Eisbahn-Initiator Karlheinz Kögel im Gespräch

Baden-Baden (kam) – Entspanntes Vergnügen dank Sicherheitskonzept: Am kommenden Freitag öffnet die Eisbahn auf dem Baden-Badener Augustaplatz. Initiator Karlheinz Kögel spricht über das Projekt.

Karlheinz Kögel spricht über sein Engagement in Baden-Baden und die Entwicklung des Reisemarktes in Corona-Zeiten. Foto: Bernd Kamleitner

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Karlheinz Kögel spricht über sein Engagement in Baden-Baden und die Entwicklung des Reisemarktes in Corona-Zeiten. Foto: Bernd Kamleitner

Seit über zwei Jahrzehnten hat er sein Büro im denkmalgeschützten ehemaligen Haus des Kurgastes am Augustaplatz Baden-Baden. An diesem Freitag geht quasi vor der Haustür Karlheinz Kögels die von ihm initiierte und gesponserte Eisarena nach einem Jahr Corona-Zwangspause wieder in Betrieb. Über sein Engagement in Baden-Baden, seine Meinung zu den Verhältnissen am Augustaplatz und seine Prognose zur Entwicklung des Reisemarktes in Zeiten der Pandemie sprach unser Mitarbeiter Bernd Kamleitner mit dem kreativen Baden-Badener Unternehmer.

BT: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Baden-Baden eine Eisarena zu sponsern?
Karlheinz Kögel: Ich habe das in Großstädten wie Düsseldorf und München gesehen. Beim Blick vom Büro auf den Augustaplatz habe ich gedacht, wir sollten was für Kinder und Jugendliche in dieser Stadt machen. Die Premiere war so ein Erfolg, dass wir das Jahr für Jahr wiederholt haben. Jetzt sind wir im 15. Jahr.

BT: Im vergangenen Jahr musste die Eisarena wegen Corona ausfallen. Erwarten Sie jetzt noch einen größeren Andrang als zuletzt 2019?
Kögel: Das ist schwer abzuschätzen, aber aufgrund unseres Sicherheitskonzepts dürfte es ein entspanntes Vergnügen werden. Auf der Eisfläche ist keine Maske erforderlich. Es war aber sehr schwierig, die Eisarena umzusetzen, weil das nur mit Sponsoren zu stemmen ist. Die Kosten für Aufbau und den Unterhalt der Eisarena können wir über Eintrittsgeld bei Weitem nicht einspielen. Mich hat aber zusätzlich motiviert, Kindern diesen Spaß zu ermöglichen, weil sie in den vergangenen Monaten am meisten gelitten haben und zum Spielball der Politik wurden. Denen ist doch zwischen Maske und Bildschirm ein Stück Jugend gestohlen worden. Wir haben übrigens seit 2018 die Preise nicht verändert.

BT: Haben Sie sich früher auch aufs Eis getraut oder trauen Sie sich noch?
Kögel (lacht): Nee! Höchstens mit dem Pinguin als Hilfsstütze. Ich freue mich einfach, wenn ich hier aus dem Haus schaue, und von unten das Kinderlachen höre.

Auf dem Augustaplatz öffnet am kommenden Freitag wieder die Eisbahn. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Auf dem Augustaplatz öffnet am kommenden Freitag wieder die Eisbahn. Foto: Monika Zeindler-Efler

BT: Sie engagieren sich mit der Eisarena für Baden-Baden, sind auch Festspielhaus-Stifter und fördern noch mehr. Was ist ihre Motivation?
Kögel: Ich lebe in Baden-Baden und das nicht passiv, sondern aktiv, habe mit den Menschen in der Stadt zu tun und empfinde als Bürger eine Verpflichtung, mich in der Gemeinschaft zu engagieren.

BT: Gibt es Dinge oder Orte in der Stadt, die Ihnen besonders am Herzen liegen, die Sie gerne aufsuchen?
Kögel:
Auf die Lichtentaler Allee blicke ich, wenn ich im Büro aus dem Fenster schaue. Wir sind erst vor ein paar Tagen da gelaufen, weil die Herbstfarben so einmalig sind. In diesem Jahr stelle ich zudem einen richtigen Run auf die Allee fest. Wie ein Magnet zieht sie so viele Menschen an, die sich an der Natur erfreuen. Dem Festspielhaus fühle ich mich auch verpflichtet. Intendant Benedikt Stampa macht einen tollen Job. Auch in der Corona-Krise hat er versucht, das Beste draus zu machen.

BT: Der Augustaplatz ist nach dem mysteriösen Tod eines älteren Mannes in die Schlagzeilen geraten. Welches Gefühl haben Sie, wenn sie von oben das Geschehen auf dem Platz beobachten?
Kögel: Da gibt es zwei Seiten: Einerseits tun mir die Menschen leid, die unsere Gemeinschaft scheinbar verlassen haben. Viele haben ein tragisches Schicksal. Auf der anderen Seite geht das gar nicht: Das ist eine desaströse Visitenkarte, die unsere Stadt zeigt. Ich habe immer wieder darauf gedrängt, dass sich das ändert.

