„Ein Drahtseilakt“: Interview mit Bjarne Mädel

Baden-Baden (wyst) – Bjarne Mädel spielt im neuen TV-Krimi „Sörensen hat Angst“ am 20. Januar im Ersten nicht nur die Hauptrolle, sondern führt auch erstmals selbst Regie.

Bjarne Mädel verkörpert im TV-Krimi einen Kommissar mit Angststörung. Bild: NDR/Michael Ihle

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Bjarne Mädel verkörpert im TV-Krimi einen Kommissar mit Angststörung. Bild: NDR/Michael Ihle

Doppelter Einsatz für Bjarne Mädel: Mit seinen skurrilen Rollen und trockenem Humor begeistert der Schauspieler seit Jahren seine Fans. In seinem neuen Film „Sörensen hat Angst“ (20. Januar, 20.45 Uhr, ARD) spielt der 52-Jährige aber nicht nur die Hauptrolle, sondern hat erstmals auch Regie geführt: Er verkörpert einen Kommissar mit Angststörung, der in der friesischen Provinz seine Ruhe sucht, dort jedoch in einen schrecklichen Kriminalfall verwickelt wird. Der Film basiert auf einem Hörspiel, das der Autor Sven Stricker für Mädel geschrieben hatte und aus dem dann eine Romanreihe hervorging. Cornelia Wystrichowski hat sich mit dem Hamburger Schauspieler unterhalten.

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„Ein Drahtseilakt“: Interview mit Bjarne Mädel
Der Bürgermeister (Karl-Friedrich Winzer) ist tot: Malte (Leo Meier) und Sörensen (Bjarne Mädel) am Tatort. Foto: NDR/Michael Ihle

„Ein Drahtseilakt“: Interview mit Bjarne Mädel
Ergibt sich der Situation: Sörensen (Bjarne Mädel). Foto: NDR/Michael Ihle

„Ein Drahtseilakt“: Interview mit Bjarne Mädel
Jan ist weg. Ist Hilda (Anne-Ratte Polle, links, mit Katrin Wichmann) wirklich so ahnungslos? Foto: NDR/Michael Ihle

„Ein Drahtseilakt“: Interview mit Bjarne Mädel
Jans (Claude Heinrich) Vater wurde ermordet: Sörensen (Bjarne Mädel) versucht eine behutsame Annäherung. Foto: NDR/Michael Ihle

„Ein Drahtseilakt“: Interview mit Bjarne Mädel
Neu in Katenbüll: Sörensen (Bjarne Mädel). Foto: NDR/Michael Ihle

BT: Herr Mädel, beim Krimi „Sörensen hat Angst“ standen Sie nicht nur in der Hauptrolle vor der Kamera, sondern haben zum ersten Mal auch Regie geführt. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Bjarne Mädel: Ich bin glücklich, weil sich der Film genauso anfühlt, wie ich mir das erhofft und ausgemalt hatte. Ich wollte, dass der Zuschauer denselben Weg macht, den Sörensen geht – man kommt mit ihm ins beschauliche friesische Katenbüll und wird allmählich in das Düstere des Ortes hineingezogen. Es fängt locker und leicht an, aber irgendwann übernimmt die Härte dieses Kriminalfalles. Ich finde, das ist uns gelungen, und darauf bin ich echt stolz.

„Keine Angst, aber Respekt“ vor Doppel-Aufgabe

BT: Sie spielen einen Kommissar mit Angststörung. Hatten Sie Angst vor dem doppelten Einsatz als Regisseur und Schauspieler?

Mädel: Angst nicht, aber Respekt. Ich wusste, es wird ein Drahtseilakt, aber ich wusste auch, dass ich ein starkes Netz habe, eine Produktion und ein Team, die mich auffangen, wenn ich mal abstürze. Ganz wichtig war für mich der Kameramann Kristian Leschner, der das visuelle Konzept mit mir erarbeitet hat, den ganzen Look des Films, wir kennen uns von der Arbeit beim „Tatortreiniger“. Unsere gemeinsame Vision war es, die Zuschauer mit in die Angst zu ziehen, und wie die Vorlage sollte die harte Geschichte durch Humor getragen werden – und den habe ich als Regisseur am Set dann auch gern benutzt, um die Leute bei Laune zu halten.

BT: Sind Sie bei den Dreharbeiten hin- und hergerannt zwischen Set und Regiestuhl?

Mädel: Ich war wirklich viel in Bewegung, aber es war kalt draußen und das hat mich warm gehalten (lacht). Es gab jemanden, der dafür zuständig war, einen Bildschirm in meine Nähe zu bringen, sobald die Szene vorbei war. Daran hing eine Lesebrille, damit ich auch sehen konnte, was ich da gespielt habe.

