Durmersheimer Eltern protestieren

Durmersheim (HH) – Pläne des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums bringen Mütter und Väter auf die Palme. Jetzt wendeten sie sich sogar ans Kultusministerium.

Kinder, Kinder: eine Klassenneubildung am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium hat zu Protest geführt, den Eltern bis ins Kultusministerium trugen. Foto: Helmut Heck

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Kinder, Kinder: eine Klassenneubildung am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium hat zu Protest geführt, den Eltern bis ins Kultusministerium trugen. Foto: Helmut Heck

Beim schnellen Überfliegen eines Briefs, den Eltern am 11. August an die Schulleitung des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (WHG) geschrieben haben, steigt Beklemmung auf. Da ist von einer Sache die Rede, die den Eltern, aber „vor allem“ ihren Kindern „emotional sehr nahe“ gegangen sei. Man finde trotz Ferien „keine Entspannung und Ruhe“. Die Kinder hätten „Angst“, seien „traurig, verzweifelt (…) frustriert, zornig und hilflos“.
Der Grund: „Aus den bisher drei Klassen der Jahrgangsstufe werden im kommenden Schuljahr zwei Klassen geformt“. Es wird berichtet, dass die bisherigen Klassengrößen „schon immer bei maximal 24 Schüler*innen“ gelegen hätten. Bisher sei man „mit mindestens 18 Kindern pro Klasse (…) deutlich über dem vorgegebenen Minimum“ gewesen.

Im neuen Schuljahr wird die Jahrgangsstufe 60 oder 61 Jugendliche zählen, aus denen die Schulleitung zwei Klassen bilden wolle. Dies sei den Eltern „direkt zu Beginn der Sommerferien“ mitgeteilt worden. Die Nachricht habe die Kinder „emotional sehr schwer getroffen“, lassen die Unterzeichnerinnen des Protestschreibens wissen.

Kinder „emotional sehr schwer getroffen“

Die vergangenen eineinhalb Jahre seien „für alle nicht einfach und kräftezehrend gewesen“. Homeschooling, geschlossene Sportvereine, Kontaktverbote und daraus resultierende Einsamkeit habe „alle betroffen“. Diese Umstände und die Tatsache, dass sich die „Kinder“ im Alter von etwa 14 Jahren „mitten in der Pubertät“ befänden, bedeute, dass sie „auch ohne das Zerschlagen ihres sozialen Umfelds in einer schwierigen Lebensphase“ steckten.

Der vor den Sommerferien wieder aufgenommene Präsenzunterricht habe die Klassenverbände noch mehr zusammengeschweißt, man habe „ Hoffnung auf etwas Normalität“ geschöpft. Dies sei mit Ankündigung der Klassenneubildung „auf einen Schlag genommen“ worden. Ans WHG richtet die Elternschaft die Forderung, die bisherigen Klassenverbände beizubehalten. Am Ende des Schreibens wird betont, dass man die Schule keinesfalls „in ein schlechtes Licht“ rücken, sondern nur für das „schwächste Glied in der Kette, unsere Kinder“ einstehen wolle.

Die Eltern wandten sich nicht nur an die Schulleitung, sondern auch ans Schulamt beim Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) und ans Kultusministerium in Stuttgart. Die Antworten fielen aus Sicht der Elternvertreterinnen unbefriedigend aus. Sie wandten sich mit Beifügung des Schriftverkehrs an die Presse.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Leitende Regierungsschuldirektorin des Bildungsreferats beim RP feststellt, dass die Corona-Pandemie für das Schulleben „sehr herausfordernd“ sei. Sie hob hervor, dass die „umsichtige Schulleitung“ und die „vielen engagierten“ Lehrkräfte am WHG gerade in der Krise „sehr viel geleistet“, den Unterricht „gewinnbringend“ gestaltet hätten.

Dass die künftigen Neuntklässler in der Vergangenheit in „sehr kleinen Klassen“ unterrichtet worden seien, nannte die Amtsleiterin „großes Glück“. Es gelte jedoch, einen Organisationserlass umzusetzen, aus dem sich anhand der Schülerzahlen die Ressourcenzuweisung an die Schulen ergebe. Die konkrete Klassenbildung unterliege der Schule.

Schule will Freundschaften respektieren

Das WHG habe einen „sehr erfahrenen“ und „umsichtigen“ Leiter, der mitgeteilt habe, dass bei der Klassenbildung darauf geachtet werde, dass „befreundete Schüler und Schülerinnen weiterhin die gleiche Klasse besuchen“. Darüber hinaus werde es weiterhin viele Unterrichtsstunden in den schon vertrauten Lerngruppen geben.

Das Kultusministerium begnügte sich damit, auf das Schreiben aus dem RP hinzuweisen. Mit weiteren Fragen solle man sich „direkt an die Schulleitung“ wenden.

Diese wiederum hatte schon in der ersten Mitteilung an Eltern und Schüler vom 4. August vorausgeahnt, „zunächst einmal einen Schrecken“ auszulösen, versicherte aber, dass „jede Schülerin, jeder Schüler mit mindestens einer Person, die ihr/ihm besonders nahesteht“ in der künftigen Klasse zusammenbleiben könne. Es wurde um Namensnennungen gebeten.

Schulleiter: „Neue Freundschaften sind möglich“

Die „nicht vermeidbare Maßnahme“ schließe nicht aus, dass sich „auf Dauer auch positive Begleiterscheinungen“ einstellten, betont jedoch das WHG. Häufig sei es so, dass sich aus frischer Zusammensetzung „positive Dynamik“ entwickle, „die sich günstig auf einen selber auswirken kann“, neue Freundschaften seien möglich, regt der Schulleiter an, den Schrecken durch optimistische Gedanken zu verscheuchen.

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Erstellt:
1. September 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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