Durmersheim: Amt will Milde walten lassen

Durmersheim (HH) – Die ungenehmigte Gartenhütte eines über 80-jährigen Paars in Durmersheim soll abgerissen werden. Der Enkel wehrt sich. Nun scheint der Fall doch ein gutes Ende zu nehmen.

Stein des Anstoßes: Die Hütte im Gewann Reitäcker in Durmersheim soll weg. Foto: Krohn

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Stein des Anstoßes: Die Hütte im Gewann Reitäcker in Durmersheim soll weg. Foto: Krohn

Im Fall der Gartenhütte, die ein älteres Ehepaar auf Verlangen des Landratsamtes abreißen soll (das BT berichtete), ist Bürgermeister Andreas Augustin überzeugt, dass sich die Baurechtsbehörde nachsichtig zeigen werde. Da die Betroffenen über 80 Jahre alt sind, werde die Angelegenheit „anders beurteilt“, beruhigte er Sven Krohn, den Enkel der Eheleute, als dieser in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch seinen Unmut über die Abrissverfügung bekundete.

Baurechtsamt hat „Ermessen“ zugesagt

Der Leiter des Baurechtsamts habe im Gespräch mit der Gemeinde Ermessen zugesagt, erklärte Augustin. Man werde Milde walten lassen. Das könne er zusichern, sah Augustin wenig Grund zur Sorge: „Schlafen sie ruhig“.

In der juristischen Beurteilung des Problems betonte er aber, dass auch für Gartenhütten das Baurecht gelte, das ein „öffentliches Recht“ sei. Schon aus diesem Grund könne er sich nicht vorstellen, dass der frühere Bürgermeister Jürgen Schumacher den Großeltern des jungen Mannes die Errichtung des Häuschens mündlich erlaubt habe, wie es der Enkel geschildert hatte. Öffentliches Recht sei ein Verwaltungsakt, der immer vollzogen werde. Da sei Schumacher sehr korrekt gewesen.

Kritik am Landratsamt

Trotz wiederholter Zusicherung, dass den Großeltern kein Ungemach drohe, blieb Krohn beunruhigt. Er prangerte ein hartes Durchgreifen von Gemeinde und Landratsamt gegenüber etlichen Gartenbesitzern an und sprach vom Eindruck, dass die Behörden bei Nachfragen sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschöben. Als Beispiel für seine Kritik am Landratsamt nannte er die Forderung nach Entfernung des Zauns, der den Kleingarten seiner Großeltern vor Wildschäden schütze. Warum wäre aber ein Elektrozaun zulässig, fragte Krohn. An diesem Punkt gestand Augustin zu, dass es wohl „genehmigungsrechtliche Feinheiten“ gebe.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass sich das Vorgehen auf Schutzgebiete beschränke und alles begonnen habe, als die Gemeinde einen Feldschütz einstellte, um der Verbuschung von Flurstücken entgegenzuwirken. Der Mitarbeiter sollte Flächen, die nicht gepflegt werde, melden. Seither bekomme die Verwaltung ständig Mitteilungen über Missstände, die man ans Landratsamt weiterleite. Bei Krohn wuchs das Unverständnis weiter: Wenn man Leuten wie seinen Großeltern die Gartenarbeit verdrieße, passiere doch genau das, was angeblich vermieden werden solle, nämlich dass Grundstücke verwildern.

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Erstellt:
19. Juni 2021, 14:45 Uhr
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