Belastbarer Münsterländer im Dauerstress: Jens Spahn

Baden-Baden/Berlin (vo) – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn managt derzeit die Pandemie-Maßnahmen. Und dennoch hat der CDU-Politiker noch Zeit für Wahlkampf.

Will im April oder Mai die Hausarztpraxen in die Impfungen mit einbeziehen: Minister Jens Spahn. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

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Will im April oder Mai die Hausarztpraxen in die Impfungen mit einbeziehen: Minister Jens Spahn. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Jens Spahn ist einiges gewohnt. Schließlich steht der Bundesgesundheitsminister seit einem Jahr nahezu täglich im Fokus. Er steuert an vorderster Front die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Da bleibt Kritik nicht aus. „Ein Münsterländer ist belastbar“, sagt der Mann aus Ahaus im Kreis Borken auf die Frage des CDU-Landtagsabgeordneten Tobias Wald.

Spahn ist an diesem Samstagnachmittag als Gast zugeschaltet bei Walds Online-Meeting im Zuge des Landtagswahlkampfs in Baden-Württemberg. Der Minister hat wieder mal eine harte Woche hinter sich. Diesmal war es der Umgang mit den Corona-Tests, der ihn in die Schlagzeilen brachte. Weil es wie so oft in dieser Pandemie länger dauert, als man sich das wünscht, musste der 40-Jährige im politischen Berlin und ein Stück weit auch in der Öffentlichkeit wieder als Sündenbock herhalten.

Schnelltests für mehr Sicherheit im Alltag

Trotzdem kommt er an diesem Nachmittag im Gespräch mit interessierten Bürgern durchaus aufgeräumt daher. Die viel diskutierten Selbsttests, die Wirtschaft, Kultur und Sport eine Öffnungsperspektive geben sollen, würden bald für jedermann zur Verfügung stehen und vieles in dieser Pandemie erleichtern, sagt der Minister. Ob es das Familienfest sei, der Besuch im Theater oder das Essen im Restaurant – solche Tests ließen sich in konkreten Alltagssituationen ohne großen Aufwand einsetzen, „und geben den Menschen ein Stück weit mehr Sicherheit.“

Doch damit allein sei es nicht getan, sagt der CDU-Politiker. Die zunehmenden Mutationen machten die Erfolge des Lockdowns mit sinkenden Infektionszahlen und Inzidenzen gerade wieder zunichte. Da sei es gut, dass das Impfen der Menschen immer besser vorankomme. Natürlich immer noch zu langsam, räumt Spahn ein, weil erst 4,5 Prozent der Deutschen die Vakzine bekommen hätten, aber vor allem bei den Älteren, die bei der Impfung priorisiert seien, stelle man bereits eine positive Entwicklung fest.

Spahn bei Impfstoffwirksamkeit für Mutationen zuversichtlich

Weil nun Woche für Woche immer mehr Impfstoff zur Verfügung stünde, sollen neben den Impfzentren bis April oder Mai auch die Hausarztpraxen miteinbezogen werden, sagt Spahn. „Wir wollen bis zum Sommer jedem, der es will, ein Impfangebot gemacht haben“, betont der Minister. Aber bis dahin, daran lässt er keinen Zweifel, „stehen uns noch harte Wochen bevor.“

Rund 45 Minuten nimmt sich Spahn Zeit für den Video-Talk. Bei der Frage eines Teilnehmers, was denn sei, wenn die Impfstoffe wegen der Mutationen nicht mehr ausreichend wirkten, wird die Verunsicherung unter den Menschen deutlich. Spahn kann in diesem Fall beruhigen: „Die Experten sagen mir, es kann sein, dass die Impfstoffe je nach Mutation weniger wirken, und sich dadurch mehr Menschen anstecken könnten. Aber das heiße nicht, dass sie auch krank werden.“ Und von den Herstellerfirmen wisse er, dass sich die Impfstoffe generell schnell an die neuen Anforderungen anpassen ließen.

Mergen fragt nach Lehren aus der Pandemie

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen hat während dieser Pandemie ganz praktische Probleme in der täglichen Arbeit, beispielsweise mit der Bürokratie. Welche Lehren man daraus für die Zukunft sieht, will die OB wissen und spricht konkret die elektronische Gesundheitskarte an. Auch die Tatsache, dass es in ihrem Stadtkreis kein eigenes Gesundheitsamt gäbe „und ich deshalb null Kompetenzen habe, was die Pandemie angeht“, stört Mergen. Der Gesundheitsminister verweist auf die elektronische Patientenakte, die zu Jahresbeginn gestartet wurde. „Natürlich hätte ich auch den digitalen Impfpasse gerne schon gehabt“, räumt er Nachholbedarf in der Digitalisierung ein. Und für das Problem mit den Gesundheitsämtern zeigt der Landtagsabgeordnete Wald Verständnis, „hier muss man die Strukturen überdenken.“

Es sind am Ende kurzweilige 50 Minuten an diesem Nachmittag für die Teilnehmer. Und auf Jens Spahn wartet nach kurzem Durchschnaufen wohl schon der nächste Termin.

Ihr Autor

BT-Redakteur Jürgen Volz

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Erstellt:
1. März 2021, 12:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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