Durmersheim sieht keine Handhabe gegenüber Rasern

Durmersheim (as) – Anwohner klagen über die Situation am nördlichen Ortseingang der Hardtgemeinde: Ein Radar wird vom Rat abgelehnt, Tempo 30 ist nicht möglich.

Anwohner beklagen sich seit Jahren über rücksichtslose Verkehrsteilnehmer am nördlichen Ortseingang von Durmersheim. Die Verwaltung tut sich allerdings schwer damit, Abhilfe zu schaffen. Foto: Anja Groß

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Anwohner beklagen sich seit Jahren über rücksichtslose Verkehrsteilnehmer am nördlichen Ortseingang von Durmersheim. Die Verwaltung tut sich allerdings schwer damit, Abhilfe zu schaffen. Foto: Anja Groß

Zu schnell, zu laut, ohne Rücksicht auf querende Fußgänger oder Radfahrer: Anwohner des Wohngebiets am nördlichen Ortseingang von Durmersheim klagen gegenüber dem BT über die Verkehrssituation. Tempo 30 auszudehnen, Radargeräte, eine Fußgängerampel, einen Lärmschutzwall wie an der B36 in Iffezheim wünschen sie sich. Das Thema beschäftigt auch Verwaltung und Gemeinderat seit Jahren immer wieder.

Er habe durchaus Verständnis für die Anliegen der Anwohner, betont Bürgermeister Andreas Augustin im BT-Gespräch. Doch weder Verkehrsmessungen noch Lärmgutachten würden hier einen neuralgischen Punkt ausweisen. Und auch Beschwerden von Anwohnern gebe es mit zwei Ausnahmen keine, stellt der Verwaltungschef fest. Der Kreisverkehr am nördlichen Ortseingang, den die Gemeinde gebaut habe, funktioniere als Verkehrsbremse „ganz ordentlich“. Das bestätigen die Anwohner, die namentlich nicht genannt werden möchten, zwar. Allerdings werde von vielen Verkehrsteilnehmern spätestens nach der Querungshilfe bis zur Kreuzung an der Bickesheimer Kirche Gas gegeben. Besonders nachts komme da „wenig Freude auf“, formuliert es einer. Und auch im Berufsverkehr sei das häufig zu beobachten. „Radarsäulen könnten dem Einhalt gebieten“, meint ein anderer. Auch dieses Thema sei schon 2015 an die Gemeinde herangetragen worden – ohne Erfolg.

Bürgermeister für Radarfalle

„Das habe ich dem Gemeinderat schon mehrfach vorgeschlagen“, outet der Bürgermeister sich als Befürworter der Radar-Lösung. Allerdings habe das Gremium bisher stets abgelehnt. Der Grund: „Die Gemeinde hat die Investition, aber der Landkreis als Straßenverkehrsbehörde ist zur Hälfte an den Einnahmen beteiligt“, erklärt Augustin. Zudem befürchte der Gemeinderat, dass vor den Radarsäulen abgebremst und danach Gas gegeben werde, so dass die Situation nicht wirklich entlastet werden würde.

Bei Verkehrssmileys, die die Geschwindigkeit messen und anzeigen, habe man an anderer Stelle die Problematik beobachtet, dass Verkehrsteilnehmer sich teils einen Spaß daraus machen, so schnell wie möglich daran vorbeizufahren. Das wäre dann kontraproduktiv, ist Augustin diesbezüglich eher verhalten.

Keine Rechtsgrundlage für Tempo 30

Tempo 30 bis zum Aldi-Kreisel auszudehnen, wäre ebenfalls vorstellbar, sagen die Anwohner. Hierzu verweist der Bürgermeister auf die erst im Oktober 2020 verabschiedete Fortschreibung des Lärmaktionsplans, die das Ingenieurbüro Koehler & Leutwein für die Gemeinde erarbeitet hatte. Die Hauptstraße ab der Ampelkreuzung an der Bickesheimer Kirche diene auch den Verkehrsbeziehungen von und nach Au am Rhein oder Elchesheim-Illingen. Kreisstraßen müssten überörtliche Verkehrsbeziehungen gewährleisten und dabei Flüssigkeit des Verkehrs ermöglichen. „Damit haben wir keine Rechtsgrundlage, um das seit zwei Monaten geltende innerörtliche Tempo 30 auf der Hauptstraße südlich der Kreuzung bei der Kirche bis an den Ortsrand auszudehnen“, erklärt Augustin.

Ein weiterer Kritikpunkt: Im neuen Tempo-30-Bereich lägen gesundheitsgefährdende Lärmemissionen vor. „Weitere Wohngebäude mit Überschreitungen von gesundheitsgefährdenden Immissionen (...) liegen in Durmersheim nicht vor“, stellt das Ingenieurbüro in seinem Bericht fest.

Den Vorwurf, dass Autofahrer an der Querungshilfe zu den Einkaufsmärkten oft nicht anhalten, um Fußgänger oder Radfahrer die Hauptstraße überqueren zu lassen, kann Augustin nicht nachvollziehen. „Eine Querungshilfe ist kein Zebrastreifen, man muss nicht anhalten“, sagt er. Die wenigen Sekunden, die Querende warten müssen, hält er für nicht dramatisch.

Auch den Vorwurf, auf dem schmalen asphaltierten Streifen in diesem Bereich parallel zur Hauptstraße komme es zu gefährlichen Begegnungen zwischen Radfahrern und Fußgängen, will er nicht gelten lassen. Der Weg sei eindeutig als reiner Fußgängerweg gekennzeichnet, verweist Augustin auf entsprechende Schilder und Piktogramme. Den früheren zweiten, durch Wurzelwerk der Bäume desolaten Radweg habe die Gemeinde als Ausgleichsmaßnahme für die Versiegelung durch den Kreisel-Bau entfernen lassen. „Es gab ein Bebauungsplanverfahren mit Bürgerbeteiligung“, betont er die Rechtmäßigkeit des Vorgehens – und dass Einwände möglich gewesen wären.


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