Ein Rastatter Baudenkmal verfällt

Rastatt (dm) – Nach Investor-Pleite und Betrugsverdacht ist noch keine Lösung für die denkmalgeschützten „U“-Gebäude auf dem Joffre-Areal in Sicht. Die Falk-Gruppe ist an einem Rückkauf interessiert.

Bild des Verfalls: Wo es einst gebrannt hat, ist das Dach offen und sind Stützen erforderlich; drinnen sprießt das Grün. Foto: Frank Vetter

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Bild des Verfalls: Wo es einst gebrannt hat, ist das Dach offen und sind Stützen erforderlich; drinnen sprießt das Grün. Foto: Frank Vetter

Die Szenerie mutet surreal an: Eine asphaltierte und beschilderte Straße hinter einem Bauzaun, die ins Nichts führt. Rechts und links wuchert Gestrüpp, die Gebäude am Rande des Areals bieten ein Bild des Verfalls. Ein „Lost Place“ (vergessener Ort) mitten in Rastatt, im Gebiet der früheren Kaserne Joffre, wo ringsum neues Wohnen entstanden ist. Außer hier eben, in den in U-Form errichteten früheren Stallungen. Deren Zukunft ist ungewiss. Das Denkmal zerbröselt, und noch scheint kein Licht am Horizont.
Das um 1900 entstandene denkmalgeschützte Ensemble gehört zur Insolvenzmasse der German Property Group, die nicht nur pleite, sondern wegen Betrugsverdachts auch ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist (wir berichteten). Das niedersächsische Unternehmen, das zuvor Dolphin Trust hieß, hatte für angebliche Sanierungen von Baudenkmälern in ganz Deutschland mit hohen Renditeversprechen Geld von Anlegern vor allem aus Großbritannien und Asien eingesammelt. Inzwischen ist von drei Milliarden Euro die Rede. Spuren des Gelds führen laut „Tagesschau“ bis in die Karibik. Schon zuvor waren Zweifel aufgekommen, ob die Sanierungen tatsächlich umgesetzt werden können.

Es wuchert vor und im Gebäude

Ungewisser denn je scheint in diesem Zusammenhang auch die Zukunft der ehemaligen Joffre-Stallungen in Rastatt, für die im Jahr 2013 schöne Pläne präsentiert worden waren. 45 Reihenhäuser sollten in das „U“ hineingeschnitten werden, im Inneren des Areals 14 „Würfelhäuser“ entstehen. Es tat sich nichts. Während andere Investoren Neubauten errichtet und Bestandsgebäude saniert haben, liegt beim „U“ nur die Erschließungsstraße, an der links und rechts längst Häuser stehen sollten. Stattdessen ist sie von Gebüsch gesäumt.

Außen bedeckt meterhohes Gebüsch den bröckelnden Komplex. Foto: Frank Vetter

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Außen bedeckt meterhohes Gebüsch den bröckelnden Komplex. Foto: Frank Vetter

Auch an den Stallungen selbst wuchert es meterhoch – ganz ohne Dornröschenromantik: Mauerwerk bröckelt, Fenster sind eingeschlagen, mitunter notdürftig mit Sperrholz verriegelt, hier und da droht hinter der Absperrung etwas abzubrechen, und nach Bränden ist ein Teil des Daches offen. Dort wuchert es auch im Innern des Gebäudes, das zudem gestützt werden muss.

Karlheinz Falk spricht von einem „Trauerspiel“. Die Falk-Gruppe, deren Geschäftsführer er ist, hatte vor neun Jahren das 7,3 Hektar große Joffre-Areal im Dörfel komplett vom Bund gekauft, die Erschließungsarbeiten übernommen, einen Teil der Wohnhäuser selbst errichtet und die restlichen Flächen beziehungsweise Denkmäler an andere Investoren verkauft.

„Es tut einem in der Seele weh“

Als Falk einen Teil der Gebäude an Dolphin veräußerte, habe ja keiner damit rechnen können, dass damit just in diesem Teil der „Neuen Ludwigvorstadt“ Siechtum eintritt. Auch das „U“ sei damals sauber übergeben worden. Karlheinz Falks Bruder Franz sagte einmal, er habe selbst den letzten Ziegel in dem Denkmal noch richten lassen. Nun „tut es einem in der Seele weh, wenn man die Gebäude anschaut“, die man als ein Herzstück von Joffre angesehen habe, so Karlheinz Falk.

Der Offenburger Investor bemüht sich nach eigenen Angaben schon länger darum, die einstigen Stallungen zurückzukaufen. Zu Gesprächen mit German Property sei es aber nie gekommen. Nach der Pleite habe man mit dem Insolvenzverwalter Verbindung aufgenommen. Ein konkreter Kontakt bestehe aber auch hier noch nicht. Man warte auf Rückmeldung. Dass ein Teil der bundesweiten German-Property-Group-Immobilien nun in den Verkauf gehe, habe Falk über Dritte erfahren. Auf Immobilienportalen war jüngst gemeldet worden, dass Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt (BBL Brockdorff Rechtsanwaltsgesellschaft) das Unternehmen CR Investment Management exklusiv mit dem Vertrieb der Immobilien beauftragt habe. Insgesamt umfassen die Liegenschaften bundesweit eine Grundstücksgröße von rund 1,2 Millionen Quadratmetern. Eine vor zwei Wochen gestellte Anfrage des BT beim Insolvenzverwalter – dort hat man für den Fall German Property Group eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet – ist bislang nicht beantwortet worden.

Startschuss für Neubauten an der Karlstraße

Unterdessen kündigt am anderen Ende des ehemaligen Kasernenareals, an der Karlstraße, ein Schild ein weiteres Kapitel „modernen und eleganten“ Wohnens im Joffre-Park an, auch Baugerät ist bereits angerückt. Dort baut ein Investor aus der Region zwei Mehrfamilienhäuser, die im Stil an diejenigen angelehnt sind, die auf diesem Teil des Areals bereits errichtet wurden. Die einstigen Stallungen – und die alte Turnhalle – sind dann der letzte verbliebene Bereich, der seiner Entwicklung harrt. Einst, so Karlheinz Falk, habe man gedacht, dass dies sogar der erste wäre, „bei dem was geht“. Er hofft weiter, dass dort nun doch endlich Bewegung in die Sache kommt, betont aber, dass dies auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit sei. „Der Zustand wird immer schlechter, die Bausubstanz leidet seit Jahren, dazu kommt Vandalismus“, zählt Falk die Probleme auf. Nicht zu vergessen die Baupreisentwicklung. Welche Preisvorstellungen sich die Verkäufer machen, weiß Falk indes noch nicht. „Wir müssen abwarten“, sagt er. „Ich stehe für Gespräche zur Verfügung.“

Eine Innenansicht des „U“-Gebäudekomplexes. Bereits 2013 waren Pläne vorgestellt worden, die einstigen Stallungen in insgesamt 45 Wohnungen zu verwandeln. Foto: Frank Vetter

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Eine Innenansicht des „U“-Gebäudekomplexes. Bereits 2013 waren Pläne vorgestellt worden, die einstigen Stallungen in insgesamt 45 Wohnungen zu verwandeln. Foto: Frank Vetter

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
26. August 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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