„Ich mag alles von den Coen-Brüdern“

BT: Welche Regisseure sind Ihre Vorbilder?

Mädel: Ich mag eigentlich alles von den Coen-Brüdern, und was das Düstere angeht, war die Netflix-Serie „Ozark“ ein Vorbild für uns. Düster, verregnet und matschig – das schwebte uns vor, so wie im Roman von Sven Stricker, da regnet es ja eigentlich ständig. Wir konnten es uns für den Film zwar nicht leisten, für jede Szene Regen zu produzieren, weil das sehr teuer ist, aber wir wollten auf jeden Fall, dass Katenbüll keine Postkartenidylle wird, kein Wohlfühlort.

BT: Was wollten Sie denn anders machen als andere Regisseure?

Mädel: Mir geht es, wenn ich Fernsehfilme sehe, oft so, dass ich denke: Da wird jetzt einfach der Dialog abgefilmt, aber das ist doch kein schönes Bild. Oft gibt es eine Eröffnungsszene, einen sogenannten Establisher, wo der Zuschauer sieht: Aha, da kommen wir an mit dem Auto, so sieht das Haus aus, dann geht man immer näher ran an die Figuren, bis man irgendwann nur noch Köpfe gegeneinander schneidet, wenn zwei Leute miteinander reden. Wir haben versucht, das anders zu machen.

Sörensen (Bjarne Mädel) mit Hund Cord im Polizeirevier. Foto: NDR/Michael Ihle

Sörensen (Bjarne Mädel) mit Hund Cord im Polizeirevier. Foto: NDR/Michael Ihle

BT: Gleich die erste Szene beginnt damit, dass man Ihre aufgerissenen Augen in Großaufnahme sieht. Ist es toll, wenn man sich als Schauspieler so richtig selber in Szene setzen kann?

Mädel: So eitel bin ich nicht, dass ich mich unbedingt in Großaufnahme zeigen muss. Wir wollten Sörensens Angststörung zeigen und mussten dafür ganz nah ran an den Kopf, weil die Angst ja da sitzt.

Turbulente Drehtage

BT: Hat alles gut geklappt, oder gab es auch Katastrophen?

Mädel: Es gab schon so Katastrophentage. Einmal hat es nachts gestürmt und stark geregnet, wir waren kurz vorm Abbruch, weil es zu gefährlich war für die Beleuchtung. So was ist stressig, denn man muss den Film ja immer in der vorgesehenen Zeit schaffen, egal ob ein Kollege Magen-Darm-Probleme hat oder das Auto nicht anspringen will. Und eine Woche vor Drehbeginn wurde uns der Drehort für die Polizeiwache, eins unserer Hauptmotive, abgesagt, das war ein enormer Stress. Aber insgesamt ist es ganz gut gegangen, vielleicht hatte ich da auch Anfängerglück.

BT: Wollen Sie denn auch in Zukunft Regie führen?

Mädel: Es hat mir Spaß gemacht und war eine beglückende Erfahrung. Aber es sind auch anderthalb Jahre Lebenszeit, die man da in ein einziges Projekt steckt – das bin ich als Schauspieler gar nicht gewohnt. Da lerne ich meinen Text vernünftig, drehe etwa 20 Tage und kann danach was anderes machen. Ein Projekt müsste mich schon wieder genauso sehr faszinieren und reizen, wenn ich den ganzen Stress, den man als Regisseur hat, erneut auf mich nehmen wollte.

Start einer Reihe? – „Mal sehen“

BT: Wird aus Sörensen womöglich eine Reihe? Sven Stricker hat ja bereits zwei weitere Romane über den Kommissar geschrieben.

Mädel: Ich weiß nicht, ob daraus eine klassische Krimireihe werden sollte. Der Film ist so besonders geworden, das kann man nicht eins zu eins wiederholen. Aber die Figuren sind mir schon ans Herz gewachsen. Hm. Beim „Tatortreiniger“ war ja auch jede Folge ein kleines Kunstwerk mit eigenem Kamerakonzept, anderer Musik und neuer Bildsprache, und es gab mehrere Folgen. Mal sehen.

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16. Januar 2021, 16:00 Uhr
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Der Bürgermeister (Karl-Friedrich Winzer) ist tot: Malte (Leo Meier) und Sörensen (Bjarne Mädel) am Tatort. Foto: NDR/Michael Ihle

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Ergibt sich der Situation: Sörensen (Bjarne Mädel). Foto: NDR/Michael Ihle

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Jans (Claude Heinrich) Vater wurde ermordet: Sörensen (Bjarne Mädel) versucht eine behutsame Annäherung. Foto: NDR/Michael Ihle

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Neu in Katenbüll: Sörensen (Bjarne Mädel). Foto: NDR/Michael Ihle


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