Ein Herz für jeden Verstorbenen

Rastatt (ans) – Die Frauengemeinschaft St. Alexander setzt bunte Zeichen für Corona-Tote. Die Stufen vor der Rastatter Stadtkirche sollen damit zum Gedenkort an die Verstorbenen der Pandemie werden.

So oder ähnlich sollen die Herzen am linken Tor der Stadtkirche aufgehängt werden. Foto: Anna Bonkosch

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So oder ähnlich sollen die Herzen am linken Tor der Stadtkirche aufgehängt werden. Foto: Anna Bonkosch

Gemustert, einfarbig oder ganz bunt, so unterschiedlich sehen die handtellergroßen Herzen aus Stoff, Wolle und Garn aus, die bald am linken Gitter der Rastatter Stadtkirche angebracht werden sollen. Sie sollen an die Toten der Corona-Pandemie im Landkreis erinnern. Initiatorinnen sind Petra Bonkosch, Anneliese Dürr und Andrea Flackus, die in der Frauengemeinschaft St. Alexander aktiv sind.

Mit diesen von ihnen selbstgemachten Herzen wollen die Frauen aufzeigen, dass die Menschen, die mit oder an Corona gestorben sind, nicht bloß Zahlen in einer Statistik sind. Die Herzen sollen dabei helfen, das Geschehen zu visualisieren. „Ähnliche Aktionen gibt es in vielen Städten“, sagt Andrea Flackus, Vorsitzende der Frauengemeinschaft St. Alexander Rastatt. Oft würden dabei Kerzen für die Toten angezündet, „doch wir wollten ein anderes Motiv“, erläutert sie. Von Schmetterlingen über Blumen seien viele Möglichkeiten in Betracht gezogen worden, schließlich sei man „beim Herz gelandet“. Die Herzen seien bunt, „weil Menschen auch bunt, also verschieden sind“, erklärt Flackus. Insgesamt seien bisher rund 120 bunte Herzen aus Stoff genäht oder gestrickt worden, ergänzt sie.

So wie das Motiv stand auch der Ort nicht von Anfang an fest. Sie seien zwar eine kirchliche Gemeinschaft, wollten aber alle miteinbeziehen und hatten daher die Stadtkirche zunächst ausgeschlossen. „Der gedankliche Spaziergang durch Rastatt hat uns vor das Tor des Schlossparks, zu verschiedenen Brunnen und dann wieder zurück zur Stadtkirche geführt“, beschreibt sie.

Kerzen zum Andenken an die Verstorbenen

Da die Stufen vor der Kirche der Stadt gehörten und somit die „Grenze zwischen Kirche und Stadt“ bildeten, habe man sich dann auf eines der Torgitter einigen können. „Die Aktion richtet sich an alle Menschen“, betont Flackus. Auch eine Tafel, die den Hintergrund der Initiative erklärt, soll am Gitter angebracht werden. „Ein bis zwei Wochen wird es noch dauern, bis wir die Herzen anbringen“, schätzt sie. Außerdem soll es vor dem Tor eine Platte geben, auf der Kerzen zum Andenken an die Verstorbenen aufgestellt werden können. Der Ort des Gedenkens soll „einfach ein Angebot“ sein, sagt Flackus.

Nachdem die Vorsitzende und ihre Mitstreiterinnen den Segen von Pfarrer Ralf Dickerhof zum Start der Aktion erhalten hatte, mobilisierte Flackus auch andere zum Mitmachen. Es „kostete einen Anruf“, und Hatice Özütürk vom Rastatter Verein „Die Brücke für den Dialog“, der sich für interreligiösen Austausch einsetzt, sei sofort mit an Bord gewesen. „Die Brücke“ habe bisher 30 selbstgemachte Herzen beigesteuert, so Flackus. Normalerweise seien solche Aktionen eher düster, meint Petra Bonkosch von der Frauengemeinschaft St. Alexander. „Was wir machen, fällt da schon aus dem Rahmen“, findet sie. Natürlich sei der Anlass traurig und furchtbar, aber dennoch gehöre „auch die Hoffnung dazu“. Aus ihrer Sicht symbolisierten die Herzen „Wertschätzung für die Verstorbenen“. Hinter jedem Herz stehe „ein Schicksal, eine Geschichte“. Man wolle Hoffnung geben, dass es einen Weg aus der Krise heraus gebe.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
2. Februar 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 30sec

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