Duell ums Landratsamt in Rastatt

Rastatt (dm) – Wer neuer Landrat in Rastatt wird, entscheidet der Kreistag am Dienstag. Karsten Mußler und Christian Dusch stehen zur Wahl.

Wer nimmt künftig im Chefsessel der Landkreisbehörde Platz? Den Bekundungen im Vorfeld zufolge kann Christian Dusch als Favorit gelten.Foto: BT/av

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Wer nimmt künftig im Chefsessel der Landkreisbehörde Platz? Den Bekundungen im Vorfeld zufolge kann Christian Dusch als Favorit gelten.Foto: BT/av

Ist die Wahl zwischen Karsten Mußler (FW) und Christian Dusch (CDU) schon entschieden? Am Dienstag stimmt der Rastatter Kreistag darüber ab, wer neuer Landrat wird. Nach CDU und Grünen hat jetzt die SPD-Fraktion mitgeteilt, mehrheitlich ebenfalls den derzeitigen Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein zu unterstützen.

Was sich bereits abzeichnete, hat sich damit bekräftigt: Fällt das Wahlverhalten der Kreisräte tatsächlich aus wie angekündigt, kann der 42-jährige Dusch, der aus Rheinau stammt und derzeit in Freiburg lebt, mit der absoluten Mehrheit schon im ersten Wahlgang rechnen. Wer Landrat werden will, benötigt 31 Stimmen, da der Kreistag ohne Karsten Mußler, der selbst nicht wählen darf, 60 zu vergeben hat.

Mußler warf früh seinen Hut in den Ring

Zwar hatte sich Mußler, Kuppenheimer Bürgermeister und Vorsitzender der Freie-Wähler-Fraktion, als erster in Position gebracht und seinen Hut bereits vor Beginn der offiziellen Bewerbungsfrist in den Ring geworfen. Fest bauen kann der 55-Jährige indes nur beziehungsweise mindestens auf die Unterstützung seiner Freien Wähler und der Fraktion FDP/FuR und folglich auf 16 Stimmen.

Christian Dusch, der seine Bewerbung im August einreichte, wurde hingegen von Anfang an von CDU und Grünen unterstützt. Nur wenige Minuten, nachdem der Regionalverbandsdirektor seine Kandidatur öffentlich gemacht hatte, bekannten sich die Fraktionsvorsitzenden Andreas Merkel (CDU) und Manuel Hummel (Grüne) dazu. Beide Fraktionen kommen auf 28 Stimmen. Nach dieser Rechnung würden Dusch nur noch drei fehlen. Zehn Stimmen hat die SPD, fünf die AfD, eine Stimme die Linke.

„Zwei sehr gute Kandidaten“

Nachdem aus Reihen der SPD bereits im September verlautete, dass Mußler nicht auf die Sozialdemokraten bauen könne, ist deren aktuelle Mitteilung noch deutlicher. Der Kreistag befinde sich „in der glücklichen Situation“, zwischen „zwei sehr guten Kandidaten auswählen zu können“, so Fraktionsvorsitzender Walter Jüngling. Dennoch sei man „mehrheitlich zum Ergebnis gekommen, den Kandidaten Dr. Christian Dusch (...) zu unterstützen“. Die Fraktion habe sich „ausschließlich an den politischen Schwerpunkten der Kandidaten orientiert“, so Jüngling. Nach Bewerbungsschluss habe man den Kandidaten einen umfangreichen Fragenkatalog übersandt, darüber hinaus seien mit beiden Einzelgespräche über deren Ziele und Absichten geführt worden.

Beide wollen Landrat werden: Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler (links) und der Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein, Christian Dusch. Fotos: privat

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Beide wollen Landrat werden: Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler (links) und der Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein, Christian Dusch. Fotos: privat

Dass im September kurz vor Schluss der Bewerbungsfrist ein Dritter seinen Finger streckte, hat für den Ausgang der Wahl keine Bedeutung. Der Kuppenheimer Jürgen Erhard (56), Mitglied der Partei „WIR2020“, wurde vom baden-württembergischen Innenministerium nicht zur Wahl zugelassen, weil er fachlich nicht geeignet sei (weder juristische Ausbildung noch Verwaltungserfahrung).

Fest steht: Das Landratsamt, Behörde mit rund 1.300 Mitarbeitern, bekommt am Dienstag nach monatelanger Vakanz wieder einen designierten etatmäßigen Chef und das politische Gremium, der Kreistag, einen neuen Vorsitzenden. Wann er dann das Amt antritt, ist noch ungewiss und hängt davon ab, wann er zur Verfügung stehen kann.

Wahl-Übertragung in den Murgpark

Der bisherige Landrat Toni Huber war am 30. Mai dieses Jahres unerwartet gestorben. Nur rund 15 Monate hatte der im März 2019 ins Amt gewählte frühere Weisenbacher Bürgermeister und CDU-Kreistagfraktionsvorsitzende seine Zeit als Landrat gesund erleben dürfen. Nach einer OP im Sommer 2020 hatte es Komplikationen gegeben, wegen der Huber seine Amtsgeschäfte vor seinem Tod für längere Zeit ruhen lassen musste. Er wurde nur 56 Jahre alt.

Als Stellvertreter leitet der Erste Landesbeamte Dr. Jörg Peter seither das Landratsamt kommissarisch. Er war einer von vier Mitbewerber, die 2019 gegen Toni Huber unterlagen. Von einer neuerlichen Kandidatur hielt er Abstand.

Die Wahl findet am Dienstag in der Badner Halle statt (Sitzungsbeginn: 15 Uhr). Dort sind die Plätze coronabedingt begrenzt, dafür gibt es eine Übertragung in den Murgpark. Die Bewerber werden sich in einer je maximal 15-minütigen Rede mit ihren Schwerpunkten vorstellen. Anschließend können die Kreisräte Fragen stellen. Im ersten und gegebenenfalls zweiten Wahlgang ist die absolute Mehrheit von 31 Stimmen erforderlich. Im dritten Wahlgang würde eine einfache Mehrheit reichen. Nicht zu erwarten ist eine weitere Variante: Käme in drei Wahlgängen kein Ergebnis zustande, würde das Los entscheiden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
9. Oktober 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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