Durmersheim: Behörden machen Tabula rasa

Durmersheim (as) – Unfrieden um Einfriedungen und Gartenhütten im Gewann Reitäcker in Durmersheim gibt es schon länger. Eine Abrissverfügung an betagte Nutzer sorgt nun erneut für Ärger.

Stein des Anstoßes: Die Hütte im Gewann Reitäcker in Durmersheim soll weg. Foto: Sven Krohn

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Stein des Anstoßes: Die Hütte im Gewann Reitäcker in Durmersheim soll weg. Foto: Sven Krohn

Mit der strikten Durchsetzung der Landesbauordnung machen sich die Gemeinde Durmersheim und das Landratsamt Rastatt im Ort gerade wenig Freunde. Mehreren Besitzern von Gartengrundstücken im Gewann Reitäcker (hinter dem Bauhof) flatterten in jüngster Zeit Abrissverfügungen für ungenehmigte Gartenhütten, Zäune und gepflasterte Wege ins Haus. Auch bei Sven Krohn, dessen Familie das Grundstück seit vier Generationen zum Eigenbedarf bewirtschaftet, wie er im BT-Gespräch schildert – aktuell seine über 80 Jahre alten Großeltern.

Gemeinderat ist sich nicht einig

Auch der Gemeinderat hat sich in einer Sitzung im Februar schon mit dem Thema beschäftigt, das nicht nur das Gewann Reitäcker betrifft (das BT berichtete). In der Diskussion forderten damals mehrere Gemeinderäte, dass für gepflegte Gärten „vernünftige Lösungen“ gefunden werden sollten. Ein von der CDU-Fraktion ins Spiel gebrachtes „Duldungskonzept“ sei nicht möglich, hatte Bürgermeister Andreas Augustin damals auf die Rechtslage verwiesen und sah dabei auch keinen Ermessensspielraum. Er schlug daraufhin eine „vorrangige“ Konzentration auf Schutzgebiete vor und fand damit eine Mehrheit von 13 Stimmen. Dass der Gemeinderat in dieser Angelegenheit allerdings gespalten ist, zeigten drei Gegenstimmen aus der CDU und fünf Enthaltungen.

Das hilft den Großeltern von Sven Krohn nicht. Denn das Grundstück, das sie selbst seit 1973 bewirtschaften, gehört zu denen, die betroffen sind. Denn die Fläche liegt im erst lange nach der Nutzung des Gartens durch die Familie ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet, erläutert Krohn.

Hütten und Zäune im Fokus

Es geht um Zäune, die die Gartenbesitzer zum Schutz vor ungebetenen Besuchern und Wildschweinen errichtet haben. Die Begrenzungen sollen weg, weil sie gegen Baurecht verstoßen, dabei existierten sie schon seit rund 60 Jahren, hatte schon im Februar eine andere betroffene Grundstücksbesitzerin betont, die sich verärgert ans BT gewandt hatte.

Im Fokus stehen aber auch Hütten – die zulässig sind, wenn sie maximal 20 Kubikmeter Rauminhalt messen und lediglich der Aufbewahrung von Gartengeräten dienen. Bei eigenen Berechnungen kommt Krohn auf 13 Kubikmeter Gartenhütte, was er in einem Schreiben ans Landratsamt Rastatt – mit Bildern untermauert – belegen wollte.

Krohn spricht von Enteignung“


Die Antwort von dort: Nach Sichtung der vorlegten Unterlagen seien weitere Rückbauten erforderlich. Aus den vorgelegten Fotos schließt die Behörde wegen Eckbank und Tisch in und einer Holzbank vor der Hütte, dass diese dem Aufenthalt von Personen und nicht nur von Gartengeräten diene. Einfriedungen, Bodenplatten der errichteten Wege und Sitzgelegenheiten (eine Bank vor der Hütte) seien ebenfalls zu entfernen. Der Grund: Sie sind laut geltendem Baurecht auch nachträglich nicht genehmigungsfähig, erklären die Behörden.

Krohn spricht von „Enteignung“ und will nicht nachgeben. Seine Großeltern seien beide über 80 und benötigten während der Gartenarbeit auch mal eine Sitzgelegenheit, um sich auszuruhen, begründet er die monierten Sitzgelegenheiten. Eine monierte Grillschale nutze seine Großmutter vermutlich für irgendwelche Arbeiten im Garten. „So lange ich lebe, wurde in diesem Garten noch nie gegrillt“, betont der 27-Jährige, der im Enzkreis lebt. Auch fänden dort keine Feiern statt. Die Gerätehütte stehe seit über 30 Jahren. Damals sei es üblich gewesen, „dass man mit seinem Gesuch auf die Gemeinde ist und dort mündlich die Erlaubnis zum Bau einer Gerätehütte erhalten hat“, berichtet Krohn aus den Erzählungen der Großeltern. Die Bebauung des Grundstücks mit einer Gerätehütte sei ein solcher mündlicher Vertrag gewesen.

Kein Verständnis für unnachgiebige Haltung

„Hier kümmern sich die Leute, die Gartengrundstücke sind gepflegt“, hat er kein Verständnis für die unnachgiebige Haltung auf Behördenseite. Die Motivation dafür werde nun zerstört. „Es kann doch nicht im Interesse der Gemeinde sein, dass der Bereich in vier bis fünf Jahren verwildert ist“, wundert er sich.

Gerne würde er Gemeinderäten, Bürgermeister und Vertretern des Landratsamts vor Ort zeigen, was für ein Kleinod sie da zerstören. Und erhofft sich dabei, auch endlich in Erfahrung zu bringen, was er tun könnte, um das für seine Großeltern zu erhalten.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
16. Juni 2021, 15:43 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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