Eigenanteil bei Pflegeheimkosten steigt immer mehr an

Stuttgart/Baden-Baden (for) – Eine BT-Leserin klagt über den steigenden Eigenanteil bei Pflegeheimkosten. Bis 2022 müssen Betroffene rund 3.000 Euro aufbringen.

Pflegebedürftige, die im Heim untergebracht sind, müssen immer tiefer in die Tasche greifen. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

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Pflegebedürftige, die im Heim untergebracht sind, müssen immer tiefer in die Tasche greifen. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Wer in einem Pflegeheim lebt, muss dafür immer tiefer in die Tasche greifen: Im bundesweiten Schnitt stiegen die selbst zu zahlenden Anteile weiter auf 2.068 Euro pro Monat, wie aus Daten des Verbands der Ersatzkassen mit Stand 1. Januar hervorgeht. Besonders hoch ist der Eigenanteil für die reine Pflege in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 1.121 Euro pro Monat. Und die Kosten könnten laut dem Klinikum Mittelbaden (KMB) noch weiter ansteigen.

„Die Rente ist nahezu aufgezehrt“

Eine BT-Leserin, die anonym bleiben möchte, blickt mit Sorge auf diese Entwicklung. Ihr Vater sei seit Mitte Januar in einem Pflegeheim des KMB untergebracht. „Für meine über 80 Jahre alte Mutter, die noch alleine zu Hause leben kann und mit der Rente meines Vaters und ihrer kleinen Rente bislang einigermaßen über die Runden kam, bleibt nun fast nichts mehr zum Leben übrig. Die Rente ist nahezu aufgezehrt“, berichtet die Leserin.

Ihren Schilderungen zufolge habe sie sich vor der Anmeldung ihres Vaters Anfang Januar auf der Webseite des Pflegeheims über die Pflegekostentarife informiert. „Allerdings waren dort noch die alten Kosten aufgeführt. Demnach hätten wir für meinen Vater mit Pflegegrad 4 eine Eigenbeteiligung in Höhe von 2.460,68 Euro pro Monat zahlen müssen.“ Als dann jedoch der endgültige Vertrag vorlag, sei ihre Familie „geschockt“ gewesen. „Erst da haben wir dann erfahren, dass der Eigenanteil für die Unterbringung unseres Vaters zum 1. Januar 2021 auf 2.824,81 Euro angestiegen ist.“ Auf der Homepage des Pflegeheims seien die neuen Tarife allerdings erst Anfang Februar ersichtlich gewesen. „Rund 2.400 Euro im Monat sind schon ein Wort, aber 2.860 Euro muss man als Rentner erst einmal aufbringen“, betont die Leserin.

Heimentgelt besteht aus mehreren Komponenten

Marion Gärtner, Leiterin des Hauses Lichtental Schafberg, einem Pflegeheim des KMB, kann die Erhöhung der Pflegekostentarife in ihrer Einrichtung bestätigen. „Wir möchten aber darauf hinweisen, dass das Heimentgelt insgesamt aus mehreren Komponenten besteht, die mit unterschiedlichen Kostenträgern verhandelt und nicht einfach von der Einrichtung festgelegt werden“, erklärt sie auf BT-Nachfrage.

So würde das Entgelt für Pflege und Betreuung zum einen mit den Pflegekassen in regelmäßigen Abständen verhandelt, wenn etwa Personal- und/oder Sachkosten gestiegen sind. Gleiches geschehe mit dem Anteil für Unterbringung und Verpflegung (Instandhaltung, Reinigung, Essen). Eine weitere Komponente sei die Ausbildungsumlage, die jährlich vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) festgelegt wird. Die jeweilige Einrichtung habe darauf keinen Einfluss.

Verhandlungen mit den Pflegekassen

Letzte Komponente sei schließlich noch der Investitionskostenanteil. Dieser beinhaltet die Kosten für das Haus selbst und wird mit dem KVJS in der Regel einmalig nach einem Neubau oder nach einem umfassenden Umbau verhandelt. „Dies traf eben auch für den Schafberg zu, der nach knapp zweijähriger Bauzeit im September 2020 neu eröffnet wurde“, merkt Gärtner an. So stieg der Eigenanteil im Pflegeheim Schafberg nach dem Rückumzug in die renovierte Einrichtung am 16. September 2020 zunächst von rund 2.461 Euro auf 2.687 Euro.

„Parallel fanden im Herbst 2020 wieder die regelmäßigen Pflegesatzverhandlungen für alle Pflegeeinrichtungen des KMB mit den Pflegekassen statt, die erstmal drei Entwicklungsstufen enthielten: Zum 1. Dezember 2020, zum 1. März 2021 sowie zum 1. März 2022.“ Nun stellt sich jedoch die Frage, warum es dann schon am 1. Januar zu einer Steigerung des Eigenanteils kam. „Das hängt nicht mit den Pflegesatzverhandlungen zusammen, sondern liegt an der landeseinheitlichen Ausbildungsumlage, die zum 1. Januar auf 3,09 Euro pro Tag festgesetzt wurde“, klärt Gärtner auf.

Kritik an der Politik

„Dies hatte die Folge, dass der monatliche Eigenanteil für den Pflegegrad zwei bis fünf auf rund 2.825 gestiegen ist.“ Dabei wird es aber nicht bleiben, weil die mit den Pflegekassen vereinbarten Entwicklungsstufen weiter gelten. Damit werde sich der Eigenanteil laut Gärtner zum 1. März 2021 noch einmal auf 2.835 Euro und schließlich zum 1. März 2022 auf 2.913 Euro erhöhen. Für Heimbewohner mit Pflegegrad eins sind die Kosten entsprechend noch höher.

Die betroffene BT-Leserin kann nachvollziehen, dass die Heime die Leistungen der Pflegekräfte durch Lohnsteigerung anheben oder in ihre Einrichtungen investieren müssen und „dass die dadurch entstehenden Kosten nicht alleine vom Staat getragen werden können“. Dennoch kritisiert sie die Bundesregierung: „Sie nimmt in Kauf, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderklafft.“


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