Ehrenamtliche für Volkszählung gesucht

Baden-Baden (BNN) – Sie werden gebraucht, sind aber offenbar nicht so leicht zu finden: Die Stadt Baden-Baden sucht rund 70 Helfer für die Volkszählung im Mai.

Baden-Baden aus der Vogelperspektive: Beim Zensus werden Daten zur Bevölkerungszahl und zu Gebäuden erhoben. Foto: Bernd Kamleitner

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Baden-Baden aus der Vogelperspektive: Beim Zensus werden Daten zur Bevölkerungszahl und zu Gebäuden erhoben. Foto: Bernd Kamleitner

Nicht alle Jahre, sondern alle zehn Jahre wieder: Das ist der Rhythmus der Volkszählung, mit der die Europäische Union Daten der Bevölkerung zu den Bereichen Wohnen und Arbeiten erhebt. Auch in Baden-Baden werden im Mai 2022 Ehrenamtliche im Einsatz sein. Im Beamtendeutsch werden sie als Erhebungsbeauftragte bezeichnet. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2011 waren in Baden-Baden noch 90 Ehrenamtliche im Dienste der Volkszählung unterwegs. Heuer werden nach Angaben der Stadtverwaltung weniger gebraucht. Kalkuliert wird derzeit mit 60 bis 70 Helfern. Sie werden für Befragungen in Haushalten und in sogenannten Sonderbereichen eingesetzt. Gemeint sind Wohnheime für Senioren und Studenten sowie Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte. Die Befragten, so Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU), werden per Zufallsgenerator vom Statistischen Landesamt ermittelt und angeschrieben.

Manche Erhebungsbeauftragten werden auch mit Sonderaufgaben betraut: Wenn das Statistische Landesamt bei der anstehenden Gebäude- und Wohnungszählung Unterstützung braucht, weil Antworten ausfallen, müssen die Helfer in der Bäderstadt Gebäude selbst in Augenschein nehmen und die Bewohner befragen.

Großer Aufwand, hohe Kosten

Alle Zensus-Helfer werden ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausüben. Basis ist ein Gesetz, schließlich muss alles irgendwie geregelt sein. Hier ist es das „Gesetz zur Durchführung des Zensus im Jahr 2022“ vom 26. November 2019. Die Vorgaben füllen 16 Din-A-4-Seiten. Darin geht es auch um die Aufwandsentschädigung für die Helfer, die wiederum von der jeweiligen Stadt oder dem Kreis festgelegt werden muss.

Aus diesem Grund wurde das Thema auch zu einem Tagesordnungspunkt in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Baden-Baden. Der Stadtkreis kalkuliert mit Zensus-Kosten in Höhe von 137.700 Euro. Bei erwarteten Erträgen von 104.500 Euro bleiben nach Adam Riese 33.200 Euro bei der Bäderstadt hängen. Das entspricht immerhin dem Wert eines Mittelklassewagens.

Die Erhebungsbeauftragten können demnach mit einer Pauschale in Höhe von 90 Euro für die Teilnahme an einer Schulung und für Fahrt- und Telefonkosten rechnen. Die weiteren Entschädigung setzt sich aus Beträgen zwischen einem und fünf Euro für bestimmte Tätigkeiten zusammen. Empfehlungen für diese Vergütungsbausteine mit Mindest- und Höchstbeträgen hatte das Statistische Landesamt in Abstimmung mit dem baden-württembergischen Finanzministerium ausgesprochen. Sofern Mitarbeiter der Stadtverwaltung bei der Volkszählung beteiligt sind, kommen sie in den Genuss eines Bonbons in Form eines dienstfreien Tags – „als Anerkennung ihres Dienstes für die Allgemeinheit“, heißt es dazu in einer Vorlage zur Information der Gemeinderatsmitglieder. Helfer stehen für diese Aufgabe aber offenbar keineswegs Schlange. „Es ist schwer, überhaupt Leute für die Befragungen zu finden“, erläutert Mergen.

Eigentlich sollte die Erhebung der Daten schon im vergangenen Jahr stattfinden. Doch im Mai gab es andere Sorgen: Schon damals war das öffentliche Leben eingeschränkt – wegen Corona. Die Pandemie war schließlich der Auslöser für die Verschiebung der groß angelegten Datenerhebung um ein Jahr. „Ab Mai sind die Verhältnisse hoffentlich moderater“, hofft Mergen auf einen erfolgreichen neuen Anlauf. „Die Zahlen sind wichtig“, betont die Rathaus-Chefin. Ergebnisse des Zensus sind Grundlage für den Finanzausgleich. Bei der Erhebung vor elf Jahren war es unter dem Strich zu großen Verschiebungen gekommen – unter anderem wurden in Stadtkreisen weniger Einwohner registriert.

Basis für künftige Planungen

Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf Angaben zur Bevölkerungszahl und zur Anzahl von Wohnungen. Um eine verlässliche Basis für künftige Planungen zu haben, werden in bestimmten Abständen Volkszählungen in Auftrag gegeben. Hierfür werden vor allem Daten aus Verwaltungsregistern genutzt. Der Zensus 2022 gilt als sogenannte registergestützte Bevölkerungszählung, die durch eine Stichprobe ergänzt und mit einer Gebäude- und Wohnungszählung kombiniert wird. Baden-Badens FDP-Gemeinderat Rolf Pilarski wundert sich über diesen hohen Aufwand. In Deutschland würden doch in zahlreichen Meldesystemen Daten erhoben, etwa bei den örtlichen Finanzämtern. Mergen verwies in ihrer Antwort auf Datenschutzbestimmungen, die in vielen Bereichen einen Datenaustausch verhinderten.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
27. Dezember 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 08sec

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