Durmersheimerin bei „Ingenieure ohne Grenzen“

Durmersheim (manu) – Den äthiopischen Nomaden Ackerbau in ungünstigem Klima zu ermöglichen, an diesem Projekt arbeitet Johanna Rohrer. Die Durmersheimerin engagiert sich bei Ingenieure ohne Grenzen.

Mit Hilfe von der Situation angepassten Bewässerungssystemen sollen in der Wüste Hirse, Mais und Luzerne angebaut werden. Foto: Ingenieure ohne Grenzen

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Mit Hilfe von der Situation angepassten Bewässerungssystemen sollen in der Wüste Hirse, Mais und Luzerne angebaut werden. Foto: Ingenieure ohne Grenzen

Begeistert von dem Projekt „Ärzte ohne Grenzen“, startete Johanna Rohrer aus Durmersheim eine Recherche „nach etwas Vergleichbarem für Ingenieure“. Seit April 2020 gehört sie zu der Stuttgarter Regionalgruppe der rein ehrenamtlich tätigen Organisation „Inge-nieure ohne Grenzen“. Diese hat ihren Hauptsitz in Berlin, von wo aus eine Handvoll Festangestellter die rund 1.000 Aktiven aus 32 Regionalgruppen in Deutschland koordiniert.

Hilfsorganisation finanziert sich durch Spenden

„Ingenieure ohne Grenzen“ finanziert sich durch Spenden sowie 3.000 als passive Mitglieder eingetragene Förderer. Diverse Projekte betreut die Hilfsorganisation weltweit, darunter ELRAP im Nordosten Äthiopiens im Dorf Arsis. Die Abkürzung steht für „Enhancing Livelihood Resilience of Afar People“. Das Ziel ist es, den Lebensunterhalt der Menschen zu verbessern. In Arsis lebt das nomadische Volk der Afar unter ungünstigem Klima an der Grenze dessen, was für das Überleben notwendig ist, berichtet Rohrer. Die Regenzeit ist kurz, Niederschlagsmengen sind sehr variabel. Daher ist die Region stark von Dürren und Überflutungen bedroht.

Überweidung und Abholzung

Der Lebensunterhalt der Afar fußt auf nur einem Standbein, der Viehwirtschaft. Das Einkommen ist daher sehr instabil. Die extrem karge Vegetation ist von Überweidung und Abholzung geprägt. Der dadurch schutzlose Boden ist starker Erosion ausgesetzt. Die Degradierung des Bodens und der Rückgang der Vegetation führen auf Dauer zu einem Verlust der Nahrungsgrundlage der Viehherden.

„Um Ackerbau in der Wüste zu ermöglichen, schafft man im Rahmen von ELRAP ingenieurtechnisch ein Bewässerungssystem“, erzählt Rohrer. In der Regenzeit wird das vorhandene Wasser aufgefangen und in Zisternen für die Trockenzeit gespeichert. In Mikrolandschaftsstrukturen wie künstlichen Gräben sollen Sorghumhirse, Mais und Luzerne angebaut werden. Diese Anpflanzungen verringern die Erosion, erhöhen die Bodenfruchtbarkeit, sind trockentolerant und schaffen eine Ausgewogenheit zwischen Nahrungsmitteln, Viehfutter und vermarktbaren Feldfrüchten. Johanna Rohrers erste Erkundungsreise nach Äthiopien fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Von den Schreibtischen in Stuttgart und Durmersheim aus kümmert sie sich nun um die technischen Planungen. Die 25-Jährige studiert an der Universität Stuttgart im dritten Master-Semester Bauingenieurwesen mit Vertiefungsrichtung „Wasser und Umwelt“.

Besuch in Arsis geplant

Um Einblick in die Situation in Arsis zu erhalten, stehen lokale Partnerorganisationen „auf Augenhöhe mit den lokalen Menschen“ zur Verfügung, um „Ingenieure ohne Grenzen“ mit Berichten und Fotos zu versorgen. Auf Basis dieses Materials erarbeitet Rohrer ehrenamtlich parallel zum Studium Lösungen für ELRAP. Ende des Jahres soll es dann drei Wochen lang in Arsis an die Umsetzung gehen, „sofern es die Pandemie und die politische Situation in Äthiopien erlauben“, sagt Rohrer. Sie ist aber zuversichtlich, dass die Reise nach Afrika klappt. ELRAP möchte sie auf jeden Fall „bis zum Projektabschluss begleiten“. Klar ist für die Durmersheimerin, dass sie nach ihrem Studium den „Ingenieuren ohne Grenzen“ treu bleibt. „Das ist eine Win-Win-Situation; ich kann helfen, aber ich lerne dadurch auch dazu“.

www.ingenieure-ohne-grenzen.org

Johanna Rohrer engagiert sich für Ingenieure ohne Grenzen. Foto: privat

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Johanna Rohrer engagiert sich für Ingenieure ohne Grenzen. Foto: privat


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