Ein Film als Geburtstagsgeschenk

Rastatt (sl) - Eine in Rastatt und Umgebung gedrehte Spielfilmdoku erzählt die spannende Geschichte von Johann Gottfried Tulla und seinem Lebenstraum. Anlass ist sein 250. Geburtstag am 20. März.

Regisseur Christian Stiefenhofer und Kameramann Johannes Kaltenhauser sind ein eingespieltes Team. Tulla, gespielt von Steffen Schroeder, konzentriert sich auf Karten des Rheinverlaufs, auf die er den „Tullastrich“ zeichnen wird. Foto: Vidicom/Gertrud Esslinger

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Regisseur Christian Stiefenhofer und Kameramann Johannes Kaltenhauser sind ein eingespieltes Team. Tulla, gespielt von Steffen Schroeder, konzentriert sich auf Karten des Rheinverlaufs, auf die er den „Tullastrich“ zeichnen wird. Foto: Vidicom/Gertrud Esslinger

Mit seiner Begradigung des Rheins trug der badische Wasserbaumeister Johann Gottfried Tulla maßgeblich dazu bei, das Oberrheingebiet von der Malaria zu befreien. Jetzt verhagelt ihm eine andere Infektionskrankheit sozusagen die Geburtstagsparty. Am 20. März, seinem 250. Wiegenfest, hätte eigentlich die im vergangenen Jahr produzierte Spielfilmdoku „Tullas Traum“ ihre Kinopremiere feiern sollen. Jetzt ist sie wegen Corona auf September verschoben.

Rastatter Schlösser immer wieder Filmkulisse

Die Rastatter Schlösser sind in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Kulisse für Filmaufnahmen gewesen: Im Frühjahr 2017 etwa wurden Szenen für „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ mit Starbesetzung in den barocken Räumen gedreht, nächste Woche will ein Fernsehteam anrücken, um Szenen für eine Doku über die Rastatter Kriegsverbrecherprozesse zu produzieren (wir berichteten). Etliche Statisten aus der Region haben sich auf einen Aufruf über das Badische Tagblatt bei der Produktionsfirma Moving Story Productions gemeldet, berichtet Produzent Jörg Kunkel. Stand jetzt sollen die Dreharbeiten stattfinden.

Doch zurück zu Tulla: Im vergangenen Sommer gaben die Residenzräume und die Orangerie von Schloss Favorite das Ambiente ab für die Lebensgeschichte des gebürtigen Karlsruhers, der mit Ludwig van Beethoven das Geburtsjahr 1770 teilt. Auch in den Rheinauen bei Au am Rhein, auf dem Gelände des Kieswerks Krieger und im Freilichtmuseum Ecomuseé bei Mulhouse hat die Crew vergangenen Sommer gearbeitet.

„Tullas Traum – Wie der Rhein sein neues Gesicht bekam“ lautet der Titel des 90-minütigen Dokudramas das Vidicom Media aus Hamburg im Auftrag des SWR in Zusammenarbeit mit Arte produziert hat. Es soll im Mai erstmals im TV zu sehen sein. Im Herbst wird der Film zudem auf Kinotour gehen.

Steffen Schroeder und Söhne in den Rollen Tullas

In der Rolle des Jubilars ist Schauspieler Steffen Schroeder („Soko Leipzig“, „In aller Freundschaft“) zu sehen. Er spielt den erwachsenen Tulla, seine Söhne Johann und Leven den Jugendlichen beziehungsweise den Studenten.

„Es ist höchste Zeit, dass Tulla einen Film bekommt“, sagt Produzent Peter Bardehle: Während in Baden Straßen, Schulen und Hörsäle nach dem kühnen Ingenieur benannt sind, ist Tulla im restlichen Deutschland kaum bekannt. Für seine Zeitgenossen muss die Rheinbegradigung indes ein wahrer Segen gewesen sein. Die unberechenbaren Überschwemmungen verheerten zuvor Dörfer und Äcker, Millionen von Stechmücken übertrugen Krankheiten wie die damals „Sumpffieber“ genannte Malaria. „Heute sieht man manche Auswirkungen der Rheinbegradigung aber kritisch“, weiß Bardehle. Das wird das Dokudrama nicht verschweigen, im dokumentarischen Teil kommen auch etliche Experten aus der Region zu Wort.

Dreharbeiten in Rheinauen war „starkes Erlebnis“

Peter Bardehle freut sich auf die – nun leider verschobene – Premiere: „Es ist die erste Filmbiografie über Tulla, und wir haben viele schöne Seitengeschichten im Film, die jede für sich einen eigenen Film wert wären, wie zum Beispiel die Einführung des Metermaßes“. Der Dreh in den Rheinauen sei eine Herausforderung und ein starkes Erlebnis gewesen, erinnert er sich an den Sommer, „auch dass wir die Originalinstrumente aus der Tulla-Zeit vom Karlsruher Institut für Technologie und der Bundesanstalt für Wasserbau nutzen durften“, sei etwas Besonderes.

Dass die Geschichte der Rheinbegradigung auch eine französische ist, kommt dem Film insofern zugute, als auch der deutsch-französische Sender Arte im Boot ist. Der Film wird im Nachbarland ebenfalls zu sehen sein. Dort ist Tulla übrigens auch bestattet, denn der Badener starb 1828 in Paris – angeblich tragischerweise an der Malaria. Historische Belege dafür gibt es aber nicht.

Wer neugierig ist, kann sich schon jetzt hier den Kinotrailer ansehen.

https://vimeo.com/

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Unterredung in Rastatter Schlossräumen: Tulla präsentiert dem Großherzog von Baden, die erste, genau gemessene Karte des Landes. Foto: Vidicom/Mario Krämer

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Unterredung in Rastatter Schlossräumen: Tulla präsentiert dem Großherzog von Baden, die erste, genau gemessene Karte des Landes. Foto: Vidicom/Mario Krämer

Im Sommer ist es in den Rheinauen schwül und die Filmcrew hat zusätzlich zu der Hitze mit der dortigen Schnakenplage zu kämpfen. Eine kleine Abkühlung bringt zumindest die Verlegung des Drehs in das Wasser der Rheinauen. Foto: Vidicom / Vincent Nishen

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Im Sommer ist es in den Rheinauen schwül und die Filmcrew hat zusätzlich zu der Hitze mit der dortigen Schnakenplage zu kämpfen. Eine kleine Abkühlung bringt zumindest die Verlegung des Drehs in das Wasser der Rheinauen. Foto: Vidicom / Vincent Nishen

Steffen Schroeder setzt sich mit einem Messinstrument aus dem frühen 19. Jahrhundert auseinander, das beim Dreh benutzt werden darf und dessen Feinheiten ihm von einer Expertin des KIT aus Karlsruhe erklärt werden. Foto: Vidicom / Peter Bardehle

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Steffen Schroeder setzt sich mit einem Messinstrument aus dem frühen 19. Jahrhundert auseinander, das beim Dreh benutzt werden darf und dessen Feinheiten ihm von einer Expertin des KIT aus Karlsruhe erklärt werden. Foto: Vidicom / Peter Bardehle

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Erstellt:
15. März 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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