Ebersteiner Forst ein Hochleistungsstandort

Gernsbach (stj) – Zur Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern gehört der Ebersteiner Forst. Der Privatwaldbesitzer hält im Gegensatz zu den Kommunen im Murgtal nicht viel vom Vertragsnaturschutz.

Geschützt durch Hohenzollern-Forst: Bäume mit Habitatstrukturen, wie hier im Ebersteiner Forst, werden entlang von (Wander-)Wegen mit einem Biotopschild gekennzeichnet. Foto: Stephan Juch

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Geschützt durch Hohenzollern-Forst: Bäume mit Habitatstrukturen, wie hier im Ebersteiner Forst, werden entlang von (Wander-)Wegen mit einem Biotopschild gekennzeichnet. Foto: Stephan Juch

Die Voraussetzungen für den sogenannten Vertragsnaturschutz sind im Murgtal sehr gut. Nicht umsonst nutzen Forbach, Weisenbach, Loffenau, Gernsbach und Gaggenau dieses neue Förderinstrument des Landes Baden-Württemberg, mit dem eine zeitweise Stilllegung von Einzelbäumen und Habitatbaumgruppen im Kommunalwald finanziell honoriert wird. Auch Privatwaldbesitzer können davon Gebrauch machen. Ein solcher ist die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, deren Waldbesitz mit dem Ebersteiner Forst in Obertsrot eine Exklave hat. Warum dort kein Vertragsnaturschutz Anwendung findet, erläutert Raimund Friderichs.

Der Leiter des fürstlichen Forstbetriebs sieht das Instrument, mit dem das Land einen starken naturschutzfachlichen Impuls für den Waldnaturschutz setzen möchte, kritisch. Zum einen sei der Vertragsnaturschutz bürokratisch überfrachtet, zum anderen sei es in der Gesamtklimabilanz oft kontraproduktiv, Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Man müsse schließlich auch berücksichtigen, dass die stoffliche oder energetische Verwertung des Holzes einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leiste, betont Friderichs im BT-Gespräch.

„Intelligenter Naturschutz, ohne unsere Erwerbsgrundlage zu schädigen“

Vor diesem Hintergrund sei es gerade im knapp 300 Hektar großen Ebersteiner Forst mit seinen hochwertigen Nadelhölzern nicht sinnvoll, Flächen stillzulegen oder Habitatgruppen aus der Nutzung zu nehmen. Dies sei nur an Grenzertragsstandorten vernünftig, also dort, wo es sehr steil ist, wo der Mensch kaum hinkommt, erläutert der Diplom-Forstingenieur und spricht dabei von „intelligentem Naturschutz“. Wertvolles Holz aus der Nutzung zu nehmen, um Habitatstrukturen zu schaffen, gehöre laut Friderichs nicht dazu. Dort, wo die Natur das macht, sei der fürstliche Forstbetrieb gerne bereit, die Bäume zu schützen und tue dies auch. „Wenn nicht die Verkehrssicherungspflicht dagegen steht, dürfen diese Bäume irgendwann einen natürlichen Tod sterben“, unterstreicht Norbert Kuhn. Der Leiter des Reviers Neckar-Donau ist seit rund 14 Jahren bei Hohenzollern-Forst tätig und seit fünf Jahren auch für die Ebersteiner Exklave verantwortlich. Er verweist darauf, dass auch in Obertsrot schützenswerte Bäume im Bestand mit einem eindeutigen Symbol dauerhaft farblich markiert und erhalten werden: „Entlang von (Wander-)Wegen machen wir das etwas öffentlichkeitswirksamer mit einem Biotopschild. Dies betrifft vor allem ältere und stärkere Bäume.“

Kuhn nennt auf BT-Anfrage einige Zahlen von der jüngsten Betriebsinventur im Ebersteiner Forst aus dem Jahr 2017. Demnach sind dort 70.134 Tonnen CO2 in Holz (tot und lebend) auf der Gesamtfläche von 287 Hektar Holzbodenfläche gespeichert (das Totholz beläuft sich auf 12.676 Vorratsfestmeter auf der Gesamtfläche, das sind 44,1 Vorratsfestmeter pro Hektar oder 17,6 Prozent der gesamten Holz-Masse). „Diese Summen kommen zusammen, weil wir Förster der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern neben der erwerbswirtschaftlichen Orientierung unseres forstlichen Handelns selbstverständlich auch den Natur- und Artenschutz ständig im Auge haben und konsequent totes Holz auf der Fläche belassen“, verdeutlicht Kuhn: „Wenn es aus Forstschutzsicht möglich ist (Stichwort Borkenkäferproblematik), bleiben absterbende Bäume stehen. Sie haben einen geringen wirtschaftlichen, jedoch zukünftig einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Ebenso werden Bäume mit Habitatstrukturen (Horste, Nester, Baumhöhlen, Risse, Rindenschuppen, Faulstellen …) belassen.“

