Durmersheim sagt „Ja zur Windenergie“

Durmersheim (HH) – Durmersheim entscheidet sich klar für Windkraftanlagen auf der Gemarkung der Gemeinde. Der Gemeinderat folgte jetzt einstimmig der Empfehlung eines sogenannten Bürgertischs.

Blick von der Bahnbrücke Basheide auf das Gebiet, in dem beidseitig der Gemarkungsgrenze Rheinstetten/Durmersheim Windräder gebaut werden könnten. Foto: Helmut Heck

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Blick von der Bahnbrücke Basheide auf das Gebiet, in dem beidseitig der Gemarkungsgrenze Rheinstetten/Durmersheim Windräder gebaut werden könnten. Foto: Helmut Heck

Abseits der Öffentlichkeit hat sich in Durmersheim ein Bürgertisch mit dem Thema Windenergie befasst. Es waren 16 Personen, die nach dem Zufallsprinzip bestimmt wurden. Ziel des Kreises war es, eine Beschlussempfehlung an den Gemeinderat zu formulieren. Sie wurde am Mittwoch vorgelegt. Bürgermeister Andreas Augustin fasste sie in drei Worten zusammen: „Ja zur Windenergie“.

Das bedeutet, dass auf Gemarkung Durmersheim Anlagen zur Stromerzeugung errichtet werden sollen. Der Gemeinderat stimmte mit großer Entschlossenheit zu. Augustin kündigte an, noch in diesem Jahr mit einer internen Beratung den nächsten Schritt zu gehen.

Land hat einmaliges Forum finanziert

Der Bürgertisch war ein bisher einmaliges Forum, angeregt und finanziert vom Land. Für seine Zusammensetzung wurden zunächst 400 Namen aus dem Einwohnerregister gezogen, danach aus 30 Interessierten die Teilnehmer ausgelost. Die Runde traf sich viermal, hielt eine Videokonferenz ab und unternahm eine Exkursion zu einem Windrad im Schurwald. So wurde es in der Gemeinderatssitzung von Dr. Christoph Ewen berichtet, der den Bürgertisch moderiert hatte.

Die am Ende verabschiedete Empfehlung gleicht einem Leitfaden für die Realisierung von Windenergieanlagen. Der Bürgertisch, so ist einleitend zu erfahren, habe sich „mit ganz überwiegender Mehrheit ... grundsätzlich“ für den Bau auf Durmersheimer Gebiet ausgesprochen. Auf fünf Seiten wurden Bedingungen beschrieben, ökologische und ökonomische Aspekte dargestellt, Aussagen zu Schall und Schattenwurf gemacht und mögliche Standorte in den Blick genommen.

Zwei Bereiche gelten als geeignet

Wie schon länger bekannt, gelten Bereiche auf der Hardt als geeignet. Unter anderem handelt es sich um Gelände in Nähe des Hardtwalds an der Gemarkungsgrenze zu Bietigheim sowie eine ähnliche Waldrandlage in Nachbarschaft zur Flur von Rheinstetten. In der Großen Kreisstadt wurde am 26. September ein Bürgerentscheid durchgeführt, der eindeutig für Windkraftstandorte auf eigenem Gebiet ausfiel. Zwei Drittel der abgegebenen Stimmen hätten dafür votiert, freute sich Bürgermeister Augustin, dass offensichtlich die Bereitschaft wachse, bei der Energiegewinnung etwas zu ändern.

Das Beispiel Rheinstetten schien den Durmersheimer Gemeinderat zusätzlich zu beflügeln. Die bereits vom Bürgertisch befürwortete Bündelung von Anlagen über die Gemarkungsgrenze hinweg fand auch am Ratstisch großen Zuspruch. Laut den Karten geht es konkret um Gelände östlich der Basheide, am Nordende der Erdbeerfelder der Firma Koffler. Als großer Vorteil dieses Standorts wird die weite Entfernung zu Wohngebieten gesehen.

Kommune könnte Pacht einnehmen

Vom Bürgertisch wurde angeregt, Windräder prinzipiell auf Gemeindegrund zu bauen, damit die erheblichen Pachtzahlungen an die Kommune gehen. Außerdem sollten Bürger die Möglichkeit bekommen, sich an den Anlagen zu beteiligen. Bedenken wegen des Landschaftsbilds machten dem Bürgertisch wenig Sorgen: Ähnlich wie bei Strommasten werde man sich „vermutlich daran gewöhnen“.

Vom Gemeinderat erhielt die Arbeit der Zufallsgruppe Bestnoten. Die Teilnehmer hätten sich in sachlicher Weise viel Zeit genommen, um Themen zu besprechen, stellte Lothar Heck (BuG) als stiller Beobachter fest. Die Moderation sei „hervorragend“ gewesen. Helmut Schorpp (CDU) fand allein schon das Format Bürgertisch „eine interessante Konstellation“, empfand aber die Zahl von anfangs 30 Interessierten als nicht gerade „euphorisches“ Zeichen. Im weiteren Entscheidungsprozess sollte zu gegebener Zeit eine reguläre Bürgerbeteiligung durchgeführt werden. Jürgen Kniehl (FWG) sah mit Freude, dass das Thema Windenergie Dynamik bekomme. Finanzielle Betrachtungen sollten nicht Vorrang haben, Hauptanliegen sei zuallererst die „Haltung“ zu dieser Energieform. Die unvermeidlichen Auswirkungen auf die Natur relativierten sich, wenn man sehe, was der Klimawandel im Hardtwald bereits angerichtet habe. Über Ökologie und Ökonomie werde sicherlich noch zu diskutieren sein, meinte Werner Hermann (SPD). Der Bürgertisch habe ein gutes Meinungsbild erarbeitet. Man sei froh, dass sich die Region offenbar der Windenergie zuwende. Bürgermeister Augustin ließ den „großen Konsens“ per Beschluss als „grundsätzliches Ja zur Windenergie“ bestätigen. Andreas Stempfle (fraktionslos) enthielt sich.

Große Enttäuschung bereitete ihm lediglich der schwache Besuch der Ratssitzung. Er habe angesichts des Themas großen Andrang erwartet. Doch von den Zuhörerplätzen waren nur sieben besetzt.

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