Ein „Brophet“ aus Rastatt

Rastatt (dm) – Über Tiktok hat ein junger Rastatter die Buch-Charts aufgemischt und den zehn Jahre alten „Bro Code“ wieder in die Bestsellerliste katapultiert. Nun folgt eine eigene Veröffentlichung.

„Brophet“ Jakob Petri mit dem „Bro Code“ und seinem Büchlein zum Ausfüllen. Auf Tiktok zählt sein Kanal aktuell rund 68.000 Follower. Foto: privat

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„Brophet“ Jakob Petri mit dem „Bro Code“ und seinem Büchlein zum Ausfüllen. Auf Tiktok zählt sein Kanal aktuell rund 68.000 Follower. Foto: privat

Als Autor sieht sich Jakob Petri nicht, als Influencer eigentlich auch nicht. Trotzdem ist der 21-jährige Rastatter nun irgendwie beides: Auf der Social-Media-Plattform Tiktok zählt er rund 68.000 Follower, seine Clips erreichen dort bis zu 900.000 Clicks. Er widmet sich darin dem „Bro Code“, einem Buch, das vor zehn Jahren veröffentlicht wurde – und weckt dadurch neue Aufmerksamkeit. Prompt kletterte der Code diesen Januar auf Platz eins der deutschen Börsenblatt-Bestsellerliste. Als Folge davon ist nun ein eigenes Büchlein mit dem Rastatter erschienen.

Klingt verrückt – und kam für alle Seiten völlig unerwartet, wie Jakob Petri und Julian Nebel vom „betroffenen“ Riva-Verlag aus München feststellen.

Die Geschichte beginnt mit der amerikanischen TV-Comedy-Serie „How I Met Your Mother“, die erstmals 2008 bis 2014 in Deutschland läuft. Eine Figur darin ist „Frauenheld“ Barney Stinson, der nach dem sogenannten Bro Code lebt. Ein Bro (kurz für Brother, also Bruder) ist ein Kumpel, ein Freund, mit man durch dick und dünn geht. Der Code umfasst entsprechende „Verhaltensregeln“. Er erscheint 2010, gestützt auf die Serie und die Figur des Barney, im Riva-Verlag als Taschenbuch. Jakob Petri ist damals gerade zehn. Gleichwohl: Er kennt die Serie und damit auch den Running Gag mit dem Bro Code. Neun Jahre später lässt ihn ein Kumpel bei einer Geburtstagsfeier sogar darauf schwören.

Künstlername „Brophet“

Diesen Januar – mitten im Corona-Lockdown – hat er dann die Idee, „irgendwas bei Tiktok“ zu machen, um sich vom Lernen für eine Studiumsprüfung abzulenken, wie der Rastatter im BT-Gespräch erzählt. Und dabei wird der „Brophet“ geboren – so heißt der Tiktok-Kanal (und nun auch Petris Künstlername), auf dem der Rastatter jeweils kurz einen Artikel der „frohen Botschaft unseres Bros Barney Stinson“ unters Volk bringt – ironisch mit sakraler Musik unterlegt. Für Petri ist das Bro-Code-Buch vor allem eines: Lustig. Diesen humoristisch gemeinten „Ratgeber“ solle man nicht allzu ernst nehmen, betont er – auch wenn manche Regeln darin „schon auch Sinn machen“. Und natürlich hilft es, die TV-Serie zu kennen. Parallelen zwischen ihm und dem zunächst notorisch beziehungsunfähigen Barney Stinson gebe es indes eher weniger: So ist „Brophet“ Jakob Petri beispielsweise seit rund drei Jahren fest mit seiner Freundin zusammen.

Schnell knackt der zu diesem Zeitpunkt noch 20-Jährige jedenfalls die Zehntausend-Views-Marke und entfacht damit das Interesse neu. Beim Riva-Verlag, wo er sich in Sachen Urheberrechtsfragen meldet, nachdem die ersten Clips viral gingen, ist man entzückt ob des Erfolgs, den man sich zunächst gar nicht hatte erklären können. Das jahrealte Buch, von dem zuletzt noch wöchentlich 50 bis 70 Exemplare die Besitzer wechselten, hatte plötzlich wieder Verkaufszahlen von bis zu 1.600 in der Woche, heißt es dort (die Gesamtverkaufszahl liege über einer halben Million). Damit sprang der „Bro Code“ auf Platz eins der Sach-Taschenbuch-Bestsellerliste des Börsenblatts (Magazin für den deutschen Buchhandel) und zudem zurück auf die Spiegel-Bestsellerliste.

Eigenes Ausfüllbüchlein erschienen

Jetzt will man die Sache, die zunächst nicht als koordinierte PR-Kampagne gestartet war, weiterdrehen. Und das nicht nur per Video (inzwischen widmet sich Petri dort auch dem „Chick Code“, also der weiblichen Antwort auf den „Bro Code“). Auch ein eigenes Büchlein mit dem „Bropheten“ steht nun im Verkaufsregal. „Warum du mein Bro bist“ heißt es und ist, wie der Titel nahelegt, eines, das man zwischen Freunden teilt. „Ich werde dich direkt anrufen, sollte ich....“ heißt da beispielsweise ein Satz, den es zu vervollständigen gilt. Oder: „Unsere Regeln, wenn wir auf dieselbe Person stehen: ....“

Die Idee dazu hatte der Verlag, der schon erfolgreich Ausfüllbücher wie „Was ich an dir liebe“ veröffentlicht hat. Sätze und Fragen dazu hat sich Jakob Petri ausgedacht. Online und in jedem Buchladen ist es bestellbar, hat 48 Seiten und kostet sieben Euro.

Einfluss auf junge Nutzergruppen

Stolz ist der junge Rastatter darauf, auch wenn er eigentlich keine literarischen Ambitionen hegt. „Mein Herz schlägt eher für die Naturwissenschaft“, gesteht er. 2018 legte er am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium das Abi ab, erkundete anschließend ein bisschen die Welt und begann schließlich das Studium der Biotechnologie in Offenburg. Ins fünfte Semester kommt er jetzt, und „es läuft sehr gut“, sagt er. Die Tiktok- und Buchgeschichte ist für ihn ein Hobby, das Spaß macht. Und ein Zeichen dafür, welchen Einfluss Social Media inzwischen haben kann. Das sieht wohl auch die Buchbranche so. Petris Erfolg könnte nun der Anlass sein, dass diese künftig mehr in die Plattform Tiktok hineinschnuppert, schreibt das Börsenblatt. Damit könnten nämlich insbesondere die jungen Nutzergruppen erschlossen werden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
27. Mai 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 22sec

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