E-Autofahrer finden im Murgtal Anschluss

Murgtal (ama) – Gaggenau plant weitere Stromtankstellen. In Loffenau und Forbach ist der Bedarf derzeit gedeckt.

Stromtankstellen: In allen Gemeinden des Murgtals stehen öffentliche E-Ladestationen zur Verfügung. Doch nicht alle werden häufig genutzt. Foto: Markus Scholz/dpa

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Stromtankstellen: In allen Gemeinden des Murgtals stehen öffentliche E-Ladestationen zur Verfügung. Doch nicht alle werden häufig genutzt. Foto: Markus Scholz/dpa

E-Autofahrer finden in allen Murgtalgemeinden öffentliche Ladestationen. Doch manche Säulen werden derzeit nur wenig genutzt. Während etwa in Gaggenau 2022 die Zahl der Ladestationen wachsen soll, sehen andere Gemeinden derzeit keinen Handlungsbedarf. Die Redaktion gibt im Folgenden einen Überblick, wie es um den Ausbau der E-Mobilität im Murgtal steht.

Gaggenau:

In Gaggenau gibt es die meisten öffentlichen E-Ladestationen im Murgtal. Allein sechs der insgesamt acht Stromtankstellen betreiben die Stadtwerke.

Sie sind an folgenden Standorten zu finden: am Rotherma, an der Carl-Benz-Schule, am Unimog-Museum, an der Flößerhalle, in der Tiefgarage Murgufer und am Annemasseplatz. Letztere hat unter anderem eine Schnellladefunktion mit 100 Kilowatt (kW). Alle anderen Stationen der Stadtwerke haben jeweils zwei Anschlüsse mit 22 kW.

An gut frequentierten Stellen platziert

„Die städtischen Ladesäulen wurden an gut frequentierten Orten errichtet“, sagt Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadt Gaggenau. „Die Standorte werden ständig überwacht.“ Falls sich zeige, dass die Bevölkerung Säulen nicht ausreichend nutzt, könnten die Ladestationen versetzt werden.

Das hält Bertram Müller bisher nicht für notwendig. „Die Menschen nutzen unsere Säulen sehr häufig“, erklärt der Marketingleiter bei den Stadtwerken Gaggenau. Als sie in Betrieb gingen, gab es laut Müller anfänglich nur einen Ladevorgang pro Tag. Mittlerweile stelle er bis zu 75 Ladevorgänge am Tag an allen Ladestationen fest, betont Müller.

„Am stärksten gefragt ist die Schnellladesäule am Annemasseplatz.“ Die Stromtankstellen am Rotherma und am Unimog-Museum nutzten dagegen vergleichsweise weniger Leute. „Der Publikumsverkehr geht dort wegen Corona zurück“, erklärt Müller. Insgesamt seien die Ladesäulen in Gaggenau aber immer begehrter.

Im ersten Halbjahr 2022 planen die Stadtwerke, weitere E-Ladesäulen etwa auch verstärkt in Wohngebieten zu errichten. „Wir wollen die öffentliche Ladeinfrastruktur weiter verdichten“, betont Müller. Nähere Details könne er noch nicht nennen.

Kunden können auch bei Aldi „tanken“

Neben den Ladesäulen der Stadtwerke stellt Aldi eine Normalladestation (zweimal 22 kW) für Kunden während des Einkaufens zur Verfügung – am Standort in der Rindeschwenderstraße. Zudem gibt es eine Ladestation (einmal 50 und einmal 22 kW) von EnBW Mobility in der Ringstraße 5 in Bad Rotenfels.

Gernsbach:

Die EnBW-Tochter betreibt in Gernsbach eine der insgesamt drei öffentlichen E-Ladestationen. Und zwar die vor dem Rathaus (zweimal 22 kW). Außerdem gibt es Stromtankstellen am neuen Aldi in der Schwarzwaldstraße und am Papiermacherzentrum.

