E-Scooter: Stadt Rastatt will mehr Verlässlichkeit

Rastatt (dm) – Im Frühjahr waren sie plötzlich weg, jetzt sind sie unvermittelt wieder da: Die E-Scooter der Firma Bird in Stadt Rastatt. Die „unerquicklichen Erfahrungen“ sollen Konsequenzen haben.

Rückkehrer: So unvermittelt, wie sie im Frühjahr abgezwitschert sind, bevölkern die E-Scooter der Firma Bird wieder die Straßen Rastatts. Die Stadt will Verlässlichkeit. Foto: Frank Vetter

© fuv

Rückkehrer: So unvermittelt, wie sie im Frühjahr abgezwitschert sind, bevölkern die E-Scooter der Firma Bird wieder die Straßen Rastatts. Die Stadt will Verlässlichkeit. Foto: Frank Vetter

Die Vöglein sind wieder da. Genauso unvermittelt, wie sie im Frühjahr abgezwitschert sind, bevölkern die Elektro-Scooter der Firma Bird jetzt wieder die Straßen Rastatts. Und wieder hatte die Stadt als Vertragspartner zunächst keine Informationen darüber erhalten. Eine nachvollziehbare Erklärung des Unternehmens über den zeitweise Rückzug liegt weiterhin nicht vor. Die „unerquicklichen Erfahrungen“, so die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg, haben Konsequenzen.
Für mehr Verlässlichkeit des Scooter-Angebots will man nun „zusätzliche Möglichkeiten“ für dessen Erweiterung ausloten. Noch hält man sich im Rathaus bedeckt, was das genau zu bedeuten hat. Klar dürfte aber sein, dass es sich dabei um Gespräche mit anderen Anbietern handelt.

In einer aktuellen Pressemitteilung von Bird ans Rathaus, die erst auf Nachfrage der Stadt einging und nun „gerne verteilt werden kann“, wie das Unternehmen schreibt, wird hauptsächlich Marketing betrieben. Bird (englisch für Vogel), „ein führender Anbieter von umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen, ist nach einer kurzen Winterpause mit über 100 E-Scootern zurück in Rastatt“, heißt es.

Gründe für zeitweiligen Rückzug unklar

Dabei war die „kurze Winterpause“ eigentlich bereits Anfang März beendet worden, als die Stadt verkündete, dass sie den Vertrag mit Bird verlängert habe und zugleich das Angebot von der Kernstadt auf Plittersdorf, Ottersdorf, Wintersdorf, Rauental und Niederbühl ausgedehnt wird. Stattdessen folgte kurz darauf der zeitweise Rückzug – so heimlich, still und leise, dass man im Rathaus nicht einmal den genauen Tag kannte, an dem die Roller verschwanden. Von globalen Lieferschwierigkeiten aufgrund der Pandemie und des Russlandkriegs war die Rede, nicht jedoch von den Gründen, warum die bisherige Flotte zurückgezogen wurde.

Nun aber freut sich das Unternehmen aus Kalifornien, das eigenen Angaben zufolge in mehr als 400 Städten weltweit seine „Mikro-Elektrofahrzeuge“ im Einsatz hat, laut PR-Mitteilung auf eine „weitere Saison“ in Rastatt. „Besonders jetzt, wo die Benzinpreise so hoch sind, wissen wir, dass Menschen jetzt eher bereit sind, alternative Transportmittel zu nutzen.“

Dass die „Birdies“ wieder im Einsatz sind, „das finden wir natürlich gut“, betont auch Heike Dießelberg. „Wir wissen, dass die Roller in Rastatt gut angenommen werden.“ Sie seien bei jungen Menschen, Touristen und Berufspendlern gleichermaßen beliebt. Nun wolle man aber versuchen, künftig mehr Verlässlichkeit in das Angebot zu bringen – das dann auch ein ganzjähriges sein soll.

Kunde: „Den Support kann man vergessen“

Ein treuer Bird-Nutzer war in der Vergangenheit Julian Wölwer. Der 28-Jährige nutzte die Roller, um zum Beispiel von seiner Wohnung im Dörfel innerhalb weniger Minuten zur LWG-Sporthalle zum Tischtennistraining zu düsen. Entsprechend sauer reagierte er, als die Vögel im März ohne Vorankündigung ausgeflogen waren: „Das ist ein Unding.“

Über ihre ebenso plötzliche Rückkehr kann er sich nicht uneingeschränkt freuen. Denn der einstige Stammkunde hat jetzt Probleme mit dem Buchungssystem. Die Bezahlung via Paypal funktioniert bei Wölwer nicht mehr.

In Sachen Kommunikation hat er als Kunde ähnliche Erfahrungen wie die Stadt gemacht: „Den Support kann man vergessen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher und Holger Siebnich

Zum Artikel

Erstellt:
16. Mai 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.