Durch Neuweiers Weinberge: „Ein wilder Abgang und dann ein Prickeln“

Baden-Baden (cn) – Der Förderverein Wein, Tourismus, Kultur und Kunst Kultur, Tourismus hate eine Weinbergführung in Neuweier orgnaisiert. Dabei lernen die Teilenehmer einiges von Wein-Ranger Jürgen Meyer.

Aufmerksam verfolgen die Teilnehmer die kommentierte Weinprobe auf dem Hohenacker. Fotos: Nickweiler

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Aufmerksam verfolgen die Teilnehmer die kommentierte Weinprobe auf dem Hohenacker. Fotos: Nickweiler

Freitagabend, 18.30 Uhr auf dem Kirchplatz in Neuweier: Eine Gruppe von Besuchern steht parat für die erste Weintour des Fördervereins Wein, Tourismus, Kultur und Kunst im Rebland. Die meisten Gäste sind mit Rucksäcken und festem Schuhwerk ausgerüstet, manche haben Nordic-Walking-Stöcke dabei.
„Wenn wir später klettern, kann ich auf alle Vieren gehen“, scherzt eine Besucherin, die mit Bekannten aus Sinzheim angereist ist. Die Tour führt die Gäste laut Wein-Ranger Jürgen Meyer unter anderem auf den zweitsteilsten Rebenhang Deutschlands – den Mauerberg.

Mit Blick zum Himmel, wo sich gerade graue Wolken unter kleine, weiße Wölkchen schieben, fällt die Programmansage des Wein-Rangers knapp aus. Die Wein-Präsentation dreier noch recht junger Weingüter aus dem Rebland ist geplant, erfahren die Gäste. Dann schnappt sich Jürgen Meyer seinen Rucksack, zieht seinen braunen Ranger-Hut auf und marschiert los in Richtung Hohenacker.

Nach wenigen Minuten hat die Gruppe die Freiluftbühne erreicht. Unter einer Holzüberdachung steht eine Weintrotte. Dort hat bereits Carlo Meyer, der seinen Vater bei der Tour verstärkt, Käsewürfel und frisches Brot für die Weinverkoster vorbereitet. Im Handumdrehen sind alle Utensilien, die für eine Weinprobe typisch sind, ausgepackt. Wie bei einer Parade stehen die Gläser nebeneinander.

Jürgen Meyer gießt abwechselnd einen Rosé-Wein und einen Weißburgunder in die Gläser, die mit der Gravur eines Weinguts irgendwie edel aussehen. Durch die mit Weißburgunder gefüllten Gläser schimmert die dunkelgrüne Farbe des Polo-Hemdes des Wein-Rangers. „Ein tolles Farbenspiel“, findet ein Teilnehmer und greift sich jeweils eines der beiden Gläser mit den verschiedenen Weinen darin.

Auf den treppenförmig angelegten Zuschauerplätzen der benachbarten Hohenackerbühne beginnt Jürgen Meyer dann die Weinprobe zu kommentieren. „Ein paarmal das Glas mit dem Wein schwenken, damit Sauerstoff drankommt“, leitet er die Gäste an. Dann riecht jeder Teilnehmer am Glas. „Zitrone, Apfel, ein wilder Abgang und dann ein Prickeln. Ein idealer Sommerwein“, wirbt Jürgen Meyer für den Weißburgunder des Weinguts Tobias Wäldele aus Steinbach. Der Wein-Ranger steuert dann noch einige Informationen zum Werdegang des Jungwinzers bei.

Käse und Brot zur Stärkung – dann geht es auf den Mauerberg

Die Gäste genießen die Aussicht auf die Weinberge, während der Wein-Kommentator über die „gemeine Reblaus“ im 19. Jahrhundert und den aktuellen Trend-Wein, den Rosé, spricht. Dieser sei früher Weißherbst genannt worden und als „Händelstifter“ bekannt gewesen, erfahren die Gäste.

Bevor die Teilnehmer den Mauerberg erklimmen, stärken sie sich noch mit Käse und Brot. Dann verschwindet die Gruppe über die Weinstraße, den Schlossackerweg in Richtung Mauerbergstraße, und das Klacken einiger Walking-Stöcke auf dem Asphalt verstummt allmählich.

Rund 30 Minuten dauert der Aufstieg über einen extrem schmalen Pfad. Die Weinwanderer lassen sich genügend Zeit, sodass niemand zu sehr strapaziert ist. Auf dem obersten Pfad des Mauerbergs angekommen, marschieren die Wanderer dann in Richtung Milchberg. Auf dem Weg dorthin eröffnet sich den Gästen ein beeindruckendes Bild am Himmel, wo im Osten gerade ein Regenbogen seine Farben entfaltet.

In entgegengesetzter Himmelsrichtung ist die Silhouette der Vogesen zu sehen. Entlang des Weges liegen einige Rebengrundstücke brach. Dort wachsen jetzt Sonnenblumen. „Wenn niemand mehr die Reben bewirtschaften will, dann wird es in einigen Jahren rund um Neuweier bald so aussehen“, befürchtet ein Weinkenner aus Umweg und zeigt auf etliche brachliegende Rebengrundstücke auf dem vorderen Altenberg.

Am Milchberg haben inzwischen einige Weinwanderer Platz genommen. Wieder nehmen sich die Gäste zwei Gläser mit einem glasklaren und einem eher blickdichten Wein. Am Milchberg lernen die Besucher den Cuvée „Tango“ kennen. So wie der Cuvée aus zwei unterschiedlichen Rebsorten – Müller-Thurgau und Riesling – zusammengesetzt ist, so ist der Name eine Melange aus „Tanja und Ingo vom Weingut Ingo Wäldele aus Neuweier“, erläutert der Wein-Ranger.

Ein Gast hält sein Glas hoch und will wissen, was es mit den „Kirchenfenstern“ im Wein auf sich hat. Jürgen Meyer weiß alles zum Thema Wein und pariert auch bei dieser Frage fachkundig: „Wenn im Wein Schlieren ölig herunterlaufen, ist das ein Qualitätsmerkmal und ein Hinweis auf einen hohen Glyceringehalt.“

Ein anderer Gast will etwas über den Einfluss des Bodens auf den Wein wissen und erfährt, dass die hiesigen Mineralböden „filigrane Weine“ ergeben. „Das zeichnet uns hier im nördlichen Ortenauer Weingebiet aus“, betont Jürgen Meyer.

Dann kündigt der Wein-Ranger an, nun „in den Mauerberg zu gehen.“ Dort besichtigen die Wein-Wanderer die jahrhundertealten Trockenmauern. Zum Ende der Tour treffen die Teilnehmer auf der Bergstation bei der Rebberghütte ein. Dort präsentiert der Wein-Erklärer Rotweine von alten, aus der Mode gekommenen Rebsorten seines eigenen Weingutes in Steinbach.

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Erstellt:
27. Juli 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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