Letztere werde von den Stadtwerken Rastatt betrieben, sagt Sean Allen Brent, Leiter der Stadtwerke Gernsbach. Auch mehrere Firmen wie das Autohaus Haitzler oder Casimir Kast hätten Lademöglichkeiten – allerdings nur betriebsintern.

Die öffentliche E-Ladestation am Rathaus sei unter finanzieller Beteiligung der Stadt und mit Fördermitteln errichtet worden, erklärt Brent. Bei der Nutzung gebe es aber noch Luft nach oben: Im ersten Halbjahr 2021 sei die Ladestation täglich im Schnitt nur knapp fünf Stunden genutzt worden, so Brent.

Der Energiekonzern EnBW macht auf Nachfrage keine Angaben zur Auslastung der Ladestation im zweiten Halbjahr 2021. Doch Pressereferentin Henrike Reichert gibt einen Ausblick in die Zukunft: „2025 wollen wir rund 2.500 Schnellladestandorte in Deutschland betreiben.“ Das seien mehr Standorte, als die größten Tankstellenbetreiber jeweils besitzen. Im Murgtal plane EnBW keine weiteren Standorte.

„In Gernsbach wären mehr Ladesäulen wünschenswert“, sagt Brent. Doch: „Die Ladeinfrastruktur gehört nicht zur Pflichtaufgabe der Kommunen. Durch den angespannten Haushalt haben wir nur begrenzt Spielraum.“

Loffenau:

In Loffenau gibt es derzeit lediglich eine E-Ladestation – gegenüber der Volksbank im Kirchhaldenpfad. Betreiber der Ladestation mit zweimal 22 kW ist die Firma Deer. Vor Weihnachten stand im Gemeinderat zur Debatte, weitere Stromtankstellen in Loffenau zu errichten – und dabei eine Förderung des Bundes zu nutzen.

„Ladesäule sollte einen Mehrwert bringen“

„Eine weitere Ladesäule zu installieren, nur, weil es Förderung gibt, ist nicht zielführend“, sagt Bürgermeister Markus Burger (parteilos). „Die Ladesäule sollte auch einen Mehrwert bringen, also auch genutzt werden.“ Und derzeit würden an der Station vor allem Carsharing-Wagen der Firma Deer, aber kaum Privatfahrzeuge geladen.

Weisenbach:

Die einzige öffentliche E-Ladestation in Weisenbach steht am katholischen Gemeindehaus. Sie hat zweimal 22 kW und wird von der Gernsbacher Firma W-Quadrat betrieben. Spätestens im Sommer 2022 soll auf dem Rathausplatz in Weisenbach eine weitere Stromtankstelle entstehen.

Hauptamtsleiter sieht keinen weiteren Bedarf

Bauherr und Betreiber sei die Firma Deer, sagt Bürgermeister Daniel Retsch (CDU) auf Nachfrage. „In Zukunft brauchen wir weitere Ladesäulen“, betont er. „Mit der Zunahme von Elektrofahrzeugen steigt der Bedarf.“ Schon jetzt sei die Station am Gemeindehaus gut frequentiert.

Forbach:

In Forbach gibt es aktuell zwei Elektroladestationen (jeweils zwei 22 kW-Anschlüsse). Eine Stromtankstelle habe die EnBW an der Schwarzenbach-Talsperre errichtet, sagt der stellvertretende Hauptamtsleiter Thomas Hudeczek auf Nachfrage. Eine weitere habe die Gemeinde Forbach auf dem Parkplatz gegenüber der Sparkasse ins Leben gerufen.

„Die Ladevorgänge an der kommunalen Säule sind noch überschaubar“, erklärt Hudeczek. Im zweiten Halbjahr 2020 waren es laut ihm 56 Ladevorgänge, im ersten Halbjahr 2021 64, also etwa an jedem dritten Tag.

Deshalb sieht man in Forbach gerade keinen Handlungsbedarf: „Weitere Ladeinfrastruktur ist derzeit nicht geplant“, betont Hudeczek.


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