Durlacher Druckerei stellt selbstklebende Masken her

Karlsruhe (for) – Um in Zeiten von Corona auf dem Markt zu überleben, produziert eine junge Frau aus Durlach Schutzmasken ohne Halteschlaufen.

Franziska Mergl präsentiert ihren Mund-Nasen-Schutz im Leoparden-Design. Foto: Janina Fortenbacher

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Franziska Mergl präsentiert ihren Mund-Nasen-Schutz im Leoparden-Design. Foto: Janina Fortenbacher

Blümchenmuster, Tiermotive oder das Wappen des Lieblingsvereins – Alltagsmasken gibt es mittlerweile in den buntesten Farben. Eigentlich könnten die Mund-Nasen-Bedeckungen fast schon mit einem modischen Accessoire gleichgesetzt werden, wären da nicht die lästigen Halteschlaufen. Besonders bei Menschen mit Brille und Hörgerät kann es hinterm Ohr schnell eng werden. Und auch beim Friseurbesuch sind die Bänder oft im Weg. Franziska Mergl aus Karlsruhe hat das Problem erkannt: In der elterlichen Druckerei hat sie eine selbstklebende Maske aus Papier entwickelt.

15 verschiedene Designs

Im Empfangsraum der Druckerei Holler, einem Familienunternehmen in Durlach, das mit der 31-Jährigen bereits in der dritten Generation tätig ist, liegen die Papiermasken in 15 verschiedenen Designs auf dem Tisch. Da gibt es etwa solche in der Farbkombination Weiß mit grauen Streifen oder die etwas auffälligeren Varianten in Gelb, Blau und Neongrün. Besonders beliebt in der Damenwelt ist laut Mergl der Mund-Nasen-Schutz mit Leoprint-Aufdruck oder mit rotem Kussmund. „Männer mögen es dagegen lieber etwas schlichter und greifen häufig zu schwarzen Masken“, sagt die junge Frau, während sie stolz die unterschiedlichen Modelle präsentiert. Auf Wunsch drucke die Firma auch Masken mit speziellem Logo – allerdings erst ab einer Mindestbestellmenge von 1.000 Stück.

Hautfreundliche Klebeflächen

Das Besondere an den Papiermasken: „Sie halten ohne nervige Gummibänder“, erklärt Mergl. Stattdessen werden die Masken auf Wangenhöhe mit dermatologisch geprüften Klebeflächen angebracht.

„Ursprünglich wollten wir uns zu Beginn der Pandemie einfach nur mit Schutzmasken eindecken“, erinnert sich die 31-Jährige. Allerdings wurden mit der Einführung der Maskenpflicht Mund-Nasen-Bedeckungen auf dem Markt immer weniger. Mergl kam die Idee, in der hauseigenen Druckerei Masken aus Papier herzustellen. Eigentlich werden dort zum größten Teil Flyer, Plakate oder Bücher gedruckt. „Aber während der Corona-Krise sind die Aufträge natürlich auch bei uns stark zurückgegangen“, sagt Mergl.

Umsatzeinbrüche aufgrund von Corona

Ähnlich wie viele andere mittelständische Unternehmen wurde die Familiendruckerei besonders hart von der Krise getroffen. Ohnehin laufe das Geschäft in der Druckerbranche seit einigen Jahren nicht ganz so erfreulich, merkt Mergl an. Umso belastender seien die zusätzlichen Umsatzeinbrüche aufgrund der Pandemie.

Friseurbesuch als Inspiration

Wer langfristig überleben wolle, müsse deshalb kreativ sein und so seien auch Mergls Eltern, Zdravko und Petra Holler, sofort von den Papiermasken überzeugt gewesen. „Gemeinsam haben wir uns dann mit Schere und Papier an einen Tisch gesetzt und an einem passenden Muster gearbeitet, das auf jedes Gesicht passt.“ Die zündende Idee der selbstklebenden Masken sei bei einem Friseurbesuch gekommen: „Beim Waschen und Schneiden sind die Halteschnüren der regulären Masken oft im Weg“ – damit war die bändellose, an den Wangen klebende Papiermaske geboren.

Spuckschutz ist gewährleistet

„Wir haben dann auch relativ zügig einen Hersteller gefunden, der dermatologische Klebeprodukte herstellt“, sagt Mergl. Diese werden auf den Papiermasken im Bereich der Wangenknochen angebracht. Vergleichbar sei das Ganze mit einem Pflaster: „Einfach die Folie auf den Klebeflächen entfernen, die Maske aufsetzen und die Klebepunkte festdrücken“, erklärt die Erfinderin.

Mergl betont allerdings, dass es sich bei ihrem Mund-Nasen-Schutz aus Zellulose nicht um ein medizinisches Produkt handele. „Die Papiervariante hat aber einen ähnlichen Effekt wie die selbstgenähten Alltagsmasken aus Stoff. Der Spuckschutz ist in jedem Fall gewährleistet, zumal Papier ja auch sehr saugfähig ist“, betont sie. Auch über Make-up oder einer Creme könne die Maske problemlos getragen werden und da die Klebepunkte auf Wangenhöhe angebracht sind, sei sie auch für Bartträger geeignet.

Zellulose-Masken sind umweltfreundlich

„Außerdem sind unsere Zellulose-Masken aufgrund ihres Materials umweltfreundlicher als beispielsweise Masken aus Vließ, weil sie biologisch abgebaut werden können.“

Gekauft würden die Masken bisher vor allem von Friseursalons, aber auch einige Privatkunden hätten bereits mehrere Modelle bestellt, wie Mergl hinzufügt. „Vor allem bei Kunden mit Hörgerät oder Brille kommt unser Produkt gut an.“ Reich würde das Familienunternehmen Holler durch die Maskenproduktion aber nicht, so Mergl. „Das ist für uns eine kleine Stütze, aber auch die Masken können die Umsatzeinbußen der vergangenen Monate nicht ganz auffangen.“


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