Durmersheim geht heißes Eisen an

Durmersheim (as) – Die Nahwärmeversorgung für die Baugebiete Tiefgestade II und III und das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium steht unter neuen Vorzeichen. Eine Modernisierung ist geplant.

In die Jahre gekommen ist die Heizzentrale für die Nahwärmeversorgung beim Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium. Foto: Helmut Heck

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In die Jahre gekommen ist die Heizzentrale für die Nahwärmeversorgung beim Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium. Foto: Helmut Heck

Es ist seit vielen Jahren ein heißes Eisen in Durmersheim: Die vor rund 20 Jahren installierte Nahwärmeversorgung für die Baugebiete Tiefgestade II und III sowie das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium. Immer wieder schlugen bei der Gemeinde Beschwerden von Nutzern über bis zu 800 Euro jährlich höhere Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Energien auf, sogar eine Bürgerinitiative beschäftigte sich mit dem Thema. Nun will die Gemeinde, die das Nahwärmenetz 2020 für rund 381.918 Euro netto gekauft hat, das Thema befrieden und mit Hilfe des neuen Betreibers, den Stadtwerken Rastatt, zukunftsfähig machen.

Klimaverträgliche Wäremversorgung

Denn grundsätzlich wolle man an der klimaverträglichen Wärmeversorgung – überwiegend mit Holzhackschnitzeln als Brennstoff für die Heizzentrale beim Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium – festhalten, bekundet Bürgermeister Andreas Augustin bei einem Pressegespräch. Mit Blick auf den politischen Willen zur Klimaneutralität seien solche Projekte zukunftsweisend, bescheinigt er Durmersheim eine „visionäre Entscheidung“ unter seinem Vorgänger.

Die Anlage selbst sei allerdings „sehr konservativ“, spricht Stadtwerke-Geschäftsführer Olaf Kaspryk davon, dass der Betrieb großer Holzfeuerstätten als Nahwärmenetz „nicht ganz einfach“ sei. Die vergangenen sieben Monate seit der Übernahme beschreibt Kaspryk als „harte Zeit“ mit vielen nächtlichen Einsätzen, Kundenbeschwerden, einigen technischen Problemen und auch Vertragskündigungen. „Wir waren über den Zustand der Anlage überrascht“, deutet Augustin eine unangenehme Überraschung an. Auch habe es keine stabile Fernüberwachung gegeben. Vorher hatte die Arbeitsgemeinschaft Nahwärmeversorgung Durmersheim (ARGE), bestehend aus den Stadtwerken Ettlingen und der wat Ingenieurgesellschaft mbH aus Karlsruhe, Heizzentrale und Nahwärmenetz besessen und betrieben. Als diese ein Jahr vor Ablauf den langfristigen Vertrag kündigte, habe die Gemeinde zugegriffen, erklärt Augustin.

Anfangsprobleme „weitgehend gelöst“

Die Anfangsprobleme „haben wir mittlerweile weitgehend gelöst“, unterstreicht Ferdinand Reinbold, Leiter Rohrnetze und Produktion bei den Stadtwerken Rastatt: Bereitschaftsmanagement und Fernüberwachung der Anlage seien installiert worden. Alles helfe jedoch nicht gegen Defekte aufgrund des Alters der Anlage, betont Reinbold.

Deshalb planen die neuen Partner zusammen mit einer bereits beauftragten Ingenieurgesellschaft auch schon die Modernisierung und eventuelle Erweiterung der Nahwärmeversorgung auf künftige Neubaugebiete oder gemeindeeigene Bauten. Es sollen verschiedene Varianten geprüft werden. In die Überlegungen einbezogen werden sollen laut Augustin auch Wünsche des Landkreises nach einer Kühlung des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums.

Um die modernisierte Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, möchten die Stadtwerke zu den rund 165 angeschlossenen Haushalten (etwa 70 Prozent Versorgungsquote) weitere dazugewinnen. Weil die Kundenentscheidung stark vom Preis abhängt, hat der Energieversorger den bereits um fünf Prozent gesenkt. „Vielen war die Nahwärmelösung einfach zu teuer“, weiß Augustin.

Energetisches Zukunftsmodell

Dennoch halten beide die Nahwärmeversorgung für ein energetisches Zukunftsmodell. „Strom- und Gaspreise schießen extrem nach oben“, sagt Kaspryk, und Augustin erinnert an künftige Mehrkosten durch die CO2-Steuer.

Was die Modernisierung kosten könnte, dazu will man sich nicht auf eine Zahl festlegen. Realistisch sei wohl eine mindestens hohe sechsstellige Summe, sagt Augustin. Allerdings rechnen die Partner auch mit KfW-Fördermitteln, unter anderem aus dem Antrag für ein Quartierskonzept Tiefgestade. Sie gehen zudem davon aus, dass Land und Bund im Rahmen der angestrebten Klimawende weitere Fördermöglichkeiten für ressourcenschonende Energien schaffen werden.

Bis Ende des Jahres sollen erste Planungen vorgestellt werden. Bereits beschlossen ist die Bürgerbeteiligung unter anderem über eine Bürgerinformationsveranstaltung und einen Arbeitskreis.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
18. Juni 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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