Durch „Kröten-Service“ direkten Kontakt zur Natur

Gernsbach (ueb) – Amphibiengruppe wieder im Einsatz entlang der Straße nach Staufenberg / Viele Kinder und Jugendliche helfen mit

Praktizierter Artenschutz: Die ehrenamtliche Amphibiengruppe stellt entlang der Staufenberger Straße wieder den Krötenschutzzaun auf. Foto: Katharina Felder

© BT

Praktizierter Artenschutz: Die ehrenamtliche Amphibiengruppe stellt entlang der Staufenberger Straße wieder den Krötenschutzzaun auf. Foto: Katharina Felder

Es ist kalt, über der Teufelsmühle lugen die ersten Sonnenstrahlen hervor. Von Kröten weit und breit keine Spur. „Aber sie kommen bald“, sagt Stefan Eisenbarth, einer der Initiatoren der Gruppe, die jedes Jahr im Frühjahr entlang der Straße nach Staufenberg den Zaun für den Krötenschutz aufstellt.

Samstag früh wurden wieder die schwarzen Bahnen mit kurzen Stahlnadeln aufgebaut, mehrere hundert Meter auf jeder Seite der Straße. Auf der einen Seite der Träufelbach mit dem kleinen See, der an diesem frühen Märzmorgen noch eine leichte Eisdecke aufweist. Auf der anderen das Hahnbachtal. „Und dann wollen die Kröten vom Tal zum See und wieder zurück“, erklärt Eisenbarth das Laichverhalten der Tiere. Dazwischen ist jedoch die Straße von Gernsbach nach Staufenberg – und damit der sichere Tod für die Amphibien.

Seit zehn Jahren engagiert sich bereits die ehrenamtliche Helfergruppe und sammelt die Kröten auf der einen Seite der Straße ein, um sie sicher zum Laichplatz auf der anderen Seite zu tragen und baut dafür jährlich zu Beginn des Frühjahrs den Schutzzaun auf und gegen Mai wieder ab. „Letztes Jahr waren es nur knapp 100 Kröten, vor dem Jahr 2017 noch weit über tausend“, berichtet Sylvia Felder, Mitinitiatorin der Gruppe. Durch den „Kröten-Service“ habe man einen direkten Kontakt zur Natur und deren einfachen Regeln. Je trockener das Jahr, desto schwieriger für die Population der nützlichen Tiere. Ein Virus – auch unter den Amphibien – kommt noch erschwerend hinzu, heißt es im Bericht der Amphibiengruppe weiter.

Helfer tragen die Kröten über die Straße

Mehr als zwei Dutzend freiwillige Helfer legen derweil die schwarzen Plastikbahnen aus, befestigen sie mit Nägeln und Hülsen, damit die Tiere an diesem unüberwindbaren Hindernis nicht auf die Straße laufen können. Die Hälfte der Gruppe sind Kinder und Jugendliche, die mit Eifer bei der Sache sind. Alle 20 Meter wird direkt am Zaun ein Eimer im Boden eingegraben. In den fallen die Kröten, wenn sie entlang des Zauns ein Durchkommen suchen. „Aber das ist ein besonderer Eimer“, erklärt eine der Jugendlichen. Der Boden hat Löcher, damit das Regenwasser ablaufen kann, die Kröten würden sonst ertrinken. Und jeder Eimer hat ein Bündel aus kleinen Stöcken: „Da können Mäuse, die aus Versehen auch in dem Eimer landen, ganz einfach wieder entkommen.“

Aber wenn der Krötenzaun steht, dann geht für die Helfergruppe die Arbeit erst richtig los: Täglich wechselt der „Transportservice“ und es ist eine der Personen im Einsatz. Der Zaun wird abgelaufen, die Kröten aus dem Eimer geholt und behutsam auf die andere Straßenseite getragen, Gernsbacher „Laich-Service“ vom Feinsten. Per Online-Gruppe werden die Tagesstatistiken geteilt oder Patrouillen-Ersatz gesucht, falls einem eingeteilten Kröten-Transporter mal was dazwischenkommt. Die Kröten können ja nicht tagelang im Eimer hocken bleiben. „Artenschutz hat auch was mit Arbeit zu tun“, schmunzelt Sylvia Felder bei der „Helfer-Brezel“ am Ende der Aktion.

Der Landkreis Rastatt unterstützt diese ehrenamtliche Arbeit, um den damit Natur- und Artenschutz zu fördern. Das Geld wird gesammelt und an die Naturparkschule Hilpertsau gegeben, um dort Projekte zu fördern. „Nur wenn die Schulkinder aktiv den Bezug zu Natur und Umwelt erfahren, können sie achtsam damit umgehen“, so das Anliegen Stefan Eisenbarths. Auch Brigitte Seiser, die frühere Leiterin der Naturparkschule, ist am Morgen im Arbeitseinsatz. Das Frühjahr kann starten, die Kröten kommen: Zaun und Eimer sind gerichtet.

Ihr Autor

Dagmar Uebel

Zum Artikel

Erstellt:
7. März 2022, 17:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.