Edeka-Fleischwerk: Ende für Werkverträge

Rheinstetten/Offenburg (sj/mak) – Edeka Südwest: Der Offenburger Lebensmittelkonzern will Werkvertragsverhältnisse im eigenen Fleischwerk in Rheinstetten beenden.

m Fleischwerk Rheinstetten traten bei Fremdfirmen jetzt erstmals zwei Corona-Fälle auf. Foto: Jehle

© STEFAN JEHLE

m Fleischwerk Rheinstetten traten bei Fremdfirmen jetzt erstmals zwei Corona-Fälle auf. Foto: Jehle

Der Lebensmittelkonzern Edeka Südwest betreibt in Rheinstetten südlich von Karlsruhe den größten Einzelstandort eines Fleischwerks in Baden-Württemberg – und will bislang bestehende Werkvertragsverhältnisse bis Jahresende beenden. Vorige Woche hatte ein Sprecher von Edeka Südwest die Beschäftigung von rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über Subunternehmer bestätigt (wir berichteten). Dem Landratsamt Karlsruhe zufolge traten jetzt in dem Betrieb erstmals zwei Corona-Fälle auf.

Wohnverhältnisse im Fokus

In den Fokus geraten waren zuletzt vor allem die Wohnverhältnisse der im Fleischwerk tätigen Arbeitnehmer, die im Werkvertragsverhältnis dort tätig sind: diese stammen BT-Recherchen zufolge insbesondere aus Polen, Ungarn und Rumänien. Laut den Angaben von Andreas Augustin, dem Bürgermeister der südlich gelegenen Nachbargemeinde Durmersheim, sind die Beschäftigten offenbar unter anderem in rund 20 Wohngebäuden seiner Gemeinde untergebracht. Und das bei recht beengten Platzverhältnissen: Allein bei einem der Gebäude, einem Doppelhaus im Ortsteil Würmersheim, prangen 31 Namen am Briefkasten.

Bis zum Jahresende will Edeka Südwest die Werkverträge nun komplett abschaffen. Damit will das Unternehmen dem von der Bundesregierung geplanten gesetzlichen Verbot solcher Arbeitsverhältnisse in Schlachtbetrieben offenbar zeitlich zuvorkommen. Mit zwei entsprechenden Subunternehmen arbeitet Edeka aktuell im sogenannten „Kerngeschäft“ zusammen. Laut einem Sprecher von Edeka Südwest in Offenburg leben diese, wie er es nennt, überwiegend in „Wohngemeinschaften“. Eine Anfrage, ob die aus dem Osten Europas stammenden Mitarbeiter ein Angebot zur Festanstellung erhalten werden, ließ Edeka zunächst unbeantwortet. Die Werksleitung rechnete laut eigenen Aussagen von Anfang der Woche mit Mehrkosten in Millionenhöhe. Auch von einer möglichen Unterbringung in Werkswohnungen war jetzt die Rede.

Nachdem in Rheinstetten Mitte Juni erstmals zwei Corona-Fälle auftraten – laut den Angaben bei Monteuren, die im Werk arbeiteten – hatte das Gesundheitsamt des Landkreises Karlsruhe in den vergangenen Tagen einen stichprobenartigen und „Anlass bezogenen“ Massentest durchführen lassen. Die Proben bei mehr als 100 Mitarbeitern des Fleischwerks waren demzufolge „bislang alle negativ“, teilte das Landratsamt mit. Einen Massentest „auf Verdacht“ hatte die Kreisbehörde zuvor ausgeschlossen. Edeka beschäftigt in Rheinstetten derzeit insgesamt etwa 1400 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz des Betriebs liegt bei rund 800 Millionen Euro.

Auch das seit Mai im öffentlichen Fokus stehende Unternehmen Müller-Fleisch mit Hauptsitz im Pforzheimer Stadtteil Birkenfeld will künftig auf Werkvertragsarbeiter verzichten. Geschäftsführer Martin Müller, der auch Vorstandsmitglied im Verband der Fleischwirtschaft Deutschland ist, hatte das am Wochenende angekündigt. Müller-Fleisch beschäftigt in Birkenfeld etwa 1100 Mitarbeiter, und an einem weiteren Standort in Ulm rund 170 Menschen. Bei Müller in Birkenfeld waren im Mai etwa 400 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden. Ein weiterer Massentest Mitte Juni ergab keine neuen Virus-Fälle. Müller unterhält auch Lieferbeziehungen zum Edeka-Fleischwerk in Rheinstetten.

Wohnungen von Arbeitern überprüft

„Entsprechen die Wohnungen in Durmersheim, in denen Mitarbeiter des Fleischwerks Rheinstetten wohnen, den Vorgaben der Bauordnung?“, wollte CDU-Fraktionssprecher Andreas Merkel am Dienstag in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses des Kreistags von der Kreisverwaltung wissen. „Wir haben heute eine Unterkunft mit 20 Betten kontrolliert“, berichtete Landrat-Stellvertreter Dr. Jörg Peter. Die Räumlichkeiten seien „durchschnittlich gepflegt“, es gebe maximal drei Betten pro Zimmer. Einige Rauchmelder seien defekt gewesen, teilweise waren die Fluchtwege zugestellt. Allerdings hatte der Vermieter der Räume erst ab Oktober so viele Personen als Mieter beantragt: „Da werden wir ein saftiges Bußgeld verhängen“, verdeutlichte Peter. Bezüglich der Unterkünfte von Fleischwerk-Mitarbeitern habe das Landratsamt eine Liste, die abgearbeitet werde. „Werden die Kontrollen auch auf die Unterkünfte von Erntehelfern ausgeweitet?“, wollte FW-Fraktionsvorsitzender Karsten Mußler wissen. Betriebswohnungen oder Container für Erntehelfer werden laut Peter dann überprüft, wenn es entsprechende Hinweise gebe. Manuel Hummel von der Grünen-Fraktion zeigte sich skeptisch, ob bei den Transporten von Erntehelfern von einem Feld zum nächsten die vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden.

Zum Artikel

Erstellt:
1. Juli 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.