Ein Aktivposten für Michelbach

Gaggenau (tom) – Die Michelbacher Fasent und vieles mehr im Fachwerkdorf wären ohne ihn nicht denkbar: Jürgen Schäfer wird am 28. September siebzig Jahre alt.

Alt-Stadtrat und „Oberschäger“ Jürgen Schäfer feiert seinen 70. Geburtstag. Foto: Thomas Senger

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Alt-Stadtrat und „Oberschäger“ Jürgen Schäfer feiert seinen 70. Geburtstag. Foto: Thomas Senger

Wer Jürgen Schäfer kennt, der weiß: umtriebiges Unikum, Vereinsmensch, Alt-Stadtrat, Fastnachter, KSC-Verrückter, Witzeerzähler und nie um einen Spruch verlegen. Und zuallererst ein „Michelbocher“, auch wenn er mit Ehefrau Inge mittlerweile in Gaggenau wohnt. Wer ihn etwas näher kennt, der weiß zu schätzen: Jürgen Schäfer ist ein Mensch, der aufmerksam registriert, was um ihn herum passiert, sich viele Gedanken macht, der gewiss nicht leichtfertig spricht und handelt. Am heutigen 28. September wird er 70 Jahre alt.

Wer kann schon von sich behaupten, dass ihn seine Oma auf die Welt gebracht hat? Jürgen Schäfer grinst, wenn er die G’schicht‘ erzählt: Denn Oma Helena Rieger war Hebamme, und Jürgen war ihre letzte Hausgeburt in Michelbach. „Warum sie dann aufgehört hat, das weiß nur sie“, sagt Jürgen Schäfer, „ich war keine schwere Geburt!“

Als Vereinsmensch wurde er geboren. Zum Fußball kam er erst nach dem Bund, und nach drei Runden wollte das Knie nicht mehr. „Ich war ja so schlank, da haben die Knochen gekleppert“, versichert er – wohl wissend, dass man das heute schier nicht glauben will. Die Liebe zum Fußball hat er mit seiner Liebe fürs Leben, Inge, intensiv gelebt: In den Siebzigerjahren haben die beiden zwei Bundesliga-Runden lang jedes (!) KSC-Spiel besucht, auch auswärts. „Nach Nürnberg, dort 2:1 verloren, dann noch einen Strafzettel wegen abgefahrener Reifen.“ Wenn Jürgen das so trocken erzählt, dann muss man einfach lachen.

„Lachen ist gesund“

1976 ist das Ehepaar Schäfer in die Volkstanzgruppe der Naturfreunde eingetreten. Lange in verantwortlicher Funktion war er bei den Naturfreunden – bis der „Fasebutz“ in ihm erwachte. Erst bei Kappenabenden und Kindergartenfasent. „Da war so unglaublich viel Potenzial im Dorf“ – 1994 schließlich haben er, Kurt Lorch und Kurt Holfelder den Fasentverein „Die Schäger“ „angeschuggt“: 46 Gründungsmitglieder waren es – zunächst. Denn bis das Dorffest vorbei war, stieg deren Zahl auf rund 120. „Ein Fasentprogramm mit lauter Michelbachern“, darauf ist er stolz und vergisst nicht die unterstützenden Gastvereine, zum Beispiel den Fanfarenzug der Grokage Gaggenau.

Als Büttenredner mit seinem Freund Eugen Weber hat er viele Menschen zum herzlichen Lachen gebracht – nicht nur in Michelbach. Bei den Schägern war er Sitzungspräsident, ehe er 2017 aus gesundheitlichen Gründen davon Abstand nehmen musste. Seither hat er einige Krankheits-Päckchen zu schultern.

Zehn Dorffeste, also 20 Jahre lang, war er zuständig für Festzug und Bühnenprogramm.

In seinem Beruf als Gerichtsvollzieher war ihm nicht immer zum Scherzen zumute. 36 Jahre, davon 34 am Amtsgericht Ettlingen: Da sieht man viel von dem, was nicht so jeden Tag in der Zeitung steht. Wie schafft man diesen Beruf? „Ich habe einen Schuldner immer so behandelt, dass ich mir sicher war: Falls ich beim Rausgehen die Treppe runterfalle, hilft er mir wieder auf“, erinnert sich Jürgen Schäfer – und er schmunzelt dabei nicht.

1998, als Gerhard Schröder Kanzler wurde, ist das heutige Geburtstagskind in die SPD eingetreten. Als Nachrücker kam er 2001 in den Gemeinderat. 2005 wurde er auch in den Ortschaftsrat gewählt. Fünf Jahre stellvertretender Michelbacher Ortsvorsteher stehen ebenfalls in der Vita – „eine riesige politische Verantwortung“, grinst Jürgen Schäfer.

„Ich bin ein Mensch, der gerne gute Laune um sich hat. Lachen ist gesund; da war ich einer der besten Doktoren“, sagt er über sich selbst. Auch wenn seine Bühnenauftritte nun Vergangenheit sein sollen: „Die Nähe zum Publikum ist mir wichtig, deshalb bin ich auch so gerne bei den närrischen Ratssitzungen aufgetreten.“

Einen Überblick über die fastnachtlich-närrischen Kommunalpolitiker der Großen Kreisstadt finden Sie hier.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
28. September 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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