Dufte Idee hilft aus dem Burnout

Gernsbach (vgk/ham) – Für den Amerikaner Chris Johnson erfüllt sich in der Gernsbacher Altstadt ein Traum: Er eröffnet einen Laden für Sojawachskerzen.

Bisher nur als Online-Händler aktiv: Chris Johnson bietet ab heute seine Duftkerzen auch in einem Laden in der Gernsbacher Altstadt feil. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Bisher nur als Online-Händler aktiv: Chris Johnson bietet ab heute seine Duftkerzen auch in einem Laden in der Gernsbacher Altstadt feil. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Chris Johnson streifte im November durchs Murgtal. Der US-Amerikaner verliebte sich bei einem Besuch in Gernsbach „in das Wasser, die Murg, die Berge und die Wälder. Es ist echt schön hier und sicher“, konstatierte der New Yorker. Und seine Begeisterung wuchs sogar noch in der Altstadt der Murgtal-Perle.

In einem Geschäft erkundigte sich Johnson, ob es hier noch einen Laden zu pachten gibt. Der Besitzer verwies ihn auf den Leerstand in der Nachbarschaft. „Im Schaufenster hing eine Telefonnummer, ich rief an und sofort waren wir uns einig“, erzählt der 47-Jährige von den unkomplizierten Verhandlungen. Heute eröffnet er in der Hauptstraße seinen Shop für Duftkerzen.

Klingt mutig – oder blauäugig angesichts der Corona-Maßnahmen und des nun zusätzlich auf den Gemüter lastenden Kriegs in der Ukraine. Doch auch wenn derzeit weniger Touristen durchs Murgtal strömen als üblich, zeigt sich Johnson – typisch amerikanisch – „optimistisch. Ich erhoffe mir durch den Laden langfristig einen Schub“, verweist der Selbacher auf das „Bedürfnis der Leute nach Nachhaltigkeit“. Ganz ins kalte Wasser springt Johnson dabei nicht: Schließlich betreibt er seit März 2020 einen Online-Shop für seine speziellen Duftkerzen. „Das läuft gut“, berichtet der 47-Jährige und will durch den direkten Kundenkontakt am Stadtbuckel noch mehr Fans für seine Produkte gewinnen.

Johnson macht persönliche Krise durch

Dass Johnson in ein völlig anderes Metier wechselt, war 2003 nicht abzusehen, als er nach „good old Germany“ kam. Die ersten fünf Jahre arbeitete der Therapeut in Villingen-Schwenningen selbstständig mit autistischen Kindern. 2009 wechselte er in die Fächerstadt nach Karlsruhe in eine Autismus-Praxis. „Nachdem ich 18 Jahre lang mit Kindern mit Autismus gearbeitet und für diese alles gegeben habe, forderten die tägliche Überbelastung und der arbeitsbedingte Stress irgendwann ihren Tribut. Es begann eine sehr schwere Zeit, in der ich erkannte, dass ich mich besser um meine Gesundheit kümmern musste“, erzählt der Therapeut offen von seinem Burnout.

In der persönlichen Krise „sprach mich vor allem ein Thema sofort an: Sojakerzen. Auf der Suche nach einem Hobby, das mir Freude bereiten und mein Leben wieder ins Gleichgewicht bringen würde, fand ich eine Berufung. Die Herstellung der Kerzen entspannte meinen Geist und beruhigte mein Gewissen mit Blick auf ein nachhaltiges Produkt mit einem kleinstmöglichen ökologischen Fußabdruck“, führt der 47-Jährige weiter aus.

Die „JoCa-Duftkerzen“, wie sie Johnson nennt, entstehen in reiner Handarbeit. Die Düfte kreiert der Wahl-Selbacher individuell. Zur Verfügung stehen bisher zwölf Duftnoten. Sie nennen sich unter anderem Tabakblüte, frische Wäsche, Black Forest, Pflaumen-Maulbeere oder Coffee.

Sojawachskerzen haben eine bis zu 50 Prozent längere Brenndauer als gewöhnliche Kerzen auf Erdölbasis, sagt Johnson. Das Wachs erzeuge beim Verbrennen außerdem fast keinen Ruß. In seinem neuen Laden können Kunden auch sehen, wie die Kerzen produziert werden. Vor dem Gießen erhitzt er das Wachs auf 80 Grad. Im Anschluss daran kommen die kreativen Duftmischungen zum Einsatz. Ist das Sojawachs aufgebraucht, kann das Glas wieder zu einem günstigeren Preis neu befüllt werden.

Ihr Autor

Veronika Gareus Kugel und Hartmut Metz

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Erstellt:
28. Februar 2022, 18:13 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

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