„Echtes Aufatmen“ im Baden-Badener Einzelhandel

Baden-Baden (agdp) – Shoppen ohne 3G-Kontrollen, das ist auch in der Baden-Badener Innenstadt wieder möglich. Zwar sind die Läden wieder häufiger frequentiert, aber ein ungutes Gefühl spielt noch mit.

„Die Menschen haben noch Angst“: Mehmet Kostik hat seinen Blumenladen erst vor einer Woche neu eröffnet.  Foto: Christiane Krause-Dimmock

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„Die Menschen haben noch Angst“: Mehmet Kostik hat seinen Blumenladen erst vor einer Woche neu eröffnet. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Die Regeln fallen, die Masken nicht. Seit ein paar Tagen darf etwas entspannter geshoppt werden. Ohne Daten zu hinterlegen, ohne Eingangskontrolle dürfen Kunden wieder in die Geschäfte. „Und das haben wir bereits zu spüren bekommen, wenngleich auch erst in geringem Umfang.“ Der Wohlfühlladen von Hans-Jürgen Marx, den er mit einer Partnerin am Augustaplatz betreibt, wird wieder häufiger frequentiert, hat er festgestellt.

„Wir spüren ein echtes Aufatmen – bei den Kunden, aber auch bei uns Einzelhändlern.“ Doch das alleine genügt noch nicht, um die Situation wieder zu normalisieren. „Uns fehlen die Touristen.“ Seifen, Düfte, Gewürze, fetzige Kleider, die es etwa im Wohlfühlladen zu entdecken gibt, ziehen oftmals genau diese Klientel an. „Von Baden-Baden alleine können wir leider nicht leben“, wächst nun die Hoffnung, dass auch wieder mehr Gäste den Weg in die Stadt antreten. „Jetzt ist erst einmal die lästige Kontrollpflicht entfallen. Das war schon ein kleiner Hemmschuh.“ Kunden machten sich Gedanken um die erhobenen Daten. Auch das Personal war stets gefordert. „Also wir sind schon ganz schön froh.“

Doch wirklich groß ist der Zustrom noch nicht. Auch in der Fußgängerzone nicht, beispielsweise im Traditionshaus Piccolino. „Im Januar war gar nichts los“, räumt Inhaberin Christine Rudolff offen ein. Auch wenn jetzt nur einige wenige Kunden bei ihr auf Entdeckungstour gehen, Taschenmesser, Kuckucksuhren, Kühlschrankmagnete und allerlei Kurioses und Originelles bestaunen, sei das allemal besser als die Ruhe, die in den zurückliegenden Wochen zu verschmerzen war.

„Die Menschen haben Angst“

Aber herrscht jetzt wieder Shopping-Laune? So recht warm werden die Kunden mit den wechselnden Auflagen noch nicht. Tütenträger in der City, das waren die Ausnahmen. „Wir sind hier nur für ein paar Tage zu Besuch und schauen uns die Stadt ein wenig an“, waren Gerd Rammer und seine Partnerin Sarah mehr auf ein Plätzchen im Außenbereich aus als auf Mode und mehr.

Doch bevor es nach Hause geht, sind dann doch noch ein paar Blumen drin. Florale Angebote – besonders mit Blick auf den Valentinstag – hält Mehmet Kostik in vielen Variationen vor. „Die Blumen beziehe ich von Gärtnereien aus Gernsbach und Rastatt.“ Bis vor Kurzem noch betrieb er sein Geschäft auf dem Karlsruher Wochenmarkt. „Diesen Blumenladen in Baden-Baden haben wir erst vor einer Woche eröffnet.“ Doch selbst in dieser kurzen Zeit hat er schon sehr oft von den Kunden gehört, dass viele ihre Innenstadt-Besuche auf ein Mindestmaß reduzieren. „Die Menschen haben Angst.“

„Die Ersten wagen sich langsam heraus“: Hans-Jürgen Marx hofft im Wohlfühlladen auf bessere Zeiten. Foto: Christiane Krause-Dimmock

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„Die Ersten wagen sich langsam heraus“: Hans-Jürgen Marx hofft im Wohlfühlladen auf bessere Zeiten. Foto: Christiane Krause-Dimmock

Und das nicht ohne Grund, findet Hans-Jürgen Marx vom Wohlfühlladen. „Deshalb achten wir nach wie vor auf Hygienemaßnahmen.“ Das Desinfektionsmittel am Eingang, der Spuckschutz am Kassentresen und der Mund-/Nasenschutz – all das findet er nach wie vor wichtig. „Das dient der Sicherheit von uns allen.“ Doch trotz all der Vorsichtsmaßnahmen spüre er, dass sich viele Kunden noch unwohl fühlen. „Die Ersten wagen sich zwar langsam heraus aus ihrem Corona-Schutz-Kokon, aber für uns Kleine bedeutet das längst einen echten Überlebenskampf.“ Profitiert hätten von der Krise letztlich die Großen und die Internethändler.

Diesbezüglich gibt ihm Kundin Svenja Rieger recht. In den vergangenen beiden Jahren war auch sie oft online unterwegs, etwa beim Ordern der Weihnachtsgeschenke. „Man gewöhnt sich sehr schnell daran.“ Doch irgendwann fehle etwas. „Die Haptik bleibt auf der Strecke.“ Und Angebote, wie sie die kleinen inhabergeführten Geschäfte machen, die sind oftmals so individuell und kreativ, dass man sie einfach vor Ort anschauen und ausprobieren mag.

Ihr Autor

Christiane Krause-Dimmock

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Erstellt:
13. Februar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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