Ein Herzstück des Theaters

Ötigheim (sl) – Zum ersten Mal stellen die Volksschauspiele Ötigheim einen künstlerischen Betriebsdirektor ein. Bei Stefan Haufe werden ab 1. April die organisatorischen Fäden zusammenlaufen.

Stefan Haufe ist ab 1. April der erste künstlerische Betriebsdirektor der Volksschauspiele Ötigheim. Foto: privat

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Stefan Haufe ist ab 1. April der erste künstlerische Betriebsdirektor der Volksschauspiele Ötigheim. Foto: privat

Die künstlerische Betriebsleitung ist so etwas wie das „Herzstück des Theaters“, sagt einer, der es wissen muss: Stefan Haufe ist Theatermann mit viel Erfahrung und engmaschigem Netzwerk. Und er will das Herz der Volksschauspiele Ötigheim am Schlagen halten, wenn er am 1. April offiziell seinen Dienst als künstlerischer Betriebsdirektor an Deutschlands größter Freilichtbühne antreten wird.

Mit dem altersbedingten Rückzug von Rudi Wild als langjährigem Vorsitzenden des Ausschusses für Spielbetrieb drohte den Volksschauspielen – um im Bild zu bleiben – vielleicht nicht gleich der Herzstillstand, aber eine zeitweise Herzrhythmusstörung stand durchaus zu befürchten. Mit Melanie Smiejkowski fand sich zwar eine Nachfolgerin an der Spitze des Ausschusses. In Jahrzehnten erworbene Erfahrung im Organisieren von so vielem, was das Geschehen auf der Bühne überhaupt erst möglich macht, ersetzt man aber nicht so leicht – nicht einmal im Theaterdorf Ötigheim.

Schließlich laufen in der Leitung des Spielbetriebs die organisatorischen Fäden zusammen. An professionellen Häusern – die Volksschauspiele sind ja bei allem Können ein Amateurtheater und wollen es bleiben – ist der künstlerische Betriebsdirektor oder Chefdisponent die rechte Hand des Intendanten, erklärt Stefan Haufe. Er gibt zum Beispiel die Jahresplanung vor. Wann ist welche Premiere? Wie viele Sinfoniekonzerte werden in einer Saison gespielt? Wie viele Opern? Wie viele Ballette? Wann findet welche Probe statt? Welcher Probenraum ist geeignet und wann ist er frei? Welche Kulissen werden gebraucht? Sind sie im Fundus? Muss man sie neu bauen oder kann man sie ausleihen? Welche Kostüme müssen geschneidert werden? Und, und, und… Der Betriebsleiter wird so auch zum Dienstleister für die Regisseure der verschiedenen Inszenierungen einer Saison und koordiniert deren Kommunikation.

Position ist in Ötigheim ein Novum

Die Position des Künstlerischen Betriebsdirektors ist in Ötigheim indes ein Novum. Haufes Tätigkeitsspektrum wird Probendisposition, Budgetierung und Kostenkontrolle umfassen, teilt die Vereinsleitung mit. Hierbei will er künftig die künstlerischen Notwendigkeiten stärker in die Entscheidung einfließen lassen, kündigt Haufe an. Der 58-Jährige übernimmt somit auch Aufgaben des kurz vor Weihnachten überraschend ausgeschiedenen Geschäftsstellenleiters Marc Moll. „Ohne das kreative Element aber könnte ich nicht leben“, begründet Haufe, warum er zu allem auch noch selbst als Regisseur des Musicals „Der kleine Horrorladen“ im pandemiekonformen Programm des Theatersommers 2021 agiert.

Im Jahr zwei seit Corona und nach der ausgefallenen Spielzeit 2020 ist sicher weder die Kostenkontrolle noch die Probendisposition eine leichte Aufgabe. Denn natürlich gelten auch auf der Bühne und beim Probieren die Hygiene- und Abstandsregeln. Haufe will hierbei alle Räumlichkeiten und Freiluftmöglichkeiten nutzen, die sich den Volksschauspielen bieten.

Volksschauspiele kaufen nicht die „Katze im Sack“

Mit Haufe kaufen die Volksschauspiele nicht die „Katze im Sack“: Von 2017 bis 2020 leitete er die Rosenberg-Festspiele in Kronach/Oberfranken – ebenfalls Freilichttheater. Bei den Volksschauspielen gab er seine Visitenkarte mit den Inszenierungen „Schwarzwaldmädel“ (2013), Josef Saiers „Passion“ (2015) und „Kiss me, Kate“ (2016) ab. Der junge Haufe sammelte erste Bühnenerfahrungen am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und in Schultheaterprojekten. Mit 20 studierte er Tanz in Frankfurt. Am Opernhaus Nürnberg etablierte er sich während seiner Tänzerzeit als preisgekrönter Choreograf für Musiktheater und Schauspiel, ging 1992 als Ballettdirektor ins thüringische Nordhausen, 1996 ans Mecklenburgische Staatstheater Schwerin. 2004 wagte er den Sprung in die freiberufliche Tätigkeit als Regisseur. Aufträge führten ihn nach Bremerhaven, Greifswald, Freiberg, Münster, Nürnberg und Leipzig. Zurzeit sucht er eine Wohnung in Karlsruhe. Ob er auf Dauer ins Badische zieht, ist noch nicht entschieden. Zusammen mit seiner Frau möchte der Vater zweier Kinder sein Häuschen bei Schwerin nahe dem Ostseestrand auf jeden Fall behalten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
21. März 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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