EU-Sonderzug macht Halt in Karlsruhe

Karlsruhe (sj) – Regionalpolitiker fordern bei einem Besuch in Karlsruhe eine bessere Bahn-Infrastruktur zwischen Baden und dem Elsass.

Großer Bahnhof für die Schiene: Thorsten Krenz, Jörg Wojahn und Christoph Schnaudigel (von links) auf dem Karlsruher Hauptbahnhof. Foto: Stefan Jehle

© STEFAN JEHLE

Großer Bahnhof für die Schiene: Thorsten Krenz, Jörg Wojahn und Christoph Schnaudigel (von links) auf dem Karlsruher Hauptbahnhof. Foto: Stefan Jehle

Es wurde großer Bahnhof gehalten gestern: Mehrere Mitglieder der EU-Kommission, der Bahn-Regionalchef für Baden-Württemberg und Karlsruhes Landrat waren gekommen, als der EU-Sonderzug „Connecting Europe Express“ CEE Halt machte an Gleis 9 des Karlsruher Hauptbahnhofs.

Deparnay-Grunenberg mit an Bord

Bei der am 2. September gestarteten Rundreise durch 26 EU-Staaten, bei 20.000 Kilometern Reise und 33 Grenz-Übertritten soll der „CEE“ für eine Verbesserung des Schienennetzes werben.

An Bord des aus fünf Waggons unterschiedlicher Nationalitäten bestehenden Zugs war auch Anna Deparnay-Grunenberg, die als Mitglied der Grünen im Europäischen Parlament die Berichterstatterin für „das Jahr der Schiene“ ist. Ende 2020 hatte das EU-Parlament beschlossen, 2021 zum „Europäischen Jahr der Schiene“ auszurufen; und dabei möglichst auch noch bestehende administrative, rechtliche und technische Hindernisse auf dem Weg zum einheitlichen Eisenbahnraum zu beseitigen.

Den Mitgliedern der EU-Kommission, mit deren Sprechern Jörg Wojahn für Deutschland und dem Polen Pawel Wojciechowski – der seit 2015 auch als der EU-weite Koordinator des Rhein-Alpen-Schienen-Korridors von Rotterdam nach Genua fungiert – wurde beim Aufenthalt des Sonderzugs im Karlsruher Hauptbahnhof ein ganzes Paket an Aufgaben und möglichen Verbesserungen mit auf den Weg gegeben. Karlsruhes Landrat Christoph Schnaudigel, der auch Präsident des Eurodistrikts Pamina ist, sprach die „missing Links“, die fehlenden Bausteine zwischen den beiden Verkehrskorridoren links und rechts des Rheins, auf französischer und deutscher Seite an. Nach wie vor nicht endgültig gelöst sei die Frage der Appenweierer Kurve, als das Verbindungsstück zum französischen TGV-Netz.

Auch habe die Havarie auf der Rheintalbahn bei Rastatt im August 2017 gezeigt, dass es weiterhin an Ausweichstrecken mangele. Er mahnte in diesem Kontext „weitere Vereinbarungen zur Reaktivierung“ der Bahnstrecke von Rastatt nach Haguenau an. Das sei mehr als nur ein Regionalverkehr und vielmehr eine Verkehrstrasse mit europäischer Bedeutung, sagte Schnaudigel. Der CDU-Politiker, der auch Vorsitzender des Regionalverbands ist, kündigte auf Nachfrage an, eine mit Interreg-Mitteln finanzierte Machbarkeitsstudie für die besagte Strecke Rastatt-Haguenau werde voraussichtlich bis zum Ende dieses Jahres vorliegen.

Nur vage Aussagen zur Situation der Rheintalbahn

Auch Elke Zimmer, die grüne Staatssekretärin im Stuttgarter Verkehrsministerium, benannte einen weiteren dieser „missing Links“. In Südbaden, bei Breisach, würden Pläne konkret, die im Krieg zerstörte Brücke ins elsässische Colmar wieder aufzubauen und damit auch dort eine weitere Zugverbindung zu ermöglichen. Mit einem Augenzwinkern bemerkte die EU-Parlamentarierin Deparnay-Grunenberg, am Ende der mehr als vierwöchigen Fahrt mit dem Sonderzug durch Europa werde auch die EU-Kommission „alle missing links kennen“. Wojciechowski sprach dabei von einem „emotional Train“, einem „emotionalen Zug inmitten von zwei benachbarten Verkehrskorridoren“. Karlsruhe lobte er als „great City“, die zwei wichtige Erfinder hervorgebracht habe im Verkehrssektor: Carl Benz und Carl Drais. Vertreter der Stadt Karlsruhe überreichten schließlich ein Stadtwappen an die EU-Vertreter und die Staatssekretärin aus Stuttgart einen Baden-Württemberg-Wimpel – und alle posierten sie vor der Weiterfahrt gemeinsam mit der EU-Flagge für die Kameras.

Wenig Neues gab es zur aktuellen Situation der Rheintalbahn. Thorsten Krenz, der Konzernbevollmächtigte und damit der Bahn-Regionalchef für Baden-Württemberg, blieb in seinen Aussagen – auch zum Fortgang der Trassenausbauten bei Rastatt und bei Offenburg – eher vage.


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