Ein Hin und Her zwischen Öffnen und Schließen

Karlsruhe (win) – Corona-Situation in Karlsruhe: Oberbürgermeister Frank Mentrup fordert flexiblere Lösungen von der Landesregierung.

Ist sichtlich genervt vom ständigen Wechsel zwischen Schließung und Öffnung: Karlsruhes OB Frank Mentrup. Symbolfoto: Uli Deck/dpa/Archiv

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Ist sichtlich genervt vom ständigen Wechsel zwischen Schließung und Öffnung: Karlsruhes OB Frank Mentrup. Symbolfoto: Uli Deck/dpa/Archiv

Das Auf und Ab der Corona-Inzidenzzahlen in der Stadt Karlsruhe geht weiter – und damit vermutlich auch der Wechsel zwischen Öffnung und Schließung von Einzelhandelsgeschäften, dem Zoo, Museen und anderen Einrichtungen.
Nachdem seit Dienstag der Einkauf mit Termin (Click and Meet) nicht mehr möglich war und nur noch vorbestellte Ware in den Geschäften abgeholt werden durfte (Click and Collect), sah es zwischenzeitlich nach einem neuerlichen Wechsel zurück zu Click and Meet aus. Zunächst lagen die Zahlen unter der kritischen Marke, die Hoffnung auf Lockerungen ab Samstag machte sich breit. Doch daraus wurde nichts. Die von der Stadt Karlsruhe erhofften Corona-Lockerungen treten nun doch nicht in Kraft. Nach drei Tagen mit Inzidenzwerten unterhalb der wichtigen Marke, wurde am Donnerstag mit genau 100,0 der für die Verschärfung ausschlaggebende Grenzwert doch noch erreicht. In der Stadt wurden am Donnerstag 101 positive Befunde registriert, zudem gab es drei weitere Todesfälle. Somit bleiben der Zoo und die Museen weiterhin geschlossen und für Einzelhandelsgeschäfte bleibt es bei der Click and Collect-Regelung (nur Abholung bestellter Waren).

Nicht nur Mentrup ist sichtlich genervt vom ständigen Wechsel zwischen Schließung und Öffnung, auch vom betroffenen Handel und von öffentlichen Einrichtungen werde derzeit ein hohes Maß an Flexibilität erwartet. Einmal mehr appelliert Mentrup deshalb ans Land, über flexiblere Lösungen nachzudenken.

Zur Ansteckung reicht schon ein Satz

Dies umso mehr, da er den Einzelhandel nicht als Infektionstreiber sieht. Dass das Land angesichts der angespannten Lage zu Lockerungen bereit sein wird, erscheine im Moment aber wohl eher unwahrscheinlich, auch weil das mutierte Virus die Situation verschärft hat. Hatte das Robert-Koch-Institut bisher einen 15-minütigen Kontakt mit einem Infizierten als kritische Schwelle betrachtet, so geht man inzwischen von einer Kontaktzeit von maximal zehn Minuten aus, die für eine Ansteckung ausreichend sei. Und dies auch nur unter der Voraussetzung, dass sich alle Beteiligten an die Hygienerichtlinien halten. Finden hingegen direkte Gespräche ohne Abstand und Maske statt, dann reiche unter Umständen schon ein einziger Satz, um sich mit dem Virus zu infizieren.

Ein anderes Problem sei die Impfstoffproblematik. Da Astrazeneca nicht mehr an Menschen unter 60 Jahren verimpft werden soll, gebe es für rund 6.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken in Stadt und Landkreis, die demnächst ihre zweite Impfung bekommen sollten, keine Lösung. Eigentlich sollte in diesen Fällen der Impfstoff von Biontech eingesetzt werden, doch die vorrätige Impfstoffmenge sei hierfür zu gering.

Überrascht wurde Mentrup auch davon, dass sich Menschen aus der Altersgruppe über 80 gemeldet haben, deren Impftermin mit Astrazeneca zunächst abgesagt worden war und die eigentlich auf einer Warteliste stehen müssten. Das Land habe der Stadt eine entsprechende Liste mit 3.000 Namen übergeben, die inzwischen aber komplett abgearbeitet wurde. Möglicherweise habe sich da ein Fehler eingeschlichen, deshalb sollen sich Betroffene aus der höchsten Prioritätsstufe gegebenenfalls direkt über die Corona-Hotline an die Stadt wenden.


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