Ein bisschen wie bei Asterix und Obelix

Willstätt (moe) – Die Bundesliga-Fußballerinnen des SC Sand sind umzingelt von Proficlubs, die nicht nur über einen großen Namen, sondern aufgrund ihrer Männerteams auch über jede Menge Geld verfügen. Das schreckt die Verantwortlichen des Dorfvereins aber keineswegs: „Wir genießen die Situation als gallisches Dorf“, sagt Geschäftsführerin Claudia von Lanken vor dem Start der Restrunde am Sonntag gegen den SC Freiburg

Dina Blagojevic (vorne) und ihr SC Sand wollen endlich wieder ein Derby gegen Freiburg gewinnen. Foto: pr

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Dina Blagojevic (vorne) und ihr SC Sand wollen endlich wieder ein Derby gegen Freiburg gewinnen. Foto: pr

Es ist ein bisschen wie bei Asterix, Obelix und ihren Galliern: Ihr kleines Küstendörfchen im französischen Nordwesten ist umzingelt von einer Übermacht. Dank der Hilfe ihres Druiden Miraculix erwehrt sich das kleine Häufchen Unbeugsamer erfolgreich aller Angriffe der römischen Streitkräfte. Mit Römern haben es die Bundesliga-Fußballerinnen des SC Sand zwar nicht zu tun, die Analogie passt aber doch ganz gut, schließlich ist der Dorfverein aus dem Willstätter Ortsteil eingekesselt von großen Namen: dem SC Freiburg im Süden, der TSG Hoffenheim im Norden und Racing Straßburg jenseits des Rheins.

Von Lanken: „Genießen Situation als gallisches Dorf“

„Wir genießen die Situation als gallisches Dorf“, sagt Claudia von Lanken. Die Aussage der ehemaligen deutschen Nationaltorhüterin, die 2013 als Assistenztrainerin in die Ortenau kam und seit geraumer Zeit die Geschäftsstelle des Bundesligisten aus dem 2000-Seelen-Örtchen leitet, ist insofern bemerkenswert, da es für reine Frauenfußball-Vereine in der deutschen Eliteklasse – obendrein so exotische wie den SCS – in Zukunft immer schwieriger werden dürfte. Denn: Immer mehr etablierte Männer-Bundesligisten entdecken ihre weibliche Seite – und investieren – wie vom neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller jüngst gefordert – Geld, vor allem aber Know-how in den Frauenbereich. Ein ähnlicher Fall ist der des 1. FFC Frankfurt: Der siebenfache deutsche Meister war bisher ein reiner Frauenverein, schlüpft aber im Sommer unter die breiten Schwingen von Eintracht Frankfurt.

„Am Ende geht es ums Geld“

Von Lanken kennt die Vorteile, die die Anbindung an einen Männer-Bundesligisten mit sich bringt – angefangen von den Trainingsmöglichkeiten, über den Mannschaftsbus bis hin zur Pressestelle. „Und natürlich gibt es auch Spielerinnen, die lieber das Trikot von großen Vereinen wie dem SC Freiburg oder Bayer Leverkusen tragen“, sagt die 42-Jährige. Es gibt aber auch durchaus Nachteile einer derartigen Symbiose, Claudia von Lanken hat sie schon am eigenen Leib erfahren: „Bei jedem Bundesligisten, der eine Frauenabteilung hat, liegt der Fokus ganz klar auf dem Männerbereich.“ In ihrer Zeit als Trainerin beim Hamburger SV musste sie miterleben, wie 2011 zunächst die zweite Mannschaft und ein Jahr später das Bundesligateam „einfach abgemeldet wurde“. Offenbar habe die Clubführung die Lust am Frauenfußball verloren. Es komme immer darauf an, ob man gewollt oder nur geduldet wird, so die ehemalige Keeperin, die natürlich weiß: „Am Ende ist es immer eine Frage des Geldes.“

Naturgemäß ist auch der SC Sand nicht auf Rosen gebettet, muss sich ganz schön strecken, um Sponsorengelder zu akquirieren. Aber: „Unsere Eigenständigkeit hat auch Vorteile: Wir können alles selbst entscheiden, es gibt keinen, der uns irgendwo reinredet.“ Mit der Strategie, auf junge, hungrige und weniger bekannte Spielerinnen zu setzen, sind die Ortenauerinnen bisher sehr gut gefahren. 2016 und 2017 stand der Dorfclub jeweils sensationell im Finale des DFB-Pokals, seit nun schon sechs Jahren spielt der SCS ununterbrochen in der Bundesliga.

Und es deutet alles daraufhin, dass eine weitere Saison dazukommt: Vor dem Start der Restrunde, die für Sand mit dem Derby im heimischen Orsey-Stadion gegen den SC Freiburg beginnt, rangiert der SCS mit 16 Punkten auf Platz sieben, also im gesicherten Mittelfeld. Der mit deutlich größeren Ambitionen gestartete SC aus der Breisgau-Metropole liegt einen Punkt und einen Platz dahinter.

Vorfreude aufs badische Derby

„Wir freuen uns aufs Derby. Alle sind heiß!“, betont von Lanken. Nach dem überraschenden Abgang von Trainer Sascha Glass konnte Sand in Sven Thoß noch vor Weihnachten einen Nachfolger präsentieren. Team und Trainer „haben sich schnell gefunden“, versichert von Lanken. Einem Derbysieg – es wäre der erste in der jüngeren Vergangenheit gegen den SC – steht also nicht viel im Weg. Auch das würde zum Comic passen, schließlich gewinnt dort auch stets der kleine Haufen Gallier gegen die vermeintliche Übermacht.


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