Ein Jahrhundert Sparkasse in Gaggenau

Gaggenau (tom) – Die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau feierte ein Jubiläum in ganz kleinem Kreise.

Von links der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Martin Semmet, Vorstandsvorsitzender Lothar Volle, OB Christof Florus, Alt-OB Michael Schulz, Moderation Nicole Stichling, Ex-Verwaltungsrat Heinz Goll. Foto: Thomas Senger

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Von links der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Martin Semmet, Vorstandsvorsitzender Lothar Volle, OB Christof Florus, Alt-OB Michael Schulz, Moderation Nicole Stichling, Ex-Verwaltungsrat Heinz Goll. Foto: Thomas Senger

Die Braz Gang intonierte ein „Happy Birthday“ per Videoaufzeichnung aus der Musikschule, und das Wohlwollen der Zuschauer war den jungen Leuten gewiss: Am Freitagnachmittag wurde das hundertjährige Bestehen der Gemeindesparkasse Gaggenau gefeiert. Nur ganz wenige geladene Gäste wohnten coronabedingt der Feierstunde im Sparkassenhochhaus am Bahnhof bei.

Als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau begrüßte Lothar Volle die Gäste. „Normalerweise würden wir jetzt vor 150 Leute in der Jahnhalle stehen“, warb er um Verständnis, dass man in diesem Jahr nur in ganz kleinem Kreise das Jubiläum feierte.

Spende als Ausdruck des Engagements

Aber das Institut wolle die Verbundenheit mit Gaggenau unterstreichen, „weiterhin hier, im Erdgeschoss in dem Stockwerk drüber und vielleicht in einem weiteren Stockwerk.“ Damit nahm er Bezug auf die Pläne der Sparkasse, eine ganze Reihe von Funktionen in einem Neubau am Schweigrother Platz in Baden-Baden zu bündeln.

Auf vielfältige Weise engagiere sich die Sparkasse in der Region, unter anderem in Kunst, Kultur, Bildung, Prävention, Sport. Das Dankeschön kam ebenfalls per Video: Die Harmonika-Vereinigung Gaggenau gratulierte und dankte per Einspielung, ebenso die Freiwillige Feuerwehr, Kinder der Eichelbergschule, die Handballer der Panthers Gaggenau, der Schwimmbadverein Sulzbach, der FV Bad Rotenfels. Und dabei handelte es sich „nur um eine kleine Auswahl der Vereine, für die die Sparkasse da ist“, wie Moderatorin Nicole Stichling versicherte.

Er habe zwar eine Rede vorbereitet, ergriff anschließend Oberbürgermeister Christof Florus das Wort, aber angesichts der kleinen Runde erlaube er sich doch, sich in freier Rede an die Gäste zu wenden. Ein Jahr älter als die „Stadt“ Gaggenau sei die Sparkasse, ursprünglich als Gemeindesparkasse gegründet. Denn die Verleihung der Stadtrechte jährt sich erst 2022 zum hundertsten Mal. Die Gründung der Sparkasse sei dem damaligen Bürgermeister August Schneider und seiner visionären Kraft zu verdanken.

Der Bürgerausschuss stimmte am 21. Mai 1920 einstimmig dem Beschluss des Gemeinderats zu, eine Gemeindesparkasse zu gründen. Bürgernähe sei nach wie vor wichtig, und das Sparkassengebäude gehöre zum Stadtbild: „Keiner in Gaggenau“ könne sich die Stadt ohne Sparkassenturm vorstellen, „wir sind stolz auf unsere Sparkasse.“

Den Abschluss der Feierstunde bildete die symbolische Übergabe eines Spendenschecks von 10.000 Euro an Gaggenauer Vereine. „Er sei zuversichtlich, dass die Sparkasse auch in Zukunft nahe bei den Menschen sein werde“, bekräftigte dabei Vorstandsvorsitzender Lothar Volle.

Einblicke in die Entscheidungen früherer Jahre

Der gut vorbereiteten Moderatorin Nicole Stichling gewährten die langjährigen Wegbegleiter der einstigen Stadtsparkasse Gaggenau, Alt-OB Michael Schulz und der ehemalige Verwaltungsrat Heinz Goll, Einblicke in die Entscheidungen vergangener Jahrzehnte. Ein Zusammengehen der Sparkasse mit Baden-Baden 2009 sei nicht zwingend gewesen, wusste Goll. Denn auch für eine Fusion mit Rastatt-Gernsbach habe es Gespräche gegeben.

Bereits zu Zeiten von OB Thomas Schäuble habe der damalige Gernsbacher Bürgermeister, Wolfgang Müller, eine Fusion von Gernsbach und Gaggenau vorgeschlagen. Aber, so Goll: Die Bedingungen „waren wirklichkeitsfremd, obwohl es sonst gepasst hätte.“ Schließlich sind Gaggenau und Gernsbach ja gemeinsames Mittelzentrum. „Aber durch solche Stolpersteine ist etwas Sinnvolles verhindert worden“, urteilte Goll.

So kam es also 1993 zum Schulterschluss mit Kuppenheim, erinnerte sich Michael Schulz. Im Vorfeld hatten bereits Gernsbach und Rastatt fusioniert. Es sei schon ungewöhnlich gewesen, dass ohne Berücksichtigung des gemeinsamen Mittelzentrums die Sparkassen Rastatt und Gernsbach über Gaggenau hinweg sich vereinten.

Der Impuls zur Fusion zwischen Kuppenheim und Gaggenau sei vom damaligen Kuppenheimer Bürgermeister Werner Trautwein gekommen – zur Freude von Schulz: Schließlich sei es stets sein Wunsch gewesen, dass die Murgtalkommunen zusammenbleiben. Froh war er deshalb, dass Trautwein und dessen Amtskollege von Bischweier, Robert Wein, sich nicht auf ein Zusammengehen mit der Sparkasse Rastatt-Gernsbach einlassen wollten.

Den Wettbewerb im Blick

Auch die immer wieder diskutierten Machtverhältnisse im Verwaltungsrat der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau thematisierte Schulz. Er habe vor der Fusion mit Kuppenheim zu Protokoll gegeben, dass der OB der Stadt Gaggenau als gesetzlicher Vertreter der Gewährsträgerkommune Gaggenau seinen Wahlvorschlag für den Verwaltungsrat so gestaltet, dass die Gemeinderäte entsprechend der Sitzverhältnisse im Gemeinderat im Verwaltungsrat repräsentiert sein müssen. Erst später habe man die höchstmögliche Zahl der Verwaltungsräte reduziert.

Heute sei die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit ein wichtiges Pfund der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau, erläuterte Heinz Goll. Doch sei Gaggenau „zur Filiale degradiert worden“, man verliere dadurch Arbeitsplätze.

Dankbar sei man als Kommunalpolitiker, wenn man in finanziell schweren Zeiten eine Sparkasse an der Seite habe, erinnerte sich Schulz. So habe die Stadt in den 90er-Jahren einen fünfstelligen Betrag zur Anschaffung von Buden für den Adventsmarkt bekommen. Zu beachten sei auch, dass viele Ortschaften mit ihren Vereinen unterstützt werden. Diese Unterstützung würden Institute, die auf Gewinnmaximierung orientiert sind, nicht machen. Er hoffe, dass sich die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau weiterhin durch Verlässlichkeit und Kundennähe auszeichne. Goll seinerseits äußerte die Erwartung, dass sie trotz allen Strebens nach Effizienz „nicht von einem Wirtschaftlichkeitsvirus befallen wird.“


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