ESC Hügelsheim kämpft weiter um die Existenz

Hügelsheim (mi) – Die Saisonfortsetzung in der Eishockey-Regionalliga im neuen Jahr ist höchst zweifelhaft. Der ESC Hügelsheim wartet auf Corona-Hilfe.

Bloß kein erneuter Vollcrash: Ob die Saison für die Baden Rhinos weitergeht, ist aktuell ungewisser denn je. Foto: F. Vetter

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Bloß kein erneuter Vollcrash: Ob die Saison für die Baden Rhinos weitergeht, ist aktuell ungewisser denn je. Foto: F. Vetter

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Nach Hilfe in düsteren Corona-Zeiten dürsten viele in diesen Tagen und Wochen, Bedürftige gibt es allerorten. Angesichts des Lockdowns sind auch viele Amateur-Sportvereine betroffen, bei denen der Spielbetrieb seit Anfang März fast vollständig zum Erliegen kam. Eishockey-Regionalligist ESC Hügelsheim steht exemplarisch für jene Vereine, die finanziell um ihre Existenz kämpfen, nicht zuletzt deshalb, weil man nicht Eigentümer, sondern nur Betreiber der Heimspielstätte am Baden Airpark ist.

Die monatlich stattlichen Kosten fressen mittlerweile die Reserven auf, die wie das Eis in der Sonne dahinschmelzen. Nach dem Hoffnungsschimmer im goldenen Saisonstartmonat Oktober, als die Schützlinge von Cedrick Duhamel mit drei Siegen in vier Punktspielen voll durchstarteten und erster Verfolger von Serienmeister Heilbronn waren, musste mit der von Bund und Ländern verordneten Zwangspause im November ein heftiger Bodycheck verkraftet werden.

Und nun drohen kurz vor Weihnachten nicht nur bei den Baden Rhinos endgültig die Lichter auszugehen. Ob die unterbrochene Saison nach der Verlängerung der Beschränkungen im neuen Jahr fortgesetzt wird, ist ungewisser denn je. Bei einer internen Vorstandssitzung wurde laut Vorsitzender Peter Seywald zwar der Beschluss gefasst, „die Füße momentan noch still zu halten“. Guntram Lüdemann, Fachvorsitzender Eishockey des Verbands, verbreitet derweil nicht viel Zuversicht. „Wir müssen im Januar als erstes schauen, wer überhaupt noch dabei ist. Die Eineinhalbfach-Runde kriegen wir sowieso nicht mehr hin. Aktuell etwas zu planen, wäre Irrsinn. Keiner weiß, was im Januar ist.“ Der Bayer deutet zumindest an, dass eine Verlängerung der Saison machbar ist. „Für die Vereine, die im Januar dann dabei sind, können wir einen neuen Spielplan noch hinzaubern.“

Lohnen sich fünf Heimspiele?

Lüdemann gibt indes zu bedenken, ob ein eingeschränkter Spielbetrieb („Etwas Reguläres wird das nicht mehr“) mit möglicherweise reduzierter Teilnehmerzahl wirklich noch Sinn macht: „Grob gerechnet stellt sich die Frage, ob sich zum Beispiel fünf Heimspiele ab Mitte Januar bis Ende März noch lohnen.“

Am Baden Airpark muss mit jedem Euro gerechnet werden. Die Eisbereitung im Oktober schlug mit 18000 Euro zu Buche, der spielfreie November kostete den Verein 10000 Euro, obgleich der Energieverbrauch maximal minimiert wurde. Im Dezember liegen die Ausgaben bei rund 6000 Euro, weil der in der Halle benachbarte Curling-Verein die Saison bereits beendet hat und gerade dabei ist, das Eis abzutauen.

Der von Sportdirektor Pascal Winkel initiierte Spendenaufruf („Das Eis wird dünn“), der von der Konkurrenz vielfach gelobt wurde, brachte bislang rund 7000 Euro ein.

Entscheidend für ein Ja oder Nein zur Saisonfortsetzung wird für den ESC aber die Höhe der Summe der vom Bund zugesagten Corona-Hilfe sein, die 75 Prozent des Einnahmeausfalls vom November des Vorjahres ausmacht. Winkel sagt klipp und klar: „Wenn die Summe den Betrieb im Minimum nicht decken kann, müssen wir abschalten. Dann macht es keinen Sinn mehr.“ Der Verein wartet händeringend auf eine Antwort.

„Verein nicht an die Wand fahren“


Während die Eliteklasse DEL am 17. Dezember wieder ihre Pforten öffnet und die acht Monate lang finanziell darbenden Profis sich damit selbst das schönste Weihnachtsgeschenk machen, bleiben die Hallen in der Regionalliga bis auf Weiteres stockdunkel. Winkel: „Wir versuchen den Spagat, ich kann den Verein aber nicht an die Wand fahren.“

Peter Seywald hat einst als begeisterter Fan die Insolvenz des Vorgängervereins ESV Hügelsheim miterlebt. In mühseliger Kleinarbeit hat er zusammen mit Winkel in zehn Jahren die Baden Rhinos aufgebaut und zu einer festen Größe in der hiesigen Regionalliga gemacht. Auch der Vereinsvorsitzende will alles, nur keinen zweiten Vollcrash. Allein schon deshalb nicht: „Ich habe mir ein Häuschen gegönnt, ich will wegen Corona nicht noch finanziell geradestehen müssen.“

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Erstellt:
4. Dezember 2020, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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