„Egal welches Szenario – es wird Verlierer geben“

Baden-Baden (rap) – Die Corona-Krise wirbelt die Sportwelt weiter kräftig durcheinander – auch in Mittelbaden. Wie schätzen die Fußballtrainer Mittelbadens die derzeitige Situation ein?

Ottersweiers Spielertrainer Christian Coratella (rechts) schätzt die Chancen als ziemlich gering ein, dass die Saison fortgesetzt wird. Foto: Seiter/Archiv

© Toto

Ottersweiers Spielertrainer Christian Coratella (rechts) schätzt die Chancen als ziemlich gering ein, dass die Saison fortgesetzt wird. Foto: Seiter/Archiv

Die Corona-Krise wirbelt die Sportwelt weiter kräftig durcheinander – auch in Mittelbaden. Die Tischtennis-Saison wurde abgebrochen und mit dem Stand vor der coronabedingten Pause gewertet, was für Gesprächsstoff sorgte, da etliche Mannschaften zu diesem Zeitpunkt weniger Spiele als andere ausgetragen hatten. Auch die Handballer der Region werden – zumindest in dieser Saison – nicht mehr auf die Platte zurückkehren. Die Runde wurde abgebrochen, es gibt keine Absteiger, aber Aufsteiger. Und König Fußball? Der hat die Spielpause bis auf Weiteres verlängert. Eine Entscheidung steht noch aus. Wie schätzen die Fußballtrainer Mittelbadens die derzeitige Situation ein? BT-Redakteur Christian Rapp ist auf Stimmenfang gegangen.

Matthias Frieböse (Trainer des Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim, sechster Platz): „Ich habe das Gefühl, dass die Runde nicht mehr weitergespielt wird. Natürlich ist es keine einfache Situation für den Verband, es gibt etliche Möglichkeiten beziehungsweise Szenarien. Die Runde bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen, halte ich für fast unmöglich. Die englischen Wochen, mit Auswärtsfahrten, die zwei, drei Stunden dauern, sind nicht zu stemmen. Aufsteiger während der Runde zu bestimmen, halte ich den Zweit- und Drittplatzierten gegenüber für nicht fair. Daher kommt meiner Meinung nach nur eine Annullierung in Betracht.“

Johannes Hurle (Coach des Verbandsligisten SV Bühlertal, zehnter Rang): „Der Fußball ist sicherlich die populistischste Sportart in Deutschland, über die am meisten diskutiert wird. Dennoch sollte der Fußball keinen Sonderstellenwert geben, sondern sich in der derzeitigen Situation wie die anderen Sportarten hinten anstellen. Ich bin sehr vorsichtig mit irgendwelchen Szenarien. Im Vordergrund steht die Gesundheit der Menschen, viele kämpfen mit den wirtschaftlichen Folgen der Krise, da sollte der Fußball in den Hintergrund treten, auch wenn mir das Training mit den Jungs und die Spiele natürlich fehlen. Ich kann den Verband schon verstehen, dass er die Entscheidung hinauszögert, schließlich geht es auch um Existenzen, viele Vereine haben kräftig investiert, um erfolgreich zu sein. Fakt ist, egal für welches Szenario sich der Verband entscheidet – es wird Verlierer geben. In so einer Ausnahmesituation kann man es nicht jedem Verein recht machen. Ich kann es mir nur schwer vorstellen, dass die Runde zu Ende gespielt wird. Wir als SVB können der Entscheidung mit einem relativ ruhigen Gewissen entgegensehen, da wir über dem Strich stehen. Letztlich sollte die Runde annulliert und keine Titel vergeben werden.“

Patrick Anstett (Trainer des Verbandsligisten 1. SV Mörsch, 16. Platz): „Ich denke, dass es auf einen kompletten Abbruch hinausläuft, da man, gerade in den höheren Ligen die vielen englischen Wochen nicht umgesetzt bekommen kann. Auch gesundheitlich wäre eine Fortsetzung fragwürdig. In der Bundesliga kann man durch die vielen Tests das Risiko einer Ansteckung noch minimieren, im Amateurbereich ist dies nicht möglich. Die fairste Lösung wäre eine Annullierung, so als hätte es die Saison nie gegeben.“

Christian Coratella (Spielertrainer des Landesligisten FV Ottersweier, 14. Platz): „Die Chancen sind ziemlich gering, dass die Saison fortgesetzt wird. Eine Annullierung halte ich für die beste Lösung. Natürlich ist es für die jeweiligen Spitzenreiter, wie etwa den SC Durbachtal bei uns in der Landesliga oder den SV Ulm in der Bezirksliga, ärgerlich. Die spielen eine super Runde und steigen womöglich nicht auf. So eine Situation hatten wir noch nie, zum Glück muss ich nicht entscheiden (lacht). Vielleicht steigt auch der Erstplatzierte auf und der Letzte ab oder die Ligen werden nur mit den vermeintlichen Meistern aufgestockt. Hauptsache, es gibt bald eine Entscheidung.“

Armin Karamehmedovic (Spielertrainer des A-Ligisten VFB Gaggenau, erster Platz): „Ich hoffe, dass die Runde fortgesetzt wird, glaube es aber nicht. Wir sind Amateure, jeder Verein hat viele Schichtarbeiter in seinen Reihen, da sind die englischen Wochen, die dann notwendig wären, nicht wirklich durchzuziehen. In unserer Lage als Spitzenreiter wäre natürlich das Handball-Szenario, dass der Erste aufsteigt, die schönste Lösung, keine Frage. Bei fünf Punkten Vorsprung wäre es auch verdient. Aber auch eine Annullierung ist sicherlich möglich, was für uns bitter wäre.“

Angelo Marotta (Coach des A-Kreisligisten FC Obertsrot, zweiter Rang): „Ich glaube nicht, dass die Runde bis zum 30. Juni fertiggespielt werden kann. Eine Verlängerung darüber hinaus wird schwierig, da man dann Probleme mit der neuen Runde bekommt. Sollte sich der SBFV für das Handball-Szenario entscheiden und es in der A Nord zwei Aufsteiger geben, würden wir uns darüber natürlich freuen und die Herausforderung Bezirksliga annehmen. Es ist aber schlecht einzuschätzen, was der Verband entscheiden wird. Es kann auch alles auf Null gesetzt werden, dann könnte ich mir aber auch vorstellen, dass manche Vereine auf die Barrikaden gehen. Ich denke, dass es eine deutschlandweite Entscheidung geben wird. Der FCO wird jedenfalls alle möglichen Szenarien respektieren. Wichtig ist aber, dass es bald eine Entscheidung gibt, da die Planungen und Gespräche mit Spielern für die kommende Runde in vollem Gange sind. Mit einer Entscheidung, egal was es für eine sein wird, hätte man zumindest wieder Planungssicherheit.“

Zum Artikel

Erstellt:
8. April 2020, 09:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 35sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.