EU hat Zukunft der Trinkhalle in der Hand

Baden-Baden (hol) – Thermalwasser trinkbar machen: Die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) wartet auf Europa-Richtlinien. Der CDU-Landtagsabgeordneter Tobias Wald kritisiert das fehlende Nutzungskonzept.

Wie es mit der Trinkhalle weitergeht, das hängt von der Unesco ab – und vom Fortgang eines Gesetzgebungsverfahrens in der EU. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Wie es mit der Trinkhalle weitergeht, das hängt von der Unesco ab – und vom Fortgang eines Gesetzgebungsverfahrens in der EU. Foto: Monika Zeindler-Efler

Ihr Säulengang ist eines der Wahrzeichen der Kurstadt: Die Trinkhalle dürfte eines der am meisten fotografierten Motive in Baden-Baden sein. Doch das Innere des landeseigenen, denkmalgeschützten Bauwerks macht seit Monaten seinem Namen keine Ehre. Ob das darin fließende Thermalwasser jemals wieder in Bechern abgefüllt und getrunken werden kann, hängt an der EU.

Das geht aus einem Schreiben der baden-württembergischen Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) an den CDU-Landtagsabgeordneten Tobias Wald hervor. Und ihr Brief macht wenig Hoffnung darauf, dass sich die von BKV-Chef Stefan Ratzel Anfang 2019 gemachte Vorhersage, dass man das Thermalwasser bald wieder trinken könne, schnell erfüllt.

BKV arbeitet an dem Thema

Sitzmann berichtet, dass die ihr unterstellte Bäder- und Kurverwaltung (BKV), die für die Trinkhalle zuständig ist, an dem Thema arbeitet. In den vergangenen Monaten sei „mit einem renommierten Institut an der Entwicklung eines umfangreichen Konzepts gearbeitet“ worden, um das Thermalwasser in der Trinkhalle wieder frei trinkbar zu machen. Das dabei erarbeitete Konzept sei zwar aus Sicht der Behörden technisch in der Lage, das Ziel zu erreichen. „Allerdings ist es derzeit rechtlich noch nicht zulässig“, schreibt Sitzmann weiter. Hintergrund sei, dass die Überarbeitung der für das Verfahren relevanten EU-Regelungen derzeit ruhten. „Es bleibt diesbezüglich das weitere Verfahren auf EU-Ebene abzuwarten“, so Sitzmann.

Während also immerhin technisch für die künftige Nutzung der Trinkhalle alles im grünen Bereich zu sein scheint, ist das inhaltliche Nutzungskonzept ebenfalls von äußeren Umständen abhängig. Von entscheidender Bedeutung für die künftige Nutzung des Bauwerks sei die Entscheidung des Unesco-Welterbekomitees über die Bewerbung von Baden-Baden und weiteren europäischen Kurstädten auf die Aufnahme ins Unesco-Welterbe. Diese Entscheidung war ursprünglich für 2020 vorgesehen, wurde wegen Corona verschoben und soll 2021 getroffen werden.

Trinkhalle soll zum Informationszentrum werden

Seit September 2019 läuft im Inneren der Trinkhalle eine Dauerausstellung, die die Bewerbung der Kurstadt zum Welterbe zum Thema hat. Wie bereits berichtet, ist daran gedacht, die Trinkhalle, falls die Kurstadt 2021 ins Welterbe aufgenommen wird, zum Informationszentrum für das Thema in Baden-Baden zu machen.

Dass immer noch kein Nutzungskonzept für die Trinkhalle vorliegt, obwohl die BKV bereits seit Jahren ankündigt, ein solches zu erarbeiten, stört den CDU-Politiker Tobias Wald erheblich. Und er befürchtet, dass das Land und die BKV dieses Konzept im Alleingang erarbeiten werden. „Das muss aber in Zusammenarbeit mit der Stadt geschehen“, drängt Wald darauf, bei dem Thema die Verwaltung und die Baden-Baden Kur- und Tourismus GmbH mit ins Boot zu nehmen. Zudem wäre es wünschenswert, das Gebäude schon jetzt kulturell wieder zum Leben zu erwecken. „Im Zuge der coronabedingten Einschränkungen könnten sich besonders für den überdachten Außenbereich neue Nutzungsmöglichkeiten ergeben“, schreibt er an das Finanzministerium. Dabei schwebt ihm eine Nutzung als Veranstaltungsbereich für kleinere Ausstellungen, Theaterstücke, Konzerte und Kleinkunst vor, die seiner Meinung nach an dieser Stelle unter Einhaltung der Hygieneregeln möglich wären.

„Derzeit in deutlich besserem Zustand“

Sitzmann verweist unterdessen darauf, dass das Land nach dem Auszug der Tourist-Information aus der Trinkhalle Geld für die Sanierung des Gebäudes in die Hand genommen hat. So seien 2020 umfangreiche Instandhaltungsarbeiten an der Außenfassade abgeschlossen worden. Die Trinkhalle sei derzeit in einem deutlich besseren Zustand als noch vor wenigen Jahren, meint sie.

Das Gebäude mit einer etwa 90 Meter langen, offenen Wandelhalle mit 16 korinthischen Säulen und 14 Wandbildern, die Szenen aus heimischen Sagen darstellen, stammt aus dem Jahr 1842. Bis 2018 war darin die Tourist-Information der Kurstadt untergebracht. Der in dem Gebäude untergebrachte Thermalwasser-Brunnen wurde zudem viele Jahrzehnte als Trinkbrunnen genutzt.

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Erstellt:
27. Dezember 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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