BT: Mit wenig oder allenfalls bescheidenem Erfolg ...
Kögel: Ja, jetzt ist die Zeit, was zu tun. Für viele Besucher ist der Augustaplatz das Eingangstor zur Stadt.

BT: Seit Jahren wird über eine Neugestaltung des Platzes diskutiert. Aus finanziellen Gründen wurde das zuletzt aber immer wieder vertagt. Wäre das etwas, was Private mit Spenden finanzieren oder zumindest anstoßen könnten?
Kögel: Nein, das ist die ureigene Aufgabe der Stadt. Es gab verschiedene Anläufe und Ideen, an denen ich auch beteiligt war. Das müsste aber schon ein großer Wurf werden. Den habe ich bislang noch nicht gesehen. Der Augustaplatz hat eine zentrale Rolle und ist das pulsierende Herz dieser Stadt.

„Geld war für mich nie der Auslöser“

BT: Wie sehen Sie als ein Experte in Sachen Reisen Baden-Baden insgesamt positioniert?
Kögel: Die Stadt ist exzellent positioniert und wird aus meiner Sicht auch gut vermarktet. Der Welterbe-Titel wirkt wie ein Booster und ist eine Chance, die weiter genutzt werden kann. Es wird zwar noch einige Monate dauern, bis das so zu spüren ist, aber die Auszeichnung wird auch eine internationale Ausstrahlung haben.

BT: Glauben Sie, dass beim Thema Reisen bald wieder Normalität einkehren kann oder wird das wegen Corona womöglich noch Jahre dauern?
Kögel: Nein, es geht ja schon wieder richtig los. Wir haben mit Lufthansa Holidays und Eurowings Holidays zwei große Reisefirmen. Wenn sie bei Lufthansa oder Eurowings „Flug und Hotel“ anklicken, dann landen Sie hier in Baden-Baden am Augustaplatz. Insofern wissen wir, was läuft: Die Nachfrage ist enorm! Zum Beispiel New York, da erleben wir gerade einen Boom. Im nächsten Jahr, so die vierte Welle vorbei ist und keine Kollateralschäden hinterlassen hat, werden die Menschen das nachholen wollen, was sie verpasst haben.

BT: Sie haben auch mal klein angefangen, mit Media Control sogar in einer Garage. Erinnern Sie sich noch an diese Anfänge und den Auslöser dafür?
Kögel: Da müssen Sie schon die Gene und eine gewisse Unruhe in sich haben, mehr zu wollen, als nur Angestellter zu sein: Das Ziel, selber Chef zu sein, und etwas zu bewegen. Das Geld und damit reich zu werden, das war für mich nie der Auslöser. Das sage ich auch jedem, der mich um Rat fragt. Man muss vielmehr von einer Idee begeistert sein, die durchkämpfen und sich dann über das freuen, was man auch wirtschaftlich an Erfolg hat.

BT: Das geht aber nicht von heute auf morgen...
Kögel: Man muss sich ein Segment aussuchen, in dem man sich bestens auskennt und sehen, ob es Lücken gibt. Dazu gehört auch die richtige Konstellation, also Menschen, die an dich glauben, dich unterstützen. Als ich die Idee für Media Control hatte, habe ich nach einem Namen gesucht. Wann mir der eingefallen ist, das weiß ich noch ganz genau. Das war auf der Fahrt zu meinen Eltern auf der Autobahn zwischen Freiburg und Basel.

BT: War es früher leichter, so etwas ins Rollen zu bringen?
Kögel: Nein! Das sehen Sie an den Start-ups, die es gibt. Heute sind es zwar ganz andere Felder, aber es werden immer Lücken gesucht und auch gefunden, wo man was besser oder anders machen kann. Das liegt im Menschen drin.

BT: Haben Sie aktuell eine Lücke gefunden, um etwas besser zu machen?
Kögel: Mein Sohn entwickelt gerade eine Idee, wie man intelligent und auf völlig neuen Wegen Reisen buchen kann – über Instagram. Das macht er sehr selbstständig. Wenn er meinen Rat sucht, unterstütze ich ihn.

„Man muss schon für eine Sache brennen“

BT: Was müssen junge Leute mitbringen, um einen solchen Weg einzuschlagen?
Kögel: Sie müssen die Kraft haben, sicheres Terrain zu verlassen, und zu sagen: Egal was passiert, Augen zu, ich glaube an meine Idee. Man muss schon für eine Sache brennen und so begeistert sein, dass man Risiken in Kauf nimmt und auch ein Scheitern mit einkalkuliert. Dann war’s das eben.

BT: Sind Sie auch mal gescheitert?
Kögel: Klar. Manches ziehe ich dann noch eine Weile durch, aber dann höre ich einfach auf damit.

