrage bei gleichzeitig steigenden Mengen“, sagt Verbandsgeschäftsführer Hans-Jürgen Funke.

Dass sich die Hausbesitzer zuletzt eher zurückhaltend bei der Heizölbestellung gezeigt haben, verwundert kaum. Vor etwas mehr als einem Jahr lagen die Kosten für 100 Liter des fossilen Brennstoffs – inklusive Mehrwertsteuer bei Abnahme von 3.000 Litern – bei etwas mehr als 35 Euro. Doch dann ging es tendenziell nur noch bergauf, zwischen Mitte September und Mitte Oktober dieses Jahres beschleunigte sich der Preisauftrieb noch einmal.

Preise bröckeln wieder


In der Spitze kosteten 100 Liter Heizöl rund 90 Euro. Ein ähnlich hohes Niveau hatte es zuletzt im Oktober 2018 und davor im Oktober 2012 gegeben.

Gute Nachricht für Verbraucher: Seit ein paar Wochen bröckeln die Preise wieder ab, derzeit kosten 100 Liter in Mittelbaden je nach Anbieter zwischen 80 und 83 Euro. Ob es in den kommenden Wochen allerdings noch einmal deutlich nach unten gehen wird, ist laut Funke unsicher. „Wir sehen derzeit kurzfristige Schwankungen sowohl nach oben oder unten. Es ist schwer, eine Prognose aufzustellen.“

Energiehändler Thomas Rundel, der auch Vorstandsvorsitzender des VEH ist, bekommt nach schwachen Monaten derzeit wieder mehr Bestellungen rein. „Die Nachfrage ist relativ groß, Heizölkunden müssen aktuell 14 Tage bis drei Wochen auf die Lieferung warten.“ Er rechnet für Anfang 2022 mit einer weiteren Preisberuhigung.

Viel spricht derzeit dafür, dass es auch tatsächlich so kommen könnte. Zum einen bremst die vierte Welle der Corona-Pandemie ein Stück weit die jüngste Konjunkturerholung aus, was auch die Nachfrage nach Erdölprodukten dämpfen wird. Zum anderen gibt es Signale der Ölförderländer, die Produktion in den kommenden Monaten auszuweiten. So hatte die Öl-Allianz OPEC+ zuletzt angekündigt, die tägliche Fördermenge im Januar erhöhen zu wollen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die USA ihre Ölreserven anzapfen, um die Energiepreise im Land zu senken.

„Ausverkauf an den Ölbörsen ist vorbei“

Was die Heizöl-Prognose für die kommenden Wochen angeht, gießen die Branchenexperten des Vergleichsportals Easyoil allerdings etwas Wasser in den Wein. „Der Ausverkauf an den Ölbörsen ist vorbei. Die Preise tendieren wieder aufwärts. Den wesentlichen Grund dafür liefert die wissenschaftliche Hypothese, dass die Omikron-Variante des Coronavirus nicht so lebensbedrohlich ist, wie zunächst vermutet wurde. (...) Unter dieser Annahme war der Ölpreisverfall der letzten zwei Wochen übertrieben“, schreibt Analyst Klaus Bergmann am Dienstag.

Wie es am Ende auch kommen mag, die Heizölkunden haben sich laut Energieverkäufer Rundel in den vergangenen Jahren mit dem Auf und Ab der Preise arrangiert. „Die jüngste Vergangenheit hat uns gelehrt, dass wir noch flexibler auf die Schwankungen am Markt reagieren müssen.“

Der VEH vertritt laut eigenen Angaben 400 Energiehändler, die ihre Kunden vor allem mit Heizöl und Holzpellets versorgen, in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und im Saarland. Laut dem Verband werden derzeit noch mehr als 33 Prozent aller Wohnungen in Baden-Württemberg mit Öl beheizt, in Hessen sind es sogar fast 35 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet der VEH bei Heizöl mit einem Absatzeinbruch in Höhe von 25 Prozent gegenüber 2020.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
7. Dezember 2021, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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