Ein existenzbedrohendes Szenario

Karlsruhe (vo) – Spargel- und Erdbeerbauern stehen unter erheblichem Kostendruck. Die Europäische Leitmesse der Branche findet am 17. und 18. November in Karlsruhe statt.

Rund 450 Aussteller aus zwölf Ländern präsentieren in den Messehallen ihre Produkte und Erzeugnisse. Foto: Messe Karlsruhe

© JUERGEN ROESNER

Rund 450 Aussteller aus zwölf Ländern präsentieren in den Messehallen ihre Produkte und Erzeugnisse. Foto: Messe Karlsruhe

Baden ist seit jeher eines der größten Anbaugebiete für Spargel und Erdbeeren in Deutschland. Doch die sich verschlechternden Rahmenbedingungen mit steigenden Kosten bei stagnierenden Erträgen gehen an die Substanz der Erzeuger. Hinzu kommen die klimatischen Veränderungen, die Anpassungen verlangen.

Unter diesen Vorzeichen findet am 17. und 18. November die Europäische Spargel- und Erdbeermesse mit rund 450 Ausstellern aus zwölf Ländern in der Messe Karlsruhe statt. Nach der durch coronabedingten Zwangspause 2020 geht das Jubiläumsmesseduo aus 25. Expo-SE – Europas Leitmesse für den Spargel- und Beerenanbau sowie 10. Expo-Direkt – Deutschlands größte Fachmesse für die landwirtschaftliche Direktvermarktung an den Start.

Der Branchentreff fällt in eine Zeit, in der die Spargel- und Beerenbetriebe erhebliche Sorgen haben. Drastische Steigerungen der Rohstoffpreise und ein Lohnkostensprung bei gleichzeitiger Konkurrenz aus Ländern, die zu einem vielfach geringeren Mindestlohn produzieren können, gefährden die Rentabilität vieler Betriebe. Falls die sozialversicherungsfreie Beschäftigung, wie politisch gefordert, für Saisonarbeitskräfte fallen sollte, so kritisiert die Branche, liege der Lohnkostensprung gar bei rund 40 Prozent. Dieses Szenario wäre für die meisten Betriebe existenzbedrohend.

Verlagerung der Produktion ins Ausland befürchtet

Zu befürchten seien laut einer Umfrage des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände ein Abbau der handarbeitsintensiven Obst- und Gemüseproduktion im Land sowie die Verlagerung der Produktion ins Ausland, weil sich die Marktpreise im Handel nicht realisieren ließen.

Nach Erhebungen des Statistischen Landesamts wurden in diesem Jahr in Baden-Württemberg rund 10.800 Tonnen Spargel gestochen. Die Erntemenge erholte sich gegenüber dem coronabedingt schlechten Vorjahresergebnis mit einem Plus von 15 Prozent wieder etwas. Der Anbauumfang nahm leicht auf 2.700 Hektar zu. Schwerpunktmäßig wird Spargel in den Kreisen Rastatt, Karlsruhe, Rhein-Neckar und Breisgau-Hochschwarzwald angebaut.

Für die Erdbeeranbauer war das extreme Wetter in diesem Jahr eine Herausforderung. Frost zur Blüte bis zur Hitze im Juni sorgten dafür, dass die Erträge der Freilandkulturen 18 Prozent niedriger ausfielen als im Vorjahr. Mancherorts hatten die Erzeuger sogar Ausfälle von bis zu 70 Prozent. Zusätzlich setzt sich der Negativtrend des Freilandanbaus weiter fort. Laut Statistik hatten Freilanderdbeeren nur noch einen Umfang von 14.200 Tonnen (minus 25 Prozent). Stattdessen investieren die Landwirte in die wetterunabhängigeren Kulturen im Folientunnel oder Gewächshaus. Die Produktion ist flächen- und mengenmäßig weiter angewachsen. Rund ein Drittel der gesamten Erdbeerernte kommt inzwischen aus diesem Bereich.

Regionale Erdbeeren auch preislich wertschätzen

Letztendlich habe der Einsatz von Hochtunneln den Erzeugern die Ernte gerettet, resümierte Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) in Bruchsal. Der VSSE ist mit rund 670 Mitgliedern Deutschlands größter Verband für Spargel- und Erdbeeranbauer. „Diese Saison hat wie keine andere gezeigt, wie wichtig der geschützte Erdbeeranbau in Deutschland ist. Steigende Produktionskosten durch höhere Mindestlöhne, pandemiebedingte Zusatzkosten und höhere Umweltauflagen erfordern zum einen garantierte Erträge durch die geschützte Produktion im Hochtunnel und zum anderen faire Preise, die die qualitativ hohen Standards und den Arbeitseinsatz der Betriebe honorieren“, so Schumacher. Wer regionale Erdbeeren in Deutschland möchte, komme nicht umhin, sie auch preislich wertzuschätzen. Kritik übt Schumacher in diesem Zusammenhang am Lebensmitteleinzelhandel, der sich durch mangelnde Angebotsimpulse in der Hauptsaison und hohe Margen bei Erzeugerpreisen unter Produktionskostenniveau nicht absatzfördernd verhalten habe.

In Deutschland produzieren laut dem Statistischen Bundesamt 1.952 Betriebe auf 11.189 Hektar Anbaufläche Erdbeeren (Zahlen von 2020).


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