Ein Hauch von Schwerelosigkeit in Rastatt

Rastatt (fuv) – Auf gute Resonanz stößt der Pop-up-Freizeitpark beim Rastatter Publikum. „Schön, dass Ihr noch da seid“, sagen Rummelbesucher zu den von Lockdowns geschädigten Schaustellern.

Jetzt geht’s rund: Das „Disco-Fieber“ auf dem Rastatter Festplatz. Foto: Frank Vetter

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Jetzt geht’s rund: Das „Disco-Fieber“ auf dem Rastatter Festplatz. Foto: Frank Vetter

Auf dem Rastatter Festplatz drehen sich wieder die Karussells, und es duftet nach gebrannten Mandeln. Der zweite Pop-up-Freizeitpark hat gut begonnen, lautet das erste Fazit von Hugo Levy von der Schaustellerinitiative.
Sogar das Wetter spielt mit, als um 15.30 Uhr der Zugang zum Festplatz geöffnet wird, und die ersten Besucher nach kurzer Anmeldeprozedur den Rummel betreten dürfen. Am Abend dankt OB Hans Jürgen Pütsch den Sponsoren und Organisatoren des Freizeitparks und verweist auf das vergangene Jahr, als der Rastatter Ersatz-Jahrmarkt ein landesweites, viel beachtetes Pilotprojekt gewesen war. Beim Fassanstich assistiert zwar die baden-württembergische Bierkönigin Irina Hansmann. Dennoch: Der oberbürgermeisterliche Hammerschlag auf den Kunststoffzapfhahn ist ausbaufähig. Dafür beweist der OB Mut, als es mit dem städtischen Eventmanager Markus Lang eine Fahrt im „Disco-Fieber“ wagt: Fliehkräfte und ein wenig Schwerelosigkeit erleben die Fahrgäste auf der Scheibe, die sich dreht und „Hopser“ vollführt. Pütsch übersteht die Fahrt gut, will aber nicht unbedingt noch mal auf die Scheibe. Im Gegensatz zu Leni, Jantima, Miriam und Andrea. Mehr als 20 Mal seien sie „Disco-Fieber“ schon gefahren, strahlen sie den Rummel-Reporter an. „Das ist das coolste Karussell, unterstreichen die 13-Jährigen; wegen der Geschwindigkeit. Das „zweitcoolste“ Fahrgeschäft sei der Musikexpress, fügen sie an und begeben sich erneut in Startposition.

Nur Fischweck wird vermisst

Der Freizeitpark lockt jedoch nicht nur Karussell-Enthusiasten an. Nadine, sie arbeitet im Supermarkt um die Ecke des Festplatzes, genießt die Rummel-Atmosphäre, um bei einem Bier und Essen den Abend ausklingen zu lassen. Sie war bereits beim ersten Freizeitpark im vergangenen Jahr Besucherin. „Das muss man unterstützen“, betont sie. Das sehen auch Sarah Wende und Freund Patrick Sallinger so. Sarah ist mit ihrem Sohn Mylo in den Freizeitpark gekommen; beim Entenangeln hat er zwei Autos ergattert und isst nun eine Bratwurst. Als kindgerecht bezeichnet seine Mutter das Angebot. Was sie stört, ist der Zaun um den Festplatz. Aber da könne man halt nix machen, wegen der Gesamtsituation. Ihr Freund Patrick sagt auch: Besser diese Variante als gar nix. Einen Verbesserungsvorschlag muss er noch loswerden: Es gibt keinen Fischweck, und der gehöre einfach zum Jahrmarkt, lacht er.

Ina Oswald macht im Biergarten mit zwei eigenen Kindern und der Tochter einer Freundin Pause. Die Kids hätten schon seit einer Woche ständig gefragt, wann es endlich losgehe, erzählt sie. Sie findet, der Freizeitpark sei wie eine kleine Stadt gemacht, das gefalle ihr. Auch sie lobt das Angebot für die Kinder und wird nicht das letzte Mal zu Gast gewesen sein.

Für Schausteller lebenswichtig

Auf viele Besucher hoffen natürlich die Schausteller. Elsa Neigert aus Karlsruhe steht in ihrer Roulette-Glücksrad-Bude. Sie entstammt einer Artistenfamilie und ist schon von Kindesbeinen an in der Schaustellerszene. Mit ihrem Mann hatte sie bereits einige Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Looping-Schaukel und Kinderkarussell. Dann kam die Pandemie. „Corona hat uns das Genick gebrochen“, sagt sie traurig. Sie mussten die Fahrgeschäfte verkaufen. In ihrem Fundus hatten sie noch die Glücksbude; die war mal für die Töchter gedacht, die beruflich jedoch andere Wege eingeschlagen hätten, erzählt Neigert. „Zum Glück“, wie sich jetzt herausstelle, betont sie. Jedenfalls ist die 60-jährige Vollblutschaustellerin nun froh, in Rastatt dabei zu sein. Für sie sei der Kontakt zu den Kollegen und zu den Rummelbesuchern fast lebenswichtig, sagt sie. „Ich möchte jedem noch ein bisschen Glück bringen. Und wenn die Leute kommen und sagen, es ist schön, dass Ihr noch da seid, dann macht mich das glücklich.“

Öffnungszeiten: Bis 12. September donnerstags und freitags ab 15 Uhr, samstags ab 14 Uhr, sonntags ab 12 Uhr, immer bis 23 Uhr. Am 4. und 5. September, 9 bis 19 Uhr, zudem Krämermarkt mit rund 25 Beschickern.

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Erstellt:
28. August 2021, 10:30 Uhr
Lesedauer:
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