Ein Verzicht, der auch den Geschmackssinn schärft

Rastatt (nora) – Weniger oder gar kein Fleischkonsum: Das könnte einiges in der Welt verbessern, meint die vom Klimabündnis Rastatt gekürte „Klimaheldin des Alltags“, Kathrin Peter.

Getestet und für gut befunden: Vegetarierin Kathrin Peter kostet ihr selbst kreiertes Gericht „Spaghetti mit Linsenbolognaise“.Foto: Nora Pallek

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Getestet und für gut befunden: Vegetarierin Kathrin Peter kostet ihr selbst kreiertes Gericht „Spaghetti mit Linsenbolognaise“.Foto: Nora Pallek

Das Klimabündnis Rastatt hat die Vegetarierin Kathrin Peter aus Elchesheim-Illingen zur „Klimaheldin des Alltags“ ernannt. „Eine fleischlose Ernährung trägt wesentlich zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bei“, begründet Erwin Groß, Sprecher des Klimabündnisses, die Auszeichnung. „Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verursacht so viel CO2 wie 80 Pkw-Kilometer“, verdeutlicht er die Auswirkungen des Fleischkonsums.
„Ein 200-Gramm-Steak schlägt in der Klimabilanz also genauso zu Buche wie etwa eine Fahrt von Rastatt nach Baden-Baden“, rechnet er vor. Da der Durchschnittsdeutsche pro Jahr 57 Kilogramm Fleisch esse, komme da schon einiges zusammen. Besorgniserregend findet der Bündnissprecher auch den hohen Flächenverbrauch für die Tierfutterproduktion, denn für ein Kilogramm Rindfleisch würden bis zu sieben Kilogramm Futtermittel benötigt. „Immer mehr Regenwälder werden abgeholzt, um Sojaplantagen anzulegen“, kritisiert Groß.

Klimaheldin Peter ist sich dieser Zusammenhänge bewusst. „Vegetarismus bedeutet für mich Ressourcenschonung“, sagt die Soziologin, die sich schon seit fast 28 Jahren fleischlos ernährt. Als Zwölfjährige entschied sie sich aufgrund des Skandals um die Rinderseuche BSE, ihre Ernährung umzustellen. Im Lauf der Zeit fand sie immer neue Argumente für eine fleischfreie Kost: das Leid der Masttiere, Schweinepest, Vogelgrippe, die Arbeitsbedingungen in der Fleischproduktion und natürlich den Klimaschutz. „Vor diesen Hintergründen kann man eigentlich kein Fleisch mehr essen“, meint die zweifache Mutter, die nebenberuflich als Yogalehrerin/-therapeutin und freie Dozentin arbeitet. Sie verweist auch auf das Thema Wasser: „Für die Erzeugung von tierischen Produkten werden rund 30 Prozent des weltweit genutzten Wassers verwendet.“ Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch verbrauche rund 15.500 Liter Wasser.

Familie will sie nicht drängen

Seit 2010 hat die 40-Jährige phasenweise sogar vegan gelebt, also auf alle tierischen Produkte verzichtet, doch mit Familie sei das schwierig. Ihrem Mann und den Söhnen dränge sie ihren Lebensstil nicht auf. „Sie grillen manchmal und essen auch gerne Milchprodukte“, erzählt sie aus ihrem Alltag. Fleisch werde aber nur in guter Qualität und mit Augenmaß gekauft. Sie selbst esse ab und zu Käse, was auch die Versorgung mit Vitamin B12 sicherstelle.

Am liebsten isst sie jedoch Gemüse. „Bevor ich Vegetarierin geworden bin, hatte ich keine Ahnung, wie unglaublich schmackhaft man Gemüse zubereiten kann.“ Bis heute kommen bei Peter oft asiatische Gemüsepfannen, Eintöpfe und Suppen sowie selbst gemachte Gemüsebratlinge auf den Teller. Im Sommer gibt es viel Rohkost mit Dips und leckere Salate. „Faszinierend“ findet sie, wie sensibel ihr Geschmackssinn durch die Umstellung geworden ist. „Bei Gurken, Paprika oder Zucchini gibt es riesige Qualitätsunterschiede“, hat sie festgestellt und plädiert für hochwertige, saisonale und regionale Lebensmittel. „Frischer Mais vom Kolben, erntefrische Tomaten oder Erdbeeren – das schmeckt einfach wahnsinnig lecker.“

Wichtig sei darüber hinaus, auf eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß zu achten. Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen, Mandeln, Nüsse, Sonnenblumen- und andere Kerne sowie eiweißreiches Getreide wie Quinoa könnten tierische Produkte gut ersetzen. „Als ich Vegetarierin wurde, war ich noch ein Exot, aber heute gibt es immer mehr Vegetarier oder Flexitarier“, freut sich Peter. Entsprechend gestiegen sei das Angebot an Fleischalternativen im Supermarkt. „Da könnte doch jeder zumindest ab und zu einen Vegi-Tag einlegen“, meint sie und liefert gleich die passende Rezeptidee, die sie entwickelt hat: Spaghetti mit Linsenbolognaise.

Auch Erwin Groß will das Rezept demnächst ausprobieren. Er ist zwar kein Vegetarier, hat seinen Fleischkonsum aber schon deutlich reduziert: „Wir leben jetzt unter der Woche überwiegend vegetarisch, teilweise auch vegan. Fleisch aus Amerika meiden wir komplett.“


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