Holz wird überwiegend zu Ökohäusern verbaut

Beim fürstlichen Forstbetrieb der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern handelt es sich um einen der größten Privatwälder (insgesamt rund 15.000 Hektar) Deutschlands, der sich weitestgehend in Baden-Württemberg (12.800 Hektar), aber auch in Bayern (2.200 Hektar im Revier Arber an der Tschechischen Grenze) befindet. Zur Unternehmensphilosophie gehört laut Leiter Raimund Friderichs der Grundsatz, sich für gesunde Wälder stark zu machen.

Natur- und Artenschutz werde überall dort betrieben, wo „wir die größten Effekte erzielen, ohne unsere Erwerbsgrundlage zu schädigen“, erläutert der Diplom-Forstingenieur: „Wir haben im Neckar- und Donautal in Steillagen insgesamt 150 Hektar Laubwald stillgelegt. Im Ebersteiner Forst hingegen nutzen wir das Holz, weil es sich hier um einen Hochleistungsstandort handelt. Das eingeschlagene Nadelholz wird überwiegend zu Ökohäusern verbaut und leistet damit zusätzlich zu unserer Stilllegung einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz, denn dieses Holz speichert langfristig CO2 und neues Holz wächst im Wald zeitgleich nach.“

Zertifizierter Exotenwald

Den Ebersteiner Forst kann man als Exotenwald bezeichnen. Denn dort finden sich neben den für den Schwarzwald typischen Bäumen unter anderem die fremdländischen Arten Mammutbaum, Lindenblättrige Birke, Große Küstentanne, Riesenlebensbaum oder Redwood. Dieser Bestand geht vor allem auf den früheren Obertsroter Ortsvorsteher Rudolf Koch zurück, der mehr als 40 Jahre lang als verantwortlicher Förster dort gewirkt hat und etwa das Arboretum initiierte. Das hat Spuren hinterlassen. Der gut gemischte Wald habe bei entsprechender Bewirtschaftung und schneller Verjüngungsentwicklung beste Voraussetzungen, um mit dem prognostizierten Klimawandel Schritt zu halten, freuen sich die heutigen Besitzer von Hohenzollern-Forst: „Wir formen hier eine neue Waldgeneration, die sich dem Klimawandel anpassen kann.“ Diese Vorgehensweise wird auch durch die Zertifizierung PEFC unterstützt. Das Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen wurde 1999 ins Leben gerufen von europäischen Waldbesitzern und Vertretern aus der Holzwirtschaft vor dem Hintergrund eines weltweiten Rückgangs der Wälder durch zum Teil nicht nachhaltige und unkontrollierte Nutzung. Vorrangiges Ziel ist die Dokumentation und Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hinblick auf ökonomische, ökologische sowie soziale Standards.

Optimal als Ausbildungsrevier

Im Ebersteiner Forst hat es zuletzt viele Personalwechsel gegeben. Das erklärt die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern damit, dass sich der kleine Wald optimal als Ausbildungsrevier eignet. Die klassische Reviergröße des Privatwaldbesitzers ist circa zehnmal so groß, erläutert Betriebsleiter Raimund Friderichs. In Obertsrot könne man junge Leute gut in die Verantwortung reinwachsen lassen, ehe sie größere Zuständigkeiten übernehmen. So waren zuletzt immer wieder mal andere Förster in der Exklave im Einsatz, die Verantwortung trägt aber schon seit fünf Jahren Norbert Kuhn.

„Hier ist die Welt noch in Ordnung“

„Im Nordschwarzwald ist die Welt noch in Ordnung.“ Das sagt Hohenzollern-Forstbetriebsleiter Friderichs im Blick auf die hiesigen Wälder und die Kollegen, die sie betreuen: „Die Nachbarn machen richtig gute Arbeit“, sei es im Gernsbacher Stadtwald, im Schlosswald, in den umliegenden Gemeindewäldern oder bei der Murgschifferschaft. Auch das Borkenkäfermanagement im Murgtal lobt der Forst-Diplomingenieur, insbesondere die Schutzzone des Nationalparks, mit der die angrenzenden Wälder geschützt werden. Das habe man im Nationalpark Bayerischer Wald, an den ein Hohenzollern-Revier (Arber) angrenzt, „viel zu lange schleifen lassen. Inzwischen ist aber auch dort Ruhe eingekehrt und das Verhältnis zwischen Nationalpark und Hohenzollern-Forst hat sich normalisiert.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
15. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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