Eduard Panaset ist neuer Digitalbeauftragter in Bühl

Bühl (BNN) – Nach fast einem Jahr Vakanz hat die Digit-Abteilung im Bühler Rathaus einen neuen Leiter: Bis 2025 will Eduard Panaset das Rathaus digital auf den neuesten Stand bringen.

Die digitale Zukunft der Stadtverwaltung im Blick: Bürgermeister Wolfgang Jokerst und Fachbereichsleiter Daniel Bauer (von links, stehend) mit dem neuen Digitalisierungsbeauftragen Eduard Panaset. Foto: Wilfried Lienhard

Die digitale Zukunft der Stadtverwaltung im Blick: Bürgermeister Wolfgang Jokerst und Fachbereichsleiter Daniel Bauer (von links, stehend) mit dem neuen Digitalisierungsbeauftragen Eduard Panaset. Foto: Wilfried Lienhard

Es hatte Gründe, dass die Stelle des Digitalbeauftragten der Bühler Stadtverwaltung zuletzt ein Dreivierteljahr unbesetzt blieb. Mit der Corona-Pandemie hatte es ausnahmsweise nichts zu tun: Der Personalmarkt ist leer gefegt, qualifizierte Kräfte sind gefragt, aber sehr rar – und die Stadt wollte eine passgenaue Lösung finden. Diese sieht sie in Eduard Panaset aus Gaggenau, der jetzt die Stelle des Abteilungsleiters Digit angetreten hat.

Der 46-jährige Fachinformatiker Systemintegration bringt Erfahrungen aus der freien Wirtschaft mit. Er arbeitete als Systemtechniker in einem Systemhaus und seit 2008 in einem mittelständischen Industrieunternehmen mit etwa 200 Mitarbeitern, wo er die IT-Gesamtverantwortung trug. Er baute dort die Abteilung auf und begleitete diverse Prozesse.

Stadt geht unter die Headhunter

Ein Wechsel von der Industrie in die öffentliche Verwaltung ist ungewöhnlich, gerade wenn es an Fachkräften mangelt. Ebenso außergewöhnlich ist es, dass die Stadtverwaltung auf eine Ausschreibung der Stelle verzichtet und eine externe Personalberatungsfirma eingeschaltet hat, neudeutsch: Sie ist unter die Headhunter gegangen. Nachdem die Stelle eines Projektmanagers Digitales Rathaus drei Mal erfolglos ausgeschrieben worden sei, so Daniel Bauer, der Fachbereichsleiter Finanzen/Beteiligungen/Liegenschaften, habe man die direkte Ansprache gewählt: „Auf dem herkömmlichen Weg wäre es äußerst schwierig geworden.“

Panaset wurde zu Gesprächen eingeladen, die er als gut bezeichnet. „Ich kann hier entwickeln und mitgestalten“, sagt er. Das ist auch der Punkt, mit dem die Stadt argumentieren könne, meint Bauer, beim Geld könne sie mit der freien Wirtschaft nicht mithalten. Das sei für ihn auch „nicht ausschlaggebend“ gewesen. Er habe in den vergangenen zwei Jahren zunehmend den Wunsch gespürt, etwas Neues kennenzulernen, und das mache dieser Schritt möglich. Dass die öffentliche Hand in Sachen Digitalisierung gegenüber der Wirtschaft im Rückstand ist, sieht Panaset nicht als Problem an: „Die Stadt ist von den Leuten und der Technik her gut aufgestellt.“ Und auch die Wirtschaft habe dazulernen müssen und tue es noch. Deshalb sieht er in seinem Wechsel bildlich gesprochen auch keinen Umstieg vom Sportwagen auf die Familienkutsche, „ich habe nur das Modell gewechselt“.

Stadt setzt sich ambitionierte Ziele

Es sei auch nicht so, dass bislang nichts getan worden sei, erinnert Bauer an die rasche Einführung des Mobilen Arbeitens und der bundesweit beachteten Kommunikationsform „Palim! Palim“ zu Beginn der Pandemie: „Wir können IT. Aber wir müssen das Tempo erhöhen.“ Bürgermeister Wolfgang Jokerst nennt den Kassenbereich, in dem die Automatisierung teilweise schon eingeführt sei: „Wir stehen nicht bei Null.“ Dennoch sei die Wegstrecke noch lang. Das Online-Zugangsgesetz verpflichtet die Kommunen, Verwaltungsleistungen auch digital anzubieten (Bauanträge sind seit Jahresbeginn nur noch auf diesem Weg möglich): „Davon sind wir noch relativ weit entfernt“, räumt Jokerst ein. Der Nachholbedarf sei offensichtlich, „aber wir sind gar nicht so weit hinter anderen Kommunen“. Die lange Karenzzeit bei der Stelle des Digitalbeauftragte habe einen Rückschlag bedeutet. Grundsätzlich sei der Digitalisierungsstand der öffentlichen Verwaltung ein Manko, „da können wir uns nicht davon ausnehmen“, sagt Jokerst. Zu lange habe man das Thema wohl als Nebensächlichkeit begriffen und auf sich zukommen lassen, „jetzt aber wollen wir aktiv mitbestimmen.“

Das bedeute ein ganzes Bündel an Aufgaben. Am Ende des Jahres 2025 solle das digitale Rathaus auf einem adäquaten Stand angekommen sein. „Das ist ein ambitioniertes Ziel und kein Selbstläufer“, sagt Jokerst. „Es braucht Strategie und Planung.“ Panaset werde diesen Prozess steuern, an dessen Ende die Arbeitsprozesse durchgängig digital und flexibel gehalten sein sollen. Jokerst warnt aber vor verfrühten Erwartungen: „Wir müssen die digitale Dividende überbrücken.“ Bevor diese auf die Personalkosten einzahle, müsse investiert werden, in Sachkosten, aber auch ins Personal. „Wir haben während der Corona-Pandemie bemerkt, dass wir nachlegen müssen“, ergänzt Bauer. Aktuell laufe gemeinsam mit der Gemeindeprüfanstalt ein Organisationsgutachten, von dem Aufschlüsse erwartet würden, wie die derzeit mit sechs Personen besetzte Abteilung Digit künftig aufzustellen sei.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Wilfried Lienhard

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Erstellt:
23. Februar 2022, 09:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 11sec

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