Ein Gaggenauer und seine schwimmende Zahnklinik

Von Sabine Zoller

Gaggenau (sazo) – Der Gaggenauer Zahnarzt Michael Leppert segelt um die Welt und behandelt kleine und große Patienten kostenlos.

Ein Gaggenauer und seine schwimmende Zahnklinik

Als veritable Zahnklinik dient der Katamaran „Mariposa“, mit dem Michael Leppert aus Gaggenau derzeit in Süd-Thailand Station macht. Foto: Michael Leppert

Aussteigen und um die Welt reisen dürfte in Corona-Zeiten mehr denn je zum Traum vieler werden, zumal das Virus nur virtuelle Träume erlaubt. Viele Murgtäler kennen noch Zahnarzt Michael Leppert, der vor 15 Jahren Gaggenau den Rücken kehrte, um seinen Traum zu leben und weltweit dort zu helfen, wo er mit seiner mobilen Zahnarztpraxis am meisten gebraucht wird.

Als leidenschaftlicher Segler war eine Weltumsegelung für den promovierten Zahnarzt ) ein lang gehegter Kindheitstraum, doch den Job an den Nagel zu hängen, war für ihn keine Option. Der mittlerweile 71-Jährige verbindet auf seiner Segeltour das Nützliche mit dem Angenehmen. 2006 führte ihn seine Route westwärts, zunächst ins Mittelmeer nach Syrien, Ägypten und Marokko, dann in die Karibik. Mittlerweile hat er auf Galapagos und auf Französisch-Polynesien, den Cook-Inseln, Niuas, Tonga, Fiji, Tuvalu Kiribati und den Marshall-Islands im Pazifischen Ozean Station gemacht, viele Menschen mit Zahnleiden kennengelernt und behandelt – wohlwissend, dass in exotischen Ländern nicht unbedingt an jeder Straßenecke ein Zahnarzt zu finden ist.

„Ich komme in Orte, die noch nie einen Touristen gesehen haben, und bin auch vereinzelt bei noch unbekannten Bergvölkern unterwegs“, berichtet Leppert, der sich derzeit in Süd-Thailand befindet, da es dort „zum Glück nur wenig Corona-Fälle gibt und man im Land und mit dem Schiff frei reisen kann.“ Bis Mitte 2021 will er wieder in den Pazifik aufbrechen, um gemeinsam mit seiner Mitseglerin Birgit Reimann entlegene Atolle und Inseln mit seinen kleinen und großen Patienten zu besuchen.

Als veritable Zahnklinik dient sein Katamaran. Die „Mariposa“ ist nicht nur ein komfortables Reiseschiff, sondern Anlaufstelle für jährlich bis zu 2.000 Patienten, die er kostenlos auf abgelegenen Inseln und Atollen im Pazifik und Indischen Ozean behandelt. „Ich habe alle notwendige Technik und sogar für schwierige Fälle ein Röntgengerät an Bord“, erklärt der Mediziner, der mit einem breiten Behandlungsspektrum Menschen dort hilft, „wo ihn der Wind hintreibt.“ Sein Engagement reicht von Zahnfüllungen, Wurzelkanalbehandlungen, chirurgischen Eingriffen, Zahnstein- und Parodontosebehandlungen bis zur Aufklärung in Schulen und Kindergärten. In schwierigen Fällen unterstützt er Kollegen, repariert Behandlungseinheiten und gibt Unterricht für Gerätewartung, „da das Thema Instandhaltung im ganzen Pazifik ein Fremdwort ist“.

Trinkwasser wird aus dem Meer gewonnen

Ein Tausendsassa, der allerdings ganz genau zu rechnen versteht: Laufende Kosten werden auf das absolute Minimum reduziert und seinen Lebensstil hat er nach eigenen Aussagen den aktuellen Begebenheiten angepasst, ohne sich dabei unwohl fühlen zu müssen. „Die Gegenden, die ich die letzten 15 Jahre bereist habe, waren fast alle günstiger als Deutschland, denn dort müsste ich ja auch mit meinem Ersparten oder der Rente auskommen“, erzählt der leidenschaftliche Segler. Er hat genau kalkuliert, welche Rücklagen er jährlich zusätzlich einsetzen kann. „Ein Bordkassenbuch habe ich noch nie geführt wie bei anderen Jachten. Das geht mit Kopf und Bauchgefühl, was bis jetzt immer sehr gut klappt. Meine größten Kosten sind der Unterhalt fürs Schiff und die Zahnbehandlungen, die pro Jahr bis zu 20.000 Euro betragen und von mir kostenfrei gespendet werden. Dafür habe ich keine Ausgaben für ein Haus und mache 90 Prozent der Wartungsarbeiten am Schiff selbst.“

Die Versicherungen hat er auf Haftpflicht, Kranken- und Schiffsversicherung reduziert, und seine monatlichen Lebenshaltungskosten belaufen sich zwischen 200 und 1.000 Euro. Geangelt wird mit Leidenschaft und die größten Fische waren 80 Kilogramm schwere Exemplare wie ein Thunfisch und ein Marlin, die fast ein ganzes Jahr lang Nahrung boten. „Meine große Tiefkühlkapazität erlaubt Einkauf da, wo es gut und günstig ist, und normalerweise führe ich für ein Jahr Verpflegung mit, da die nächste gute Einkaufsmöglichkeit oft mehrere tausend Kilometer entfernt ist.“

Seine Motoren sind selten im Einsatz, da „der Wind zum Segeln nichts kostet und zudem ein viel angenehmeres Reisen ermöglicht“. Mit Solarkraft und Windturbinen wird der Stromverbrauch zu 100 Prozent gedeckt und Trinkwasser aus dem Meer gewonnen. Teure Hafengebühren lassen sich so vermeiden. „So konnte ich bislang immer ruhig schlafen“, berichtet Leppert.

Wie bilanziert er sein bisheriges Leben in der großen Freiheit? „Nach 15 Jahren kann ich heute sagen: Ich vermisse nichts vom alten, aufwendigen Leben. Weniger ist mehr.“

Auf seiner Internetseite hat Michael Leppert seine Reisen und Abenteuer beschreiben:

Hier geht es zur Internetseite von Michael Leppert.