Angela Ledwina: Ein Ehrenamt ist ihr zu wenig

Rastatt (BNN) – Vom „Vormittag gegen das Vergessen“ bis zum Hundebesuchsdienst: Die Rastatterin Angela Ledwina engagiert sich auf vielfältige Weise für Senioren.

Begehrte Ablenkung vom Alltag: Die Senioren und Seniorinnen im Pflegeheim Martha-Jäger-Haus freuen sich über den monatlichen Besuch von Angela Ledwina (links) und ihrer Hündin Lyssi. Hans-Jürgen Collet

© Hans-Jürgen Collet

Begehrte Ablenkung vom Alltag: Die Senioren und Seniorinnen im Pflegeheim Martha-Jäger-Haus freuen sich über den monatlichen Besuch von Angela Ledwina (links) und ihrer Hündin Lyssi. Hans-Jürgen Collet

Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran, sang Udo Jürgens. An was, ist dem Zuhörer selbst überlassen. Für die Rastatterin Angela Ledwina sind das ihre vielen Ehrenämter. Die 66-Jährige begnügt sich nicht mit nur einem. „Ich bin ja schon ein bisschen länger friedhofsblond, in Rente aber erst seit drei Jahren“, sagt sie. Sich zur Ruhe zu setzen, war für sie keine Option.
Seit Neuestem ist Ledwina Teil des Projekts „Ein Vormittag gegen das Vergessen“. Bei der Betreuungsgruppe des DRK-Ortsvereins Rastatt spielen die Ehrenamtlichen jeden Freitag Spiele mit den Gästen, machen Gymnastik oder leichtes Gedächtnistraining. „Es macht mir einfach Spaß, mich mit Senioren zu beschäftigen. Und ein bisschen mache ich das auch in der Hoffnung, dass sich mal jemand um mich kümmert, wenn ich so weit bin“, sagt sie.

Jede Woche besucht sie zudem eine 87-jährige Rastatterin. Mit ihr spielt sie am liebsten Rummikub, ein Zahlenspiel mit Steinen. Seit vier Jahren ist Ledwina Mitglied beim aktivierenden Hausbesuchsdienst des DRK.

Basteln ist ihre Leidenschaft

Schon zwei Jahre davor schenkte sie als Mitglied der Seniorenhilfe Rastatt in der Badner Halle zum ersten Mal Kaffee aus. Im selben Jahr half sie beim Weihnachtsmarktstand des Vereins. Seitdem gehört sie zur festen Besetzung. Auch dieses Jahr machte sie Standdienst, bastelte Adventsgestecke und strickte, was das Zeug hält.

Basteln ist ihre Leidenschaft. Während die Besuchsdienste rund sieben Stunden jeden Monat einnehmen, sind die Bastelarbeiten deutlich zeitintensiver. „Um ein Paar Socken zu stricken, brauche ich etwa 15 Stunden“, sagt sie.

Seit zehn Jahren lebt Ledwina ihre Kreativität auch in der DRK-Bastelgruppe aus. Viermal im Jahr stellt sie Tischdekoration für den großen Kaffeenachmittag im Martha-Jäger-Haus her.

Ihre kreative Ader setzte Ledwina auch bei dem von ihr 1993 mitbegründeten Fastnachtsverein Niederbühler Feuerteufel ein: „Die Häs, also die Kostüme, haben wir damals ein halbes Jahr lang bei mir im Keller selbst genäht.“

1995 übernahm Ledwina beim Förderverein tête-à-tête das Bekochen der Straßenkünstler. Vor sieben Jahren legte sie ihr Engagement bei den Feuerteufeln auf Eis, um ihren kranken Ehemann zu pflegen, der inzwischen verstorben ist. „Da ich jetzt alleine lebe, bedeuten mir meine Ehrenämter noch mehr.“

Einmal im Monat mit Hündin „Lyssi“ ins Pflegeheim

Ledwinas Augen leuchten vor allem, wenn sie vom Hundebesuchsdienst im Martha-Jäger-Haus spricht. Vor zwölf Jahren habe sie ein Bekannter angeworben, der selbst einen Hund hat. Sie zögerte nicht lange und ging mit ihrer damaligen Hündin Bella, einem Westie-Mix, hin.

Auch Bellas Nachfolgerin Lyssi besucht das Seniorenheim gerne. Antrainieren musste Ledwina ihrer neunjährigen Havaneserin den Umgang mit Senioren nicht. „Sie ist sehr geduldig. Das Leckerchen sorgt für den Rest.“

Ledwina übernahm die Organisation. Gemeinsam mit fünf Ehrenamtlichen und ihren Hunden besucht sie einmal im Monat das Pflegeheim. Die Bewohner dürfen die Hunde auf den Schoß nehmen und mit ihnen kuscheln. Manche hatten früher selbst Haustiere. „Das ist für viele das Highlight. Gerade während Corona mussten die Senioren auf so vieles verzichten“, sagt Ledwina.

Über ein Jahr warteten auch Helfer und Hunde auf ein Wiedersehen. Im Mai war es endlich so weit. „Wir waren erleichtert, dass sie uns alle noch wiedererkannten“, sagt Ledwina. In einem Seniorenheim müsse man mit allem rechnen.

Das Traurigste im Alltag sei, dass die Hunde merkten, wenn jemand bald sterbe. Das habe Ledwina schon zweimal erlebt: „Die Tiere sind sehr sensibel und wollen dann nicht mehr zu der Person. Meine Hündin Bella begann bei einer Dame, bei der sie sonst immer gerne war, plötzlich zu zittern. Da mussten wir abbrechen.“ Die Frau habe sie dann auch zum letzten Mal gesehen.

„So lange es geht, werde ich dranbleiben“

Ihr schönstes Erlebnis wird Ledwina ebenfalls nie vergessen. Ein Bewohner mit Schlaganfall, der physisch nicht mehr viel machen konnte, habe Hündin Bella auf dem Schoß gehabt. „Als wir seine Hände auf ihr weiches Fell gelegt haben, kam auf einmal wieder Bewegung in die Finger und ein Strahlen in sein Gesicht. Ein sagenhaftes Erlebnis!“

Erfahrungen wie diese machen Ehrenämter für Ledwina so wertvoll: „Solange es gesundheitlich geht, werde ich dranbleiben.“ Denn mit 66 Jahren ist lange noch nicht Schluss.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Elisa Walker

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Erstellt:
7. Dezember 2021, 16:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

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