BT: Mit Media Control werden unter anderem Buch-Bestsellerlisten ermittelt. Verfolgen sie diese Listen auch persönlich?
Kögel: Jedes Buch, das in Deutschland verkauft wird, wird hier in Baden-Baden registriert, abgedruckt unter anderem im Spiegel und Stern. Das verfolge ich jede Woche. Mich fasziniert, wie scheinbar jeder Promi das Bedürfnis hat, ein Buch zu schreiben. Manche verkaufen davon nur mal hundert Exemplare. Aber es ist halt in dieser digitalen flüchtigen Zeit ein Stück Unvergänglichkeit, die man haptisch und sichtbar ins Regal stellen kann.

BT: Sie haben auch eine spannende Lebensgeschichte. Wäre das nichts für ein Buch?
Kögel: Nein, nie. Ich gucke ungern in den Rückspiegel. Ich schaue lieber nach vorne. Ich kann mich aber an viele schöne Dinge erinnern, manches habe ich aber auch ausgeblendet.

BT: Sie waren bei Gründung der Popwelle SWF3, heute SWR3, mit an Bord. Sind Sie bis heute ein Fan von Rock und Pop geblieben?

Kögel: Ich höre gerne Radio. Das ist meine Leidenschaft. Durch DAB können Sie heute ja praktisch jeden Sender hören, ganz gleich, ob Antenne Bayern, Radio Hamburg oder natürlich SWR.

BT: In den 60er-Jahren gab es die Stones- oder die Beatles-Fraktion.
Kögel: Ich war immer in der Stones-Fraktion und in den vergangenen Jahren auch immer wieder auf Konzerten der Stones. Zuletzt in Stuttgart im Stadion. Das ist aber so mein einziger Griff in die Mottenkiste. Ich höre gerne aktuelle Musik.

Plattensammlung auf Flohmarkt verkauft

BT: Sie haben daheim keine Plattensammlung?
Kögel: Die hatte ich mal, ganze Wände voll mit Vinylplatten. Die waren alphabetisch sortiert. Ich habe sie auf dem Flohmarkt verkauft. Stück für Stück. Ich habe gar keinen Plattenspieler mehr.

BT: Ist es heute leichter, an Musik zu kommen oder erschlägt einen eher das große Angebot, das verfügbar ist?
Kögel: Die Kometen verglühen schneller. Wenn ich sehe, wie meine Kinder Musik konsumieren: Die haben schon ihre Heroes, aber sie sind auch schnell wieder auf einem anderen Trip. Die Branche ist sehr schnelllebig geworden.

BT: Sie haben viel in Ihrem Leben erreicht. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Kögel: Mit zunehmendem Alter projizieren sich die Wünsche zunehmend auf das Thema Gesundheit und ganz Persönliches. So ist es auch bei mir: ein Quäntchen Glück für meine Familie, meine Frau und meine Kinder.

Zum Thema: Eisfläche größer als in den Vorjahren

Die Eisbahn auf dem Augustaplatz ist mit einer Fläche von 15 auf 35 Meter größer als in den Vorjahren. Damit will der Veranstalter dafür Sorge tragen, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Für den Betrieb wurde ein Hygienekonzept erstellt. Das Areal ist eingezäunt. Es gibt zwei separate Ein- und Ausgänge. Am Eingang wird zudem die Körpertemperatur gemessen. Zugang ist nur mit gültigem Nachweis für Genesene und Geimpfte sowie in der Corona-Warnstufe für Getestete möglich. Für Kinder und Jugendliche gilt die 3G-Regel nicht. Diese dürfen das Gelände mit einem gültigen Schülerausweis betreten. Begleitpersonen, die nicht auf die Eisfläche wollen, sind auf dem Gelände nur bei Kita-, Hort- und Schulgruppen sowie bei Menschen mit Behinderung zugelassen. Das Tragen einer Mund-Nasen-Maske ist bis zum Betreten der Eisfläche Pflicht. Das Zelt dient ausschließlich dem Schlittschuhverleih.

Schlitt- und Gleitschuhe sowie Lauflernhilfen werden vor jeder Ausleihe oberflächlich desinfiziert, heißt es. Nach Abgabe der Schuhe erfolgt eine automatische Trocknung und mehrfache Desinfektion des Innenschuhes. Der Gastrobereich besteht aus zwei Ausgabecontainern und einem Aufenthaltszelt. Die Eisbahn ist vom 12. November bis 9. Januar geöffnet: montags bis donnerstags von 12 bis 20 Uhr (in den Schulferien von 11 bis 20 Uhr) sowie freitags und samstags von 12 bis 22 Uhr und sonntags von 11 bis 20 Uhr. Für Gruppen über zehn Personen ist eine Reservierung zwingend erforderlich.

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Ihr Autor

Bernd Kamleitner

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Erstellt:
11. November 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 6min 